Was macht eine freigestellte Praxisanleitung?
Die Praxisanleitung begleitet Auszubildende der Pflegeberufe während ihrer praktischen Einsätze auf Station, im Wohnbereich oder in der Tour. Freigestellt bedeutet: Die Stelle ist ganz oder überwiegend von der Arbeit am Bett entkoppelt. Statt Grundpflege und Medikamentengabe stehen geplante Anleitungssituationen im Mittelpunkt - eine Verbandwechsel-Sequenz gemeinsam vorbereiten, durchführen und danach besprechen, ein Aufnahmegespräch beobachten, eine Übergabe üben.
Dazu kommt eine Menge Organisation. Einsatzpläne mit der Pflegeschule abstimmen, Anleitungsnachweise führen, Zwischen- und Abschlussgespräche dokumentieren, Beurteilungen schreiben, praktische Prüfungen mitgestalten. Die Praxisanleitung ist Ansprechpartnerin, wenn ein Auszubildender überfordert ist, wenn es Konflikte im Team gibt oder wenn ein Einsatz abgebrochen zu werden droht. Häufig gehört auch die Einarbeitung neuer Kolleginnen und die Begleitung von Fachkräften aus dem Ausland dazu, inklusive Anpassungsqualifizierung und Kenntnisprüfung.
Wie wird man freigestellte Praxisanleitung?
Grundlage ist eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf - Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Dazu kommt in der Regel mindestens ein Jahr Berufserfahrung im jeweiligen Bereich. Die Weiterbildung zur Praxisanleitung umfasst nach der Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung mindestens 300 Stunden und wird berufsbegleitend an Bildungsakademien, Pflegeschulen und Kliniken angeboten. Sie dauert meist ein halbes bis ein Jahr und endet mit einer Prüfung. Anschließend sind jährlich 24 Stunden Fortbildung verpflichtend nachzuweisen. Wer aus der Hebammenkunde, der Therapie oder der Notfallsanitäterausbildung kommt, findet vergleichbare Wege mit eigenen Regelwerken.
Was der Beruf verlangt
Die Freistellung ist der Kern und gleichzeitig der Konfliktpunkt. In vielen Häusern ist sie auf dem Papier festgelegt, wird aber bei Personalausfall wieder eingezogen - dann steht die Praxisanleitung doch in der Pflege und die geplante Anleitung fällt aus. Wer die Rolle ernst nimmt, muss den eigenen Auftrag regelmäßig gegenüber der Leitung verteidigen.
Der Beruf verlangt Geduld mit sehr unterschiedlichen Lernständen, die Fähigkeit, unangenehme Rückmeldungen klar und fair zu geben, und Ausdauer bei Dokumentation. Wer gern selbst pflegt und Erfolge am Patienten sucht, wird die neue Distanz spüren. Die Arbeitszeiten sind meist geregelter als im Dreischichtsystem, allerdings begleiten viele Praxisanleitungen bewusst auch Spät- und Wochenenddienste, weil dort gelernt werden muss. Belastend ist die Zwischenstellung zwischen Team, Schule, Leitung und Auszubildenden.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wächst. Ausbildungsbetriebe in der Pflege sind verpflichtet, mindestens zehn Prozent der praktischen Ausbildungszeit strukturiert anzuleiten, und die Zahl der Ausbildungsplätze wie auch der internationalen Fachkräfte steigt. Freigestellte Stellen werden in Kliniken, Pflegeheimen und ambulanten Diensten regelmäßig gesucht, oft aus dem eigenen Haus besetzt. Wer weitergehen will, wechselt in die Pflegepädagogik mit Bachelor oder Master, übernimmt die Koordination aller Praxisanleitungen eines Trägers, geht in die Pflegeschule als Lehrkraft oder in die innerbetriebliche Fortbildung. Auch der Weg in Wohnbereichs- oder Stationsleitung ist gängig.