Was macht ein Zeitungszusteller?
Zeitungszusteller versorgen einen festen Bezirk mit Tageszeitungen. Der Arbeitstag beginnt meist zwischen ein und drei Uhr nachts an einem Übergabepunkt: einer Garage, einem Depot oder einem Stapel an der Straßenecke. Dort werden die Zeitungsbündel abgeholt, gezählt und nach Tour sortiert. Beilagen und Prospekte müssen von Hand eingelegt werden, bevor die eigentliche Zustellung beginnt.
Danach wird der Bezirk abgefahren oder abgelaufen, je nach Zuschnitt mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß. Jede Zeitung gehört in den richtigen Briefkasten, in vielen Bezirken sind Ausnahmen zu beachten: Zustellung vor die Wohnungstür, Ablage im Hausflur, Urlaubsunterbrechungen. Reklamationen wegen fehlender Exemplare werden am Folgetag nachgeliefert, teils noch am selben Morgen. Wer die Zeitung nicht vorfindet, ruft beim Verlag an, und der Zusteller bekommt die Nachlieferung auf die Tour.
Zum Alltag gehören außerdem das Melden von Adressänderungen und defekten Briefkästen, das Abrechnen der übernommenen Stückzahl und in manchen Betrieben die Erfassung der Zustellung per Smartphone-App. Sonntags entfällt die Tour meist, an Feiertagen nicht immer.
Wie wird man Zeitungszusteller?
Eine Ausbildung gibt es nicht. Verlage, Zustellgesellschaften und Logistikdienstleister stellen ohne formale Vorbildung ein, verlangt werden Zuverlässigkeit, Ortskenntnis und in den meisten Bezirken ein eigenes Fahrzeug oder Fahrrad. Der Führerschein Klasse B ist in ländlichen Gebieten faktisch Voraussetzung, in Innenstadtbezirken nicht. Ein polizeiliches Führungszeugnis wird gelegentlich verlangt, weil Zusteller Zugang zu Hausfluren haben.
Die Einarbeitung dauert wenige Tage: Ein erfahrener Zusteller fährt die Tour einmal mit, danach übernimmt man allein. Viele Stellen sind Minijobs oder Teilzeitstellen, Vollzeit gibt es vor allem bei Zustellgesellschaften, die mehrere Bezirke bündeln oder zusätzlich Briefe und Pakete ausliefern. Der Beruf wird häufig als Nebentätigkeit ausgeübt, von Rentnern, Studierenden und Menschen mit einem zweiten Job.
Was der Beruf verlangt
Die Nachtarbeit ist die größte Belastung. Wer um halb zwei aufsteht, verschiebt seinen gesamten Tagesrhythmus, und der lässt sich am Wochenende nur schwer wieder einfangen. Dazu kommt das Wetter: Regen, Schnee, Glatteis und Dunkelheit gehören zum Arbeitsplatz. Zeitungsbündel sind schwer, an Wochenenden mit vielen Beilagen deutlich schwerer als werktags. Rücken, Knie und Schultern werden beansprucht, ebenso beim ständigen Ein- und Aussteigen aus dem Auto.
Die Bezahlung liegt in vielen Fällen nahe am Mindestlohn. Abgerechnet wird oft nach Stückzahl oder pauschal pro Tour, wodurch der tatsächliche Stundenlohn sinkt, sobald die Tour länger dauert als kalkuliert. Fahrzeugkosten trägt häufig der Zusteller selbst und bekommt sie nur teilweise erstattet. Urlaubsvertretung zu finden ist schwierig, weshalb Betriebe Druck machen, Touren auch bei Krankheit zu übernehmen.
Aussichten
Die gedruckte Auflage der Tageszeitungen geht seit Jahren zurück, damit auch die Zahl der Zustellbezirke. In dünn besiedelten Regionen stellen Verlage die Frühzustellung ganz ein oder liefern per Post. Gleichzeitig finden viele Zustellgesellschaften kaum Personal, offene Touren gibt es fast überall.
Aufstieg innerhalb der Zustellung ist begrenzt: möglich sind Bezirksleitung, Depotverantwortung oder Tourenplanung. Wer im Bereich bleiben will, wechselt häufig zur Paket- oder Briefzustellung, wo Arbeitszeiten am Tag liegen und tarifliche Bezahlung verbreiteter ist.