Was macht ein Consultant Accounting & Finance?
Die Arbeit beginnt fast immer mit einem Projektauftrag: Ein Konzern muss seinen Abschluss künftig nach IFRS aufstellen, ein Mittelständler will seinen Monatsabschluss von zwanzig auf zehn Tage verkürzen, eine Private-Equity-Gesellschaft braucht vor einem Zukauf eine Financial Due Diligence. Consultants analysieren dann die bestehenden Buchhaltungs- und Reportingprozesse, sichten Kontenpläne, Bilanzierungsrichtlinien und Systemeinstellungen in SAP oder einem anderen ERP, sprechen mit Buchhaltern und Controllern und schreiben auf, wo Zahlen falsch, spät oder gar nicht entstehen.
Danach folgt die Umsetzung. Das bedeutet Bilanzierungsfragen klären, Bewertungsmodelle für Leasingverträge oder Rückstellungen bauen, Konsolidierungslogiken definieren, Arbeitsanweisungen schreiben, Testfälle im System durchspielen und die Mitarbeitenden des Kunden schulen. Vieles davon spielt sich in Excel, PowerPoint und im ERP-System ab. Ein erheblicher Teil der Zeit geht in Abstimmung: Statusmeetings, Workshops, Protokolle, Rückfragen an Wirtschaftsprüfer.
Wie wird man Consultant Accounting & Finance?
Üblich ist ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt Accounting, Controlling, Finance oder Wirtschaftsprüfung, Bachelor oder Master. Große Beratungen und Prüfungsgesellschaften stellen direkt von der Hochschule ein und bilden intern weiter. Der zweite gängige Weg führt über einige Jahre in der Wirtschaftsprüfung oder im Konzernrechnungswesen; wer Abschlüsse selbst erstellt oder geprüft hat, wird als Quereinsteiger gern genommen. Auch Bilanzbuchhalterinnen mit ERP-Erfahrung finden den Einstieg, besonders bei Beratungen mit Prozess- und Systemfokus. Berufsbegleitend folgen häufig Examina wie Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder CFA sowie Zertifizierungen in SAP-Modulen.
Was der Beruf verlangt
Die Auslastung schwankt stark. In Abschluss- und Go-Live-Phasen sind Sechzig-Stunden-Wochen keine Ausnahme, dazwischen gibt es ruhigere Wochen mit interner Arbeit. Reisetätigkeit ist je nach Haus deutlich zurückgegangen, aber nicht verschwunden: Zwei Tage pro Woche beim Kunden sind verbreitet. Wer Planbarkeit braucht, tut sich schwer.
Inhaltlich muss man sich schnell in fremde Geschäftsmodelle und gewachsene Systemlandschaften einarbeiten und Ergebnisse präsentieren, bevor man alles verstanden hat. Fachlich verlangt der Beruf sichere Kenntnisse in HGB und IFRS, Verständnis für Datenstrukturen und die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte in wenigen Folien verständlich zu machen. Dazu kommt die politische Seite: Projekte scheitern selten an der Bilanzierung, sondern an Widerständen in der Organisation. Der Leistungsdruck in großen Häusern ist hoch, die Fluktuation entsprechend.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und wird von regulatorischen Wellen getrieben: Nachhaltigkeitsberichterstattung, E-Invoicing, S/4HANA-Migrationen, Konzernumstrukturierungen. Fachkräfte mit IFRS- und ERP-Erfahrung sind knapp. Die Karriere in Beratungen verläuft in klaren Stufen bis zum Manager und Partner, mit deutlichen Gehaltssprüngen und steigender Vertriebsverantwortung. Viele wechseln nach drei bis sechs Jahren auf die Unternehmensseite, etwa in die Konzernbilanzierung, ins Group Reporting oder in Finanzleitungsfunktionen; die Beratungszeit gilt dort als guter Startpunkt.