Was macht ein Verkäufer an der Frischetheke?
Der Arbeitstag beginnt meist vor der Ladenöffnung: Ware aus dem Kühlhaus holen, Theke einräumen, Fleisch und Wurst in Portionen legen, Käse aufschneiden, Salate und Feinkost dekorieren, Preisschilder prüfen. Danach steht der Verkauf im Mittelpunkt. Kunden bestellen 300 Gramm Aufschnitt, ein Stück Braten oder zwei Frikadellen, wollen wissen, welcher Käse zum Wein passt oder wie lange das Hackfleisch hält. Bestellungen werden abgewogen, verpackt, etikettiert und abgerechnet.
Parallel läuft die warme Küche. Je nach Markt heißt das: Hähnchen im Grill drehen, Schnitzel und Pommes frittieren, Suppen und Eintöpfe ansetzen, belegte Brötchen und Salate für die Mittagstheke vorbereiten, Auslagen nachfüllen und die Temperaturen kontrollieren. Dazu kommen Dokumentationspflichten nach HACCP, Reinigung von Schneidemaschinen, Fritteusen und Vitrinen, Warenkontrolle auf Mindesthaltbarkeit, Bestellungen beim Lieferanten und die Erfassung von Abschriften. Wer länger dabei ist, plant die Produktion, entscheidet über Bestellmengen und arbeitet neue Kollegen ein.
Wie wird man Verkäufer an der Frischetheke?
Der klassische Weg ist die zweijährige Ausbildung zum Verkäufer oder die dreijährige zum Kaufmann im Einzelhandel, jeweils mit Schwerpunkt Lebensmittel. Ebenso passend sind Ausbildungen im Fleischerhandwerk, als Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk oder eine Kochausbildung. Ein großer Teil der Beschäftigten kommt jedoch als Quereinsteiger und wird im Betrieb angelernt, oft aus der Gastronomie, aus dem Kassenbereich oder ganz ohne einschlägige Vorerfahrung. Verpflichtend sind vor Arbeitsbeginn die Erstbelehrung nach dem Infektionsschutzgesetz und regelmäßige Hygieneschulungen. Wer eigenverantwortlich zerlegt oder Fleisch anschneidet, braucht Sachkunde im Umgang mit den Maschinen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet im Stehen statt, sechs bis neun Stunden, auf Fliesen, zwischen Kühltheke und Grill. Der Wechsel zwischen Kälte an der Theke und Hitze in der Küche belastet Kreislauf und Gelenke, Fett, Wasser und Reinigungsmittel greifen die Haut an. Schnittverletzungen an Aufschnittmaschinen und Verbrennungen an Fritteuse und Grill gehören zu den häufigsten Unfällen. Gearbeitet wird in Früh- und Spätschichten, samstags fast immer, in Bäckereien und Tankstellenmärkten teils auch sonntags. Zur Mittagszeit und am Freitagnachmittag kommt Druck von der Warteschlange, während gleichzeitig Fritteuse und Telefon Aufmerksamkeit fordern.
Dazu gehört Freundlichkeit auch bei Kunden, die Ware zurückgeben oder unzufrieden sind. Wer kein Fleisch anfassen mag, Blut oder Geruch nicht erträgt oder Konflikte schlecht aushält, ist an dieser Stelle falsch. Verlässlichkeit zählt viel: fehlt eine Kraft, steht die Theke.
Aussichten
Der Bedarf ist hoch und dauerhaft. Frischetheken und warme Snacktheken sind für Supermärkte ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, gleichzeitig finden Betriebe kaum Personal, weil Bezahlung und Arbeitszeiten unbeliebt sind. Wer bleibt, kommt schnell zur Thekenleitung, danach zur stellvertretenden Marktleitung oder in die Abteilungsleitung Frische. Weiterbildungen wie der Handelsfachwirt oder eine Meisterprüfung im Fleischerhandwerk öffnen den Weg in Filialleitung, Ausbildungsbetreuung oder Selbstständigkeit mit eigenem Imbiss oder Fachgeschäft. Der Arbeitsplatz gilt als konjunkturunabhängig, die Standortwahl ist frei, weil Lebensmittelmärkte überall gebraucht werden.