Was macht ein Software Engineer SAP/LISA?
Im Zentrum steht die Arbeit an großen, gewachsenen Geschäftsanwendungen. Auf der SAP-Seite bedeutet das Entwicklung in ABAP und ABAP OO, Arbeit mit CDS Views, OData-Services und Fiori-Oberflächen, dazu Anpassungen in Modulen wie FI, CO, SD oder HCM und zunehmend Migrationsarbeit in Richtung S/4HANA. LISA ist ein Bestands- und Vertragsführungssystem, wie es in Versicherungen und Finanzdienstleistung eingesetzt wird; wer damit arbeitet, entwickelt Tarif- und Produktlogik, Berechnungsroutinen und Schnittstellen zu Provisions-, Zahlungs- und Dokumentensystemen.
Der Alltag besteht seltener aus dem Schreiben neuer Programme auf leerem Blatt als aus dem Verstehen bestehender Logik. Ein Fachbereich meldet, dass ein Beitrag falsch berechnet wird oder eine Auswertung nicht mehr durchläuft. Danach folgt Debugging, ein Blick in Code, der vor fünfzehn Jahren entstanden ist, eine Korrektur, ein Test im Qualitätssystem und ein Transport in die Produktion. Dazu kommen Releasewechsel, Datenmigrationen, Performanceanalysen und die Abstimmung mit Fachabteilungen, die ihre Anforderungen in Geschäftsbegriffen und nicht in technischen formulieren.
Wie wird man Software Engineer SAP/LISA?
Der häufigste Weg ist ein Studium der Informatik, Wirtschaftsinformatik oder Mathematik, oft auch ein duales Studium bei einem Versicherer, einer Bank oder einem SAP-Beratungshaus. Auch eine Ausbildung als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung führt in den Beruf, meist mit anschließender interner Qualifizierung. SAP-Kenntnisse werden fast nie an der Hochschule erworben, sondern im Betrieb, über Zertifizierungen und über Projekterfahrung. LISA-Wissen ist noch stärker unternehmensgebunden und wird praktisch ausschließlich intern aufgebaut, häufig in Tandems mit erfahrenen Kollegen. Quereinstiege gelingen Entwicklern aus anderen Sprachen und Fachleuten aus dem Versicherungsbetrieb, die Programmierkenntnisse nachziehen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit erfordert Geduld für alte Codebasen und die Bereitschaft, sich in Fachlichkeit einzuarbeiten, die nicht selbsterklärend ist: Rückkaufswerte, Überschussbeteiligung, Bilanzierungsregeln. Wer nur an modernen Technologien interessiert ist, wird sich mit Legacy-Systemen schwertun. Fehler wirken unmittelbar auf Geld und Kundendaten, deshalb sind Dokumentation, Tests und Freigabeprozesse streng, was manche als bürokratisch empfinden.
Die Arbeitszeiten sind meist geregelt, Homeoffice ist verbreitet. Belastungsspitzen entstehen bei Releasewechseln, Jahresabschlüssen und Produktivsetzungen, die bewusst auf Wochenenden oder Nachtfenster gelegt werden. Rufbereitschaft kommt vor, wenn kritische Systeme betreut werden. In Beratungshäusern gehört Reisetätigkeit dazu, im Inhouse-Umfeld kaum. Ein Risiko ist die Spezialisierung selbst: sehr spezielles Systemwissen bindet an eine Branche oder einen Arbeitgeber.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird es mittelfristig bleiben. Viele Unternehmen stehen vor der Umstellung auf S/4HANA, gleichzeitig gehen die Entwickler in Ruhestand, die die alten Bestandssysteme gebaut haben. Wer beides kann, Fachlogik und moderne SAP-Technologie, ist gut aufgestellt. Entwicklungswege führen zur technischen Spezialisierung in Architektur, Integration oder Datenmodellierung, in die Rolle des Solution Architects, in die fachliche Beratung oder in die Leitung von Teams und Projekten. Der Wechsel zwischen Anwenderunternehmen, Beratung und Softwarehersteller ist üblich.