Was macht ein Fahrzeugbewerter?
Fahrzeugbewerter stellen fest, was ein Fahrzeug wert ist. Der Anlass ist meist ein Verkauf, eine Rückgabe aus dem Leasing, ein Versicherungsfall oder eine Finanzierung. Am Fahrzeug selbst wird sichtbar gearbeitet: Lackschichtdicke messen, Spaltmaße prüfen, Unterboden und Radläufe auf Korrosion kontrollieren, Reifenprofil und Bremsen ansehen, Fahrzeugidentifikationsnummer und Papiere abgleichen, Ausstattungsliste über die Fahrzeugdaten rekonstruieren. Dazu kommt eine Probefahrt oder mindestens ein Motorstart mit Auslesen des Fehlerspeichers.
Der zweite Teil der Arbeit findet am Rechner statt. Der ermittelte Zustand wird in Bewertungssysteme wie Schwacke, DAT oder Eurotax eingegeben, mit aktuellen Marktpreisen abgeglichen und um Zu- und Abschläge korrigiert. Ergebnis ist ein Wertgutachten oder ein Rückgabeprotokoll, das vor Kunden, Händlern und Versicherungen Bestand haben muss. Wer bei Leasingrückläufern arbeitet, dokumentiert außerdem Schäden über die normale Abnutzung hinaus und schätzt Reparaturkosten. Bei Unfallfahrzeugen kommen Restwertermittlung, Wiederbeschaffungswert und Reparaturkalkulation hinzu.
Wie wird man Fahrzeugbewerter?
Es gibt keine eigene Ausbildung. Der übliche Weg führt über eine Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker, Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker oder über den Automobilkaufmann mit anschließender Technikerfahrung. Darauf setzt eine Weiterbildung auf, etwa zum zertifizierten Fahrzeugbewerter oder Kfz-Sachverständigen bei DEKRA, TÜV, DAT oder Handwerkskammern. Diese Kurse dauern je nach Umfang wenige Wochen bis mehrere Monate und enden mit einer Prüfung. Kfz-Meister und Kfz-Techniker haben es beim Einstieg leichter, weil viele Auftraggeber eine formale Qualifikation verlangen. Quereinsteiger aus dem Autohandel kommen über die Fahrzeugeinkaufsbewertung hinein, häufig zunächst intern für den eigenen Betrieb.
Was der Beruf verlangt
Die Bewertung passiert dort, wo das Fahrzeug steht: auf Höfen, in kalten Hallen, bei Regen, oft im Freien. Wer im Außendienst arbeitet, fährt täglich mehrere Termine ab und sitzt viel im Auto. Zeitdruck ist verbreitet, weil pro Fahrzeug ein festes Zeitbudget kalkuliert ist, die Dokumentation aber vollständig sein muss. Fehler kosten Geld, und zwar sichtbar: ein zu hoch angesetzter Restwert belastet den Auftraggeber, ein zu niedriger den Fahrzeughalter. Entsprechend gehört es zum Alltag, Bewertungen gegenüber verärgerten Kunden oder Händlern zu begründen und dabei sachlich zu bleiben. Wer keine Freude daran hat, Befunde schriftlich präzise festzuhalten, wird mit dem Beruf nicht glücklich.
Aussichten
Gebrauchtwagen werden weiter gehandelt, geleast und verunfallt, entsprechend bleibt die Nachfrage stabil. Bewertungssysteme und Foto-Apps übernehmen inzwischen einen Teil der Routine, die abschließende technische Beurteilung aber nicht. Ein deutlicher Veränderungsdruck kommt von der Elektromobilität: die Bewertung von Batteriezustand und Restkapazität ist ein eigenes Feld, in dem Fachleute knapp sind. Entwicklungswege führen zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen, in die Schadensregulierung bei Versicherungen, in die Leitung einer Sachverständigenorganisation oder in die Selbstständigkeit mit eigenem Gutachterbüro.