Was macht ein Wirtschaftsinformatiker?
Wirtschaftsinformatik liegt zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite stehen Geschäftsprozesse: Wie läuft eine Bestellung durch ein Unternehmen, wo bleiben Rechnungen liegen, welche Daten braucht der Vertrieb. Auf der anderen Seite stehen die Systeme, die das abbilden - ERP-Software wie SAP, Datenbanken, Schnittstellen, Webanwendungen. Wirtschaftsinformatikerinnen erheben Anforderungen bei den Fachabteilungen, schreiben Lastenhefte, modellieren Prozesse in BPMN, konfigurieren Systeme, testen Releases und begleiten Einführungen. Programmiert wird je nach Stelle mehr oder weniger: In der Softwareentwicklung viel, im IT-Projektmanagement oder in der Prozessberatung eher wenig. Häufig geht es um Auswertungen, Kennzahlen und Datenmodelle - also SQL, Power BI, Python.
Der Alltag besteht zu großen Teilen aus Kommunikation. Anforderungen sind selten klar formuliert, Fachabteilungen und Entwickler sprechen unterschiedliche Sprachen, und dazwischen zu vermitteln ist der Kern der Arbeit.
Wie wird man Wirtschaftsinformatiker?
Üblich ist ein Bachelorstudium Wirtschaftsinformatik über sechs bis sieben Semester, an einer Hochschule vor Ort oder an einem virtuellen Campus. Das Onlinestudium bedeutet: Vorlesungen als Videos oder Live-Sessions, Übungsaufgaben und Foren im Lernportal, Klausuren an Prüfungszentren oder online überwacht. Die meisten Anbieter erlauben einen flexiblen Start und ein Studium in Teilzeit über acht bis zwölf Semester. Zugang gibt es mit Abitur oder Fachhochschulreife, an privaten Hochschulen oft auch über eine abgeschlossene Berufsausbildung mit Berufserfahrung.
Ein Quereinstieg ist möglich und häufig: Fachinformatiker, Kaufleute mit IT-Affinität oder Anwendungsbetreuer studieren nebenbei, um vom Betrieb in die Konzeption zu wechseln. Wer bereits im Beruf steht, kann Praxisprojekte und Abschlussarbeit im eigenen Unternehmen schreiben.
Was der Beruf verlangt
Das Fernstudium fordert Selbstdisziplin. Es gibt keinen Stundenplan, der den Tag strukturiert, und keine Kommilitonen im Nebensitz. Neben Vollzeitjob kommen realistisch fünfzehn bis zwanzig Stunden Lernzeit pro Woche dazu, überwiegend abends und am Wochenende. Die Abbruchquoten im Fernstudium sind deutlich höher als im Präsenzstudium, und die Mathematik- und Statistikmodule sind für viele die erste Hürde. Private Anbieter kosten Studiengebühren, die über die gesamte Studiendauer einen fünfstelligen Betrag erreichen können.
Im Beruf selbst ist die Belastung planbarer als in vielen anderen Feldern, aber Projektphasen vor einem Go-Live bedeuten Überstunden und Wochenendarbeit. Reisetätigkeit gehört in der Beratung dazu. Wer nur programmieren und nicht verhandeln will, ist in diesem Beruf falsch aufgestellt.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil hoch. Unternehmen digitalisieren Prozesse, führen neue ERP-Versionen ein und brauchen Menschen, die beides verstehen - Technik und Betrieb. Absolventinnen finden Stellen als Business Analyst, IT-Consultant, SAP-Berater, Anforderungsmanager oder Data Analyst. Entwicklungswege führen in die Projektleitung, ins Produktmanagement, in die Teamleitung eines IT-Bereichs oder in die Selbstständigkeit als Beraterin. Ein Masterabschluss ist für Fachpositionen nicht zwingend, aber für den öffentlichen Dienst und für Konzernlaufbahnen hilfreich. Auch mit einem Onlineabschluss einer staatlich anerkannten Hochschule gibt es dabei keine formalen Nachteile - Arbeitgeber fragen nach Praxisprojekten, nicht nach der Vorlesungsform.