Was macht ein IT-Prozessarchitekt?
IT-Prozessarchitekten stehen zwischen Fachabteilung und Entwicklung. Sie nehmen auf, wie ein Unternehmen tatsächlich arbeitet - etwa wie eine Bestellung von der Erfassung über die Kreditprüfung bis zur Rechnungsstellung läuft - und übersetzen das in eine Systemlandschaft, die diesen Ablauf trägt. Dazu gehört das Modellieren von Prozessen in BPMN, das Beschreiben von Datenflüssen, das Festlegen von Schnittstellen zwischen ERP, CRM und Fachanwendungen sowie das Bewerten, ob ein Prozess automatisiert, vereinfacht oder ganz gestrichen werden sollte.
Der Alltag besteht zu einem großen Teil aus Gesprächen: Workshops mit Fachbereichen, Abstimmungen mit Entwicklungsteams, Vorstellungsrunden bei Bereichsleitungen. Dazwischen liegt Dokumentationsarbeit - Zielbilder, Architekturentscheidungen, Migrationspläne. In größeren Organisationen kommt Gremienarbeit hinzu: Architekturboards, in denen entschieden wird, ob eine geplante Lösung zur Gesamtarchitektur passt. Wer in Beratungshäusern arbeitet, wechselt regelmäßig das Projekt und damit die Branche.
Wie wird man IT-Prozessarchitekt?
Der Beruf ist keine Ausbildung und kein Einstiegsjob. Üblich ist ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen oder Betriebswirtschaft mit IT-Schwerpunkt, dazu mehrere Jahre Praxis als Entwickler, Business Analyst, ERP-Berater oder Projektleiter. Auch Fachinformatiker mit langer Erfahrung und Weiterbildung kommen in die Rolle, ebenso Menschen aus Fachabteilungen, die die Prozesse ihres Bereichs genau kennen und sich technisch weitergebildet haben.
Hilfreich sind Zertifizierungen: TOGAF für Unternehmensarchitektur, BPMN- oder Six-Sigma-Nachweise für Prozessmodellierung, ITIL für Servicethemen, herstellernahe Zertifikate für SAP, Salesforce oder Azure. Entscheidend bleibt aber, ob jemand einen komplizierten Sachverhalt so aufschreiben und erklären kann, dass Fachbereich und Entwicklung dasselbe darunter verstehen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend im Büro oder remote, körperlich unbelastend, dafür mit langen Bildschirmzeiten und vielen Terminen. Belastend ist meist etwas anderes: Prozessarchitekten haben Verantwortung für Entscheidungen, aber selten Weisungsbefugnis. Sie müssen Fachbereiche überzeugen, die an ihren gewachsenen Abläufen hängen, und Widerstand aushalten, wenn eine Umstellung Zuständigkeiten verschiebt. Projekte laufen über Jahre, Ergebnisse sind spät sichtbar, und nicht jedes Zielbild wird umgesetzt.
Vor Releases und Go-lives wird es zeitlich eng, Überstunden sind dann normal. In der Beratung kommt Reisetätigkeit hinzu, teilweise mit mehreren Tagen pro Woche beim Kunden. Wer nur programmieren oder nur konzipieren will, ist hier falsch: Der Beruf lebt von der Mischung, und ein erheblicher Teil ist Kommunikationsarbeit.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil hoch. Fast jedes größere Unternehmen steckt in Systemmodernisierung, Cloud-Migration oder S/4HANA-Umstellungen, und dabei stellt sich immer die Frage, welche Prozesse künftig wie laufen sollen. Erfahrene Leute, die sowohl Fachlichkeit als auch Technik beherrschen, sind knapp.
Entwicklungswege führen in die Enterprise-Architektur, in die Leitung von Programmen und Portfolios, in die IT-Bereichsleitung oder in die selbstständige Beratung. Eine Spezialisierung auf eine Branche - Banken, Versicherungen, Industrie, öffentliche Verwaltung - oder auf eine Plattform erhöht den Marktwert deutlich.