Was macht ein Ingenieur für baulichen Brandschutz?
Im Zentrum der Arbeit steht das Brandschutzkonzept: ein Dokument, das für ein konkretes Gebäude beschreibt, welche Bauteile welche Feuerwiderstandsdauer erreichen müssen, wo Brandabschnitte liegen, wie lang Rettungswege sein dürfen, wo Rauchabzüge sitzen und welche Anlagentechnik gefordert ist. Grundlage sind die Landesbauordnungen, Sonderbauverordnungen für Schulen, Krankenhäuser, Versammlungsstätten oder Industriebauten sowie technische Regeln und Normen.
Der Alltag besteht zu großen Teilen aus Prüfen und Schreiben. Architekturpläne werden auf Fluchtwegbreiten, Türöffnungsrichtungen und Abschottungen kontrolliert, Bauteilnachweise geführt, Stellungnahmen zu Abweichungen von der Bauordnung formuliert. Wer im Ingenieurbau arbeitet, rechnet auch: Heißbemessung von Stahl- und Betonbauteilen, Entrauchungssimulationen, Nachweise zur Personenströmung. Dazu kommen Baustellenbegehungen, bei denen kontrolliert wird, ob Kabeldurchführungen sauber abgeschottet und Brandschutztüren richtig eingebaut sind, sowie Abstimmungen mit Bauherren, Architekten, Fachplanern, Prüfingenieuren, Bauaufsicht und Feuerwehr. Ein Teil der Fachleute arbeitet zusätzlich im Bestand und bewertet, wie alte Gebäude ohne Vollsanierung auf ein akzeptables Sicherheitsniveau gebracht werden können.
Wie wird man Ingenieur für baulichen Brandschutz?
Üblich ist ein Studium des Bauingenieurwesens, der Architektur, der Sicherheitstechnik oder des Maschinenbaus, häufig ergänzt durch einen Masterstudiengang oder eine Weiterbildung im Brandschutz. Es gibt eigene Studienangebote wie Brandschutzplanung oder Sicherheitstechnik, die meisten Berufstätigen kommen aber über eine Zusatzqualifikation dazu: berufsbegleitende Lehrgänge zum Fachplaner oder zur Fachplanerin für vorbeugenden Brandschutz, Weiterbildungen an Hochschulen und Kammerakademien. Für den öffentlich-rechtlichen Nachweis brauchen viele Bundesländer eine Anerkennung als Prüfsachverständige oder Nachweisberechtigte für Brandschutz, die mehrjährige praktische Erfahrung und eine Prüfung voraussetzt. Auch Bauingenieure mit Erfahrung im Hochbau und Brandschutzbeauftragte mit technischem Studium wechseln in dieses Feld; ohne Studium ist der Einstieg als Techniker mit Fachplanerqualifikation möglich, die Aufstiegsmöglichkeiten sind dann begrenzter.
Was der Beruf verlangt
Die rechtliche Materie ist unübersichtlich: Bauordnungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, Normen ändern sich, und für viele Fragen gibt es keine eindeutige Regel, sondern eine begründete Einzelfallentscheidung. Wer nicht bereit ist, ständig nachzulesen, wird damit nicht glücklich. Dazu kommt Verantwortung: Fehler im Konzept können Leben kosten und führen zu Haftungsfragen.
Der Alltag ist überwiegend Bürotätigkeit am Bildschirm, unterbrochen von Baustellenterminen und Besprechungen. Termindruck entsteht, wenn Genehmigungen hängen oder Bauabläufe an einer Freigabe kleben. Konflikte gehören dazu: Brandschutzanforderungen kosten Geld und Fläche, entsprechend wird um jede Anforderung verhandelt. Überstunden sind in Planungsbüros verbreitet, Reisetätigkeit je nach Projektlage.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil. Nachweisberechtigte und Prüfsachverständige sind knapp, Sanierung im Bestand, Umnutzungen und der Neubau von Sonderbauten sorgen für dauerhafte Auftragslage, auch in Phasen schwächerer Baukonjunktur. Entwicklungswege führen in die Projektleitung, in die Selbstständigkeit als Sachverständige, in Bauaufsichtsbehörden und Brandschutzdienststellen, zu Prüforganisationen oder in die Spezialisierung auf ingenieurmethodische Nachweise mit Brand- und Rauchsimulation, die technisch anspruchsvoll und gut bezahlt ist.