Was macht Group Accounting?
Group Accounting, auf Deutsch Konzernrechnungswesen, fasst die Einzelabschlüsse aller Gesellschaften eines Konzerns zu einem Gesamtbild zusammen. Dazu werden die Meldungen der Tochtergesellschaften eingesammelt, auf einheitliche Bilanzierungsregeln überführt und in einem Konsolidierungssystem wie SAP SEM-BCS, LucaNet oder Tagetik verarbeitet. Kernaufgabe ist die Konsolidierung selbst: Kapitalkonsolidierung bei Beteiligungen, Eliminierung von Innenumsätzen und Zwischengewinnen, Aufrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Konzerngesellschaften, Währungsumrechnung ausländischer Einheiten.
Daneben geht es um die fachliche Beurteilung von Einzelfragen: Wie wird ein Leasingvertrag nach IFRS 16 abgebildet, wann ist eine Firmenwertabschreibung fällig, wie wird ein Unternehmenskauf erstmalig bilanziert. Group Accounting schreibt die Konzernbilanzierungsrichtlinie, schult die Kolleginnen in den Landesgesellschaften und ist erster Ansprechpartner für die Wirtschaftsprüfer. Am Ende stehen Konzernabschluss, Anhang und Lagebericht, bei börsennotierten Unternehmen zusätzlich Quartals- und Halbjahresberichte.
Wie wird man Group Accounting Specialist?
Der übliche Weg führt über ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt Accounting, Wirtschaftsprüfung oder Controlling. Viele kommen aus der Wirtschaftsprüfung: Zwei bis fünf Jahre bei einer Prüfungsgesellschaft gelten als klassisches Sprungbrett, weil dort Konsolidierungslogik und IFRS täglich vorkommen. Ein zweiter Weg beginnt im Rechnungswesen einer Einzelgesellschaft und führt über die Meldung an den Konzern in die Zentrale.
Quereinstieg ohne Studium ist möglich, aber selten und dauert länger. Er läuft über eine kaufmännische Ausbildung, mehrere Jahre Bilanzbuchhaltung und die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter oder International Accountant. Wer die Prüfung zum Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer besteht, hat die stärkste Eintrittskarte, braucht dafür aber Jahre.
Was der Beruf verlangt
Der Arbeitsrhythmus ist getaktet. Zum Jahresabschluss und in den Wochen vor jeder Quartalsveröffentlichung sind Überstunden die Regel, teils über Wochen. Zwischen den Abschlussphasen wird es ruhiger, planbar ist das aber nur begrenzt, weil Umstrukturierungen, Zukäufe oder neue Standards jederzeit dazwischenkommen.
Inhaltlich ist der Beruf anspruchsvoll und trocken. Wer Freude an Texten der IFRS und an der Frage braucht, ob ein Sachverhalt Beherrschung im Sinne von IFRS 10 begründet, ist hier richtig. Wer schnelle Ergebnisse und Abwechslung sucht, wird sich schwertun. Zur Arbeit gehört außerdem Beharrlichkeit im Umgang mit Landesgesellschaften, die Meldefristen reißen oder Sachverhalte anders auslegen, oft über Zeitzonen und Sprachbarrieren hinweg. Englisch ist in internationalen Gruppen Arbeitssprache. Fehler fallen auf, weil die Zahlen veröffentlicht und geprüft werden - der Druck auf Genauigkeit ist hoch.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis hoch. Jeder Konzern über einer bestimmten Größe muss konsolidieren, und die Zahl der Regelwerke wächst, zuletzt durch die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die vielfach im Group Accounting angesiedelt wird. Fachkräfte mit IFRS-Erfahrung und Kenntnis eines Konsolidierungssystems sind schwer zu finden.
Entwicklungswege führen zur Leitung Konzernrechnungswesen, in die Position des Head of Accounting oder weiter zum Kaufmännischen Leiter. Alternativen sind der Wechsel in Beratung und Prüfung, in Investor Relations oder ins Beteiligungscontrolling. Wer nur eine Branche kennt, bleibt beweglich, weil Konsolidierungswissen weitgehend branchenunabhängig ist.