Was macht ein Bauingenieur nach dem praxisintegrierten Studium?
Bauingenieurinnen und Bauingenieure planen, berechnen, bauen und erhalten Bauwerke: Wohn- und Gewerbebauten, Brücken, Kläranlagen, Straßen, Bahnstrecken. Wer aus einem praxisintegrierten Studium kommt, steigt meist dort ein, wo die Praxisphasen stattgefunden haben. Typische Aufgaben sind Massen- und Kostenermittlung, das Aufstellen von Bauzeitenplänen, die Koordination von Nachunternehmern, Abrechnung von Bauleistungen sowie statische Nachweise und Tragwerksberechnungen. Ein erheblicher Teil der Arbeit besteht aus Dokumentation, Schriftverkehr mit Auftraggebern und Behörden, Nachtragsverhandlungen und Terminverfolgung - kaufmännische und verwaltende Anteile prägen den Alltag stärker, als es der technische Studiengang vermuten lässt.
Im Studium selbst wechseln sich Hochschulsemester und Betriebsphasen ab. In den Praxisphasen begleiten Studierende Bauleiter, nehmen Aufmaße, führen Bautagebücher, prüfen Aufmaßblätter und arbeiten in der Kalkulation oder Vermessung mit.
Wie wird man Bauingenieur im praxisintegrierten Studium?
Voraussetzung ist die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife, an einigen Hochschulen genügt eine Fachhochschulreife. Bewerbungen laufen doppelt: zuerst beim Unternehmen, das den Praxisvertrag schließt, dann bei der Hochschule oder Berufsakademie. Das Studium dauert sechs bis acht Semester und endet mit dem Bachelor of Engineering. Wer eine Bauzeichnerausbildung oder eine Lehre im Bauhauptgewerbe mitbringt, hat bei der Bewerbung Vorteile und kann teils Praxisphasen anrechnen lassen. Ein Quereinstieg ist auch über ein klassisches Vollzeitstudium mit Werkstudententätigkeit möglich; der Unterschied liegt vor allem in der Vertragsbindung und der durchgehenden Bezahlung. Der anschließende Master ist für Tragwerksplanung, Prüfingenieurtätigkeit oder den höheren Verwaltungsdienst häufig nötig.
Was der Beruf verlangt
Das praxisintegrierte Studium ist dicht. Semesterferien im üblichen Sinn gibt es nicht, die vorlesungsfreie Zeit ist Arbeitszeit im Betrieb. Klausurvorbereitung findet neben der Vollzeitbeschäftigung statt, die Abbruchquoten liegen vor allem an Mathematik, Mechanik und Baustatik. Wer sich mit Rechnen schwertut, wird in den ersten Semestern viel Zeit investieren müssen.
Im Beruf gehören Baustellen zum Alltag: Lärm, Staub, Kälte, Termindruck. Bauleitung heißt früher Arbeitsbeginn, Erreichbarkeit und regelmäßige Überstunden, oft auch wechselnde Einsatzorte mit Montagezeiten. Konflikte mit Nachunternehmern, Bauherren und Behörden sind Bestandteil der Arbeit, nicht die Ausnahme. Wer lieber am Schreibtisch bleibt, findet Alternativen in Tragwerksplanung, Kalkulation, Projektsteuerung oder der Bauverwaltung - dort ist die Belastung planbarer, aber die Verantwortung für Nachweise und Genehmigungen hoch.
Aussichten
Der Bedarf an Bauingenieuren ist seit Jahren größer als das Angebot, besonders im Ingenieurbau, in der Bauwerkserhaltung und bei Kommunen, Landesbaubetrieben und Verkehrsinfrastrukturgesellschaften. Die Baukonjunktur schwankt jedoch, im Wohnungsbau deutlich; Sanierung, Brückenerneuerung und Wasserwirtschaft sind stabiler. Wer das Studium praxisintegriert absolviert hat, wird in der Regel vom Praxispartner übernommen. Entwicklungswege führen über Oberbauleitung und Projektleitung in die Niederlassungsleitung, in die Selbstständigkeit als planender Ingenieur oder über die Kammerzulassung zum Prüfingenieur und Sachverständigen.