Was macht ein Lean Manager?
Lean Manager analysieren, wie Arbeit in einem Unternehmen tatsächlich fließt: wie lange ein Auftrag von der Bestellung bis zur Auslieferung braucht, wo Material liegen bleibt, an welcher Station sich Halbfertigware staut, wie oft nachgearbeitet werden muss. Dazu stehen sie mit Stoppuhr und Klemmbrett an der Linie, zeichnen Wertströme auf, erheben Durchlaufzeiten, Rüstzeiten und Ausschussquoten und rechnen den Effekt von Änderungen in Zeit und Geld um. Ein großer Teil der Arbeit ist Moderation: Kaizen-Workshops mit Meistern und Werkern, Shopfloor-Runden vor der Kennzahlentafel, 5S-Aktionen, Wertstromanalysen mit der Logistik, Standardisierung von Arbeitsplätzen. In Verwaltung und Finanzbereichen geht es um dieselbe Logik angewandt auf Rechnungsläufe, Angebotsprozesse oder Monatsabschlüsse.
Der Nachweis der Wirkung läuft über Zahlen. Lean Manager definieren Kennzahlen, bauen Berichte, verhandeln mit dem Controlling über die Bewertung von Einsparungen und berichten den Fortschritt der Maßnahmen an die Werk- oder Geschäftsleitung. Wer Verbesserungsprojekte nicht in nachvollziehbaren Effekten belegen kann, verliert schnell an Rückhalt.
Wie wird man Lean Manager?
Der übliche Weg führt über ein Studium in Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau, Produktionstechnik, Betriebswirtschaft oder Supply Chain Management. Ein zweiter, ebenso verbreiteter Weg ist der Aufstieg aus der Fertigung: Industriemeister oder technischer Betriebswirt mit einigen Jahren Schichtverantwortung, dann Wechsel in die Prozessverbesserung. Fast immer folgen Zertifizierungen, meist Six Sigma Green Belt oder Black Belt, dazu Schulungen in Wertstromdesign, TPM oder Shopfloor Management. Diese Kurse dauern Tage bis Wochen und werden häufig vom Arbeitgeber bezahlt. Ein direkter Einstieg ohne Praxis in einem operativen Bereich ist selten; die meisten beginnen als Prozess-, Produktions- oder Industrial Engineer.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist mit erheblichem Widerstand verbunden. Wer Standards einführt, greift in gewachsene Gewohnheiten ein, und die Botschaft "Verschwendung reduzieren" wird von Belegschaften oft als Ankündigung von Stellenabbau gelesen. Lean Manager haben in der Regel keine Personalverantwortung für die Bereiche, die sie verändern sollen, müssen also über Argumente und Beziehungen arbeiten. Dazu kommt der Druck von oben, jedes Quartal messbare Einsparungen zu liefern. Reisetätigkeit ist bei Konzernen mit mehreren Werken üblich, ebenso früher Dienstbeginn zur Frühschicht, wenn Workshops an der Linie stattfinden. Ausdauer ist wichtiger als Tempo: Viele Projekte fallen nach einem halben Jahr in den alten Zustand zurück, wenn niemand nachhält.
Aussichten
Die Nachfrage ist in der Industrie stabil, besonders in Automotive, Maschinenbau, Elektronik, Medizintechnik und zunehmend in Logistik, Krankenhäusern und Verwaltungen. In Krisenzeiten steigt der Bedarf sogar, weil Kostensenkung Vorrang bekommt, gleichzeitig steigt dann das Risiko, selbst als Stabsfunktion gestrichen zu werden. Entwicklungswege führen zur Leitung eines Continuous-Improvement-Teams, in die Werk- oder Produktionsleitung, ins Operations-Controlling oder in die Unternehmensberatung. Wer Erfahrung mit Datenanalyse, Automatisierung und digitalem Shopfloor Management verbindet, hat die besten Karten.