Was macht ein Consultant Financial Services?
Die Arbeit besteht darin, Probleme von Finanzdienstleistern in Projekten zu lösen. Das kann die Umsetzung einer neuen aufsichtsrechtlichen Anforderung sein, etwa im Meldewesen oder bei den Eigenkapitalvorschriften, die Einführung eines Kernbankensystems, die Auslagerung von Prozessen oder die Bewertung eines Kreditportfolios. Consultants analysieren Ist-Prozesse, führen Interviews mit Fachabteilungen, bauen Modelle in Excel oder Python, schreiben Fachkonzepte und Testfälle und dokumentieren Ergebnisse in Präsentationen für den Lenkungskreis.
Ein großer Teil des Alltags ist Abstimmung: Statusmeetings, Rückfragen an die Rechtsabteilung, Klärung mit der IT, Nachhalten offener Punkte in Listen. Wer neu einsteigt, übernimmt zunächst Recherche, Datenauswertung, Protokolle und Foliensätze und wächst dann in eigene Arbeitspakete hinein. Mit mehr Erfahrung kommen Teilprojektleitung, Angebotsschreiben und der Kontakt zum Kunden auf Entscheiderebene dazu.
Wie wird man Consultant Financial Services?
Üblich ist ein abgeschlossenes Studium in Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsmathematik oder Physik. Große Beratungen und die Beratungseinheiten der Wirtschaftsprüfer stellen jährlich Hochschulabsolventen in festen Einstiegsprogrammen ein; Praktika in Banken, Versicherungen oder in einer Beratung sind dabei praktisch Voraussetzung. Ein Master oder eine Promotion hilft, ist aber kein Muss.
Der zweite verbreitete Weg führt aus der Branche selbst: Wer einige Jahre im Risikocontrolling einer Bank, in der Schadenregulierung, im Zahlungsverkehr oder in der Aktuariatsabteilung gearbeitet hat, wird als Fachkraft mit Praxiswissen gesucht. Auch Bankkaufleute mit anschließendem Studium oder Bankbetriebswirte finden den Einstieg. Zertifikate wie CFA, FRM, Aktuar DAV oder Projektmanagement-Nachweise werden nach dem Einstieg oft berufsbegleitend erworben, meist vom Arbeitgeber finanziert.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitszeiten sind lang und schwer planbar. Vor Meilensteinen, Migrationswochenenden oder Meldeterminen sind Abende und gelegentlich Wochenenden verplant. Reisen zum Kundenstandort gehören dazu, in vielen Häusern zwei bis vier Tage pro Woche, wobei Remote-Anteile seit einigen Jahren gestiegen sind. Wer feste Zeiten oder Ortsbindung braucht, wird damit dauerhaft Mühe haben.
Inhaltlich verlangt der Beruf, sich schnell in fremde Fachgebiete einzuarbeiten und trotzdem belastbare Aussagen zu treffen. Regulatorik ist trocken und ändert sich ständig. Dazu kommt Druck von zwei Seiten: der Kunde erwartet Ergebnisse, die eigene Firma erwartet abrechenbare Stunden und später verkaufte Projekte. Die Fluktuation in den ersten Jahren ist hoch, viele wechseln nach drei bis fünf Jahren auf die Kundenseite.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und wird von außen getrieben: neue EU-Regulierung, Zinswende, Zahlungsverkehrsstandards, Ablösung alter Kernsysteme, Nachhaltigkeitsberichte, IT-Sicherheit. Gesucht werden besonders Leute, die Fachwissen und Technik verbinden, etwa Datenmodellierung im Meldewesen oder Cloud-Migration in Versicherungen.
Die Laufbahn in Beratungen ist klar gestuft, vom Consultant über Manager bis zur Partnerebene, mit Beförderungen etwa im Zwei- bis Vierjahresrhythmus und deutlichem Auswahldruck nach oben. Wer aussteigt, geht typischerweise in Stabsstellen, Projektleitung oder Führungspositionen bei Banken und Versicherern, in die Aufsicht oder in die Selbstständigkeit als freier Berater.