Was macht ein Agenturleiter Versicherung?
Ein Agenturleiter führt eine Geschäftsstelle oder Agentur eines Versicherungsunternehmens, meist als selbstständiger Vertreter nach § 84 HGB, seltener als Angestellter. Der Arbeitstag besteht aus zwei Hälften: Vertrieb und Betriebsführung. Auf der Vertriebsseite stehen Beratungsgespräche zu Sach-, Lebens-, Kranken- und Gewerbeversicherungen, Bedarfsanalysen, Angebotsvergleiche, Vertragsabschlüsse und die Begleitung im Schadenfall. Auf der Betriebsseite geht es um Bestandspflege, Terminplanung, Marketing im Umkreis, Kosten der Agentur, Einhaltung von Beratungs- und Dokumentationspflichten sowie um die Führung der Mitarbeiter: Kundenberater, Auszubildende, Bürokräfte.
Agenturleiter arbeiten mit klaren Zielvorgaben der Versicherungsgesellschaft, meist quartalsweise gemessen an Neugeschäft, Bestandsentwicklung und Storno. Ein erheblicher Teil der Zeit fließt in Kontaktaufnahme: Empfehlungen nachgehen, Bestandskunden zu Anlässen wie Hausbau, Geburt oder Ruhestand ansprechen, Termine bestätigen. Dazu kommen Pflichtschulungen, Produktupdates und die Dokumentation im Bestandssystem.
Wie wird man Agenturleiter Versicherung?
Der klassische Weg führt über die Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen, drei Jahre im dualen System. Danach folgen einige Jahre als Kundenberater oder Vertriebsmitarbeiter, oft ergänzt durch die Weiterbildung zum Versicherungsfachwirt oder zum Fachwirt für Versicherungen und Finanzen. Auch ein Studium in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Versicherung oder ein Abschluss an einer Versicherungsakademie öffnet den Weg. Quereinstiege sind verbreitet, vor allem aus Banken, dem Handel oder anderen vertriebsnahen Berufen. Erforderlich ist dann die Sachkundeprüfung Versicherungsfachmann nach § 34d Gewerbeordnung und die Eintragung im Vermittlerregister. Wer eine Agentur selbstständig übernimmt, braucht zusätzlich eine Gewerbeerlaubnis und Startkapital.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf lebt vom Ergebnis. Ein großer Teil des Einkommens ist provisionsabhängig, und schwache Monate wirken unmittelbar. Wer keine Freude daran hat, Menschen anzusprechen, auch ungefragt, wird in dieser Rolle nicht bestehen. Ablehnung gehört zum Alltag, ebenso die Rechtfertigung von Beitragserhöhungen und abgelehnten Schadenmeldungen. Abende und Samstage sind übliche Beratungszeiten, weil Kunden dann Zeit haben; die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt bei Selbstständigen fast völlig.
Hinzu kommt Bürokratie: Beratungsprotokolle, IDD-Weiterbildungspflicht von mindestens 15 Stunden im Jahr, Datenschutz, Nachweise gegenüber der Gesellschaft. Als Selbstständiger trägt man Miete, Personalkosten und die eigene Altersvorsorge. Der Ruf der Branche ist ambivalent, und man muss ihn im Einzelgespräch immer wieder widerlegen.
Aussichten
Die Zahl der Agenturen sinkt seit Jahren, weil Gesellschaften ihre Netze verdichten und einfache Produkte online verkauft werden. Gleichzeitig gehen viele Agenturinhaber in den Ruhestand, ohne Nachfolger zu finden - für Einsteiger entstehen dadurch Übernahmechancen mit vorhandenem Bestand. Gefragt bleibt persönliche Beratung bei komplexen Themen: Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit, Gewerbe- und Landwirtschaftsrisiken. Entwicklungswege führen zur größeren Generalagentur, in die Bezirks- oder Vertriebsleitung der Gesellschaft, in die Spezialisierung als Makler oder in die Ausbildung von Nachwuchsvermittlern.