Was macht ein Berufskraftfahrer für Lebendvieh?
Der Arbeitstag beginnt meist mitten in der Nacht oder am frühen Morgen, weil Schlachthöfe feste Anlieferzeiten haben. Vor der Fahrt steht die Abfahrtkontrolle: Reifen, Bremsen, Beleuchtung, Ladungssicherung, Funktion der Lüftung und der Tränkeanlage, Zustand der Trennwände und Einstreu. Dann geht es zum Erzeugerbetrieb, wo die Tiere verladen werden. Das Verladen ist der schwierigste Teil der Arbeit: Rinder müssen ruhig über die Rampe getrieben werden, Schweine drängen oder bleiben stehen, verletzte oder transportunfähige Tiere dürfen nicht mitgenommen werden. Diese Entscheidung trifft der Fahrer mit, und er muss sie gegenüber dem Landwirt vertreten können.
Während der Fahrt gilt eine besonders vorsichtige Fahrweise, weil lebende Ladung sich bewegt und der Schwerpunkt hoch liegt. Bei längeren Strecken sind Fahrtzeiten, Tränk- und Ruhepausen der Tiere einzuhalten und im Fahrtenbuch beziehungsweise über das Navigationssystem zu dokumentieren. Nach der Entladung am Schlachthof oder Zielbetrieb folgt die Reinigung und Desinfektion des Fahrzeugs, oft in einer Waschhalle, teils bei jedem Wetter. Auch Seuchenschutzauflagen, Bestandsregister und Transportpapiere fallen in den Aufgabenbereich.
Wie wird man Berufskraftfahrer für Lebendvieh?
Üblich ist die dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer, die den Führerschein der Klasse CE einschließt. Verbreitet ist ebenso der Quereinstieg: Wer den CE-Führerschein und die Grundqualifikation nach dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz besitzt, kann direkt einsteigen. Viele Fahrer in diesem Bereich kommen aus der Landwirtschaft oder haben eine Ausbildung als Landwirt oder Tierwirt und bringen den Umgang mit Tieren schon mit.
Zwingend erforderlich ist zusätzlich der Befähigungsnachweis für Tiertransporte nach der EU-Verordnung 1/2005. Er wird in einem Kurs mit anschließender Prüfung erworben und ist für Transporte über 65 Kilometer Pflicht. Wer als Fahrzeugführer und Betreuer unterwegs ist, braucht ihn ebenso wie eine Zulassung des Transportunternehmens.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und liegen häufig nachts, am Wochenende und an Feiertagen. Die Lenk- und Ruhezeiten begrenzen die Fahrzeit, nicht aber die Belastung durch Verladen, Reinigen und Warten. Körperlich ist der Beruf fordernd: Rampen aufbauen, Trennwände umstecken, Einstreu verteilen, Hochdruckreiniger führen. Lärm, Staub, Gerüche und Kälte gehören dazu.
Psychisch ist die Nähe zur Schlachtung für manche schwer. Fahrer erleben verletzte und gestresste Tiere, geraten in Konflikte mit Landwirten über Transportfähigkeit und stehen bei Kontrollen durch Veterinärämter und Polizei unter Druck. Tierschutzverstöße werden geahndet, die Verantwortung liegt teils beim Fahrer persönlich. Wer Tiere nicht ruhig und geduldig behandeln kann, ist in diesem Beruf falsch.
Aussichten
Fahrpersonal fehlt in der gesamten Logistik, im Viehtransport besonders, weil zusätzliche Qualifikationen und ungünstige Zeiten viele abschrecken. Wer die Nachweise hat, findet zügig eine Stelle. Gleichzeitig steht die Branche unter Druck: Strengere Tierschutzauflagen, kürzere zulässige Transportzeiten und sinkende Tierbestände verändern das Geschäft, Langstreckentransporte in Drittländer sind politisch umstritten. Entwicklungswege führen in die Disposition, zur Fuhrparkleitung, zum Ausbilder oder in die Selbstständigkeit mit eigenem Zug, meist im Auftrag von Viehhandel oder Schlachtunternehmen.