Was macht ein Mitarbeiter im Direktvertrieb?
Direktvertrieb heißt: Der Verkauf findet im persönlichen Gespräch statt, ohne Zwischenhandel. Je nach Auftraggeber werden Glasfaser- und Mobilfunkanschlüsse, Strom- und Gastarife, Zeitungsabos, Versicherungen, Photovoltaik oder Haushaltsgeräte verkauft. Der Arbeitstag beginnt oft mit einer kurzen Teambesprechung, in der Gebiete verteilt und Tagesziele festgelegt werden. Danach arbeitet man ein Gebiet ab: Klingeln, Ansprechen, Bedarf erfragen, Angebot rechnen, Vertrag auf dem Tablet abschließen, Widerrufsbelehrung übergeben. Zwischen den Gesprächen liegen Wege zu Fuß oder mit dem Auto, Wartezeiten und viele Absagen.
Neben dem Verkauf gehört Dokumentation dazu: Kontakte im CRM erfassen, Angebote nachhalten, Rückrufe erledigen, Reklamationen an den Service weitergeben. In manchen Modellen sitzt man an Promotionsständen in Einkaufszentren oder Baumärkten, in anderen fährt man Bestandskunden von Handwerksbetrieben, Kiosken oder Gastronomien ab und nimmt Bestellungen auf.
Wie wird man Mitarbeiter im Direktvertrieb?
Es gibt keine geregelte Ausbildung für diesen Einsatz. Viele Arbeitgeber stellen ohne einschlägige Vorbildung ein und verlangen lediglich einen Schulabschluss, Deutsch auf verhandlungssicherem Niveau und häufig einen Führerschein. Eingearbeitet wird in wenigen Tagen: Produktschulung, Gesprächsleitfaden, dann Begleitung durch einen erfahrenen Kollegen. Wer eine kaufmännische Ausbildung mitbringt – Kaufmann im Einzelhandel, Kaufmann für Büromanagement, Verkäufer – hat es beim Einstieg leichter und wird eher unbefristet angestellt. Für Finanz- und Versicherungsprodukte ist eine Sachkundeprüfung nach Gewerbeordnung nötig.
Die Vertragsformen unterscheiden sich stark. Neben Festanstellung sind Handelsvertretung auf selbständiger Basis und reine Provisionsverträge verbreitet. Vor der Zusage lohnt der genaue Blick auf Fixum, Provisionshöhe, Stornohaftung und die Frage, wer Fahrtkosten trägt.
Was der Beruf verlangt
Die größte Belastung ist die Ablehnung. Auf einen Abschluss kommen zahlreiche Gespräche, die nicht zustande kommen oder unfreundlich enden. Das muss man wegstecken können, Tag für Tag. Gearbeitet wird dann, wenn Kunden erreichbar sind: nachmittags, abends, samstags. Man ist bei jedem Wetter draußen, viel zu Fuß, mit schweren Unterlagen oder Mustern.
Der Druck ist messbar und öffentlich. Abschlusszahlen werden täglich verglichen, wer schwache Wochen hat, gerät unter Erklärungsdruck. Wer überwiegend von Provision lebt, hat schwankende Einkommen und trägt bei Stornos das Risiko mit. Die Fluktuation in der Branche ist hoch, unseriöse Anbieter mit Drückerstrukturen existieren – Zeitdruck im Gespräch, Verschleierung von Vertragsinhalten. Ein Arbeitgeber, der klare Produkte, faire Provisionen und Widerrufsquoten offenlegt, ist ein gutes Zeichen.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis hoch, besonders im Glasfaserausbau, bei Energieanbietern und im Photovoltaikgeschäft. Einstiegsstellen sind fast durchgehend ausgeschrieben, Bewerbungen laufen schnell. Wer Umsatz bringt und bleibt, wird häufig Teamleiter, Gebietsleiter oder Vertriebstrainer und arbeitet dann mit stärkerem Fixanteil. Ein Wechsel in den Innendienst, ins Key-Account-Management oder in den technischen Vertrieb mit Weiterbildung zum Fachwirt für Vertrieb ist ein häufiger Weg. Wer sich langfristig halten will, sucht meist einen Arbeitgeber mit Bestandskundenbetreuung statt reiner Kaltakquise.