Was macht ein LKW-Fahrer C/CE im Fernverkehr?
Im Fernverkehr werden Güter über Entfernungen bewegt, die sich nicht an einem Arbeitstag zurücklegen lassen: von einem Zentrallager im Ruhrgebiet nach Norditalien, von Hamburg nach Polen, von Bayern nach Spanien. Der Arbeitstag beginnt meist am Fahrzeug, oft auf einem Autohof oder Betriebshof. Dazu gehören die Abfahrtkontrolle, also Reifen, Beleuchtung, Bremsen, Ölstand und Ladungssicherung prüfen, das Einlesen der Fahrerkarte und die Planung der Route unter Berücksichtigung von Lenk- und Ruhezeiten.
Dann wird gefahren, häufig acht bis neun Stunden am Tag, in Ausnahmen zehn. An der Laderampe wird ent- und beladen, teils durch das Lagerpersonal, teils selbst mit Hubwagen oder Stapler. Papiere müssen stimmen: Frachtbrief, Lieferschein, bei Auslandsfahrten Zoll- und Begleitdokumente, bei Gefahrgut die vorgeschriebenen Unterlagen. Wartezeiten an Rampen gehören zum Alltag und lassen sich selten planen. Die Wochenenden verbringen manche Fahrer zu Hause, andere auf einem Rastplatz irgendwo in Europa.
Wie wird man LKW-Fahrer C/CE im Fernverkehr?
Es gibt zwei Wege. Der eine ist die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer, in der Führerschein, Qualifikation und Fachkenntnisse zu Ladung, Technik und Recht enthalten sind. Der zweite und häufigere Weg ist der Quereinstieg: Führerschein C oder CE erwerben und die beschleunigte Grundqualifikation nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz ablegen. Beides zusammen kostet einen vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Betrag, wird aber häufig von der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter über einen Bildungsgutschein gefördert, teils auch von Speditionen, die im Gegenzug eine Bindung vereinbaren. Alle fünf Jahre sind Weiterbildungsmodule Pflicht, dazu kommen Gesundheits- und Sehtests.
Was der Beruf verlangt
Der Fernverkehr trennt vom Privatleben. Wer freitags erst spät heimkommt und sonntagabends wieder losfährt, verpasst viel. Das ist der Hauptgrund, weshalb viele Fahrer nach einigen Jahren in den Nah- oder Werkverkehr wechseln. Körperlich fordert vor allem das lange Sitzen, dazu Ladungssicherung, Planen ziehen, Klettern auf die Ladefläche bei jedem Wetter. Essen unterwegs ist selten gut, Bewegungsmangel und Rückenprobleme sind verbreitet.
Die Verantwortung ist hoch: 40 Tonnen im dichten Verkehr, Zeitdruck durch Zeitfenster an den Rampen, Kontrollen durch BAG und Polizei, bei Verstößen gegen Lenkzeiten haftet auch der Fahrer. Gefordert sind Ruhe, Zuverlässigkeit und Selbstständigkeit, weil niemand zusieht. Fremdsprachliche Grundkenntnisse und Digitalkompetenz für Telematiksysteme helfen zunehmend.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird höher: Ein großer Teil der aktiven Fahrer geht in den nächsten Jahren in Rente, der Nachwuchs reicht nicht nach. Wer eine gültige CE-Lizenz und ein sauberes Führungszeugnis hat, findet in der Regel schnell eine Stelle. Der Lohndruck durch osteuropäische Anbieter ist trotzdem spürbar, auch wenn Mindestlohnregeln im EU-Mobilitätspaket ihn gedämpft haben.
Entwicklungswege führen in Spezialtransporte wie Schwergut, Tank, Silo oder Gefahrgut mit ADR-Schein, wo besser gezahlt wird, oder in die Disposition, Fahrschule und Ausbildung. Mit Fachkundeprüfung ist auch ein eigenes Transportunternehmen möglich. Autonomes Fahren wird den Beruf mittelfristig verändern, ihn im Verteilverkehr und an der Rampe aber nicht kurzfristig ersetzen.