Was macht ein SAP BW Berater?
SAP BW Berater arbeiten an der Stelle, an der Unternehmensdaten aus den operativen Systemen zusammenlaufen und auswertbar gemacht werden. Sie holen Bewegungs- und Stammdaten aus SAP ERP oder S/4HANA, aus Nicht-SAP-Datenbanken und aus Dateien in das Data Warehouse, modellieren dort Advanced DSOs, CompositeProvider und Queries und stellen die Ergebnisse über Analysis for Office, SAC oder Frontend-Werkzeuge Dritter bereit. Ein großer Teil der Arbeit ist Gespräch: mit dem Controlling klären, wie eine Kennzahl genau definiert ist, mit der Logistik, welche Granularität eine Auswertung braucht, mit dem Basis-Team, warum eine Ladekette nachts abbricht. Dazu kommen Fehlersuche in Prozessketten, Performanceanalysen, Berechtigungskonzepte und Dokumentation. Viele Projekte drehen sich derzeit um Migrationen: von klassischem BW auf BW/4HANA, um Umstellungen von Datenmodellen oder um die Frage, welche Berichte künftig in der SAP Analytics Cloud oder in Datasphere laufen.
Wie wird man SAP BW Berater?
Der übliche Weg führt über ein Studium in Wirtschaftsinformatik, Informatik, Betriebswirtschaft mit IT-Schwerpunkt oder Mathematik. Ein Ausbildungsberuf mit diesem Namen existiert nicht. Viele kommen auch als Fachanwender aus dem Controlling oder der Logistik in das Thema, weil sie bereits die Prozesse kennen und sich die Modellierung im Projekt aneignen. Beratungshäuser stellen Berufseinsteiger ein und schulen sie intern, danach folgen SAP-Zertifizierungen. Quereinstieg aus dem klassischen Data-Warehouse- oder BI-Umfeld gelingt, wenn SQL, Datenmodellierung und ETL-Erfahrung vorhanden sind; die SAP-spezifische Logik der Extraktoren und Datenmodelle muss man sich dann erarbeiten. Ohne betriebswirtschaftliches Grundverständnis wird die Arbeit schwer, weil Kennzahlen sonst technisch korrekt und inhaltlich falsch gebaut werden.
Was der Beruf verlangt
In der externen Beratung gehört Reisetätigkeit dazu, auch wenn Remote-Arbeit einen Teil davon ersetzt hat. Projektphasen vor Go-Live bedeuten Überstunden, Wochenendeinsätze bei Migrationen und Bereitschaft, wenn nächtliche Ladeprozesse scheitern. Die Arbeit ist geistig anstrengend und detailgetrieben: ein falsch gesetzter Schlüssel in einem Datenmodell führt zu Zahlen, die niemand mehr nachvollziehen kann. Gleichzeitig muss man technische Sachverhalte für Fachbereiche verständlich erklären und mit widersprüchlichen Anforderungen umgehen. Belastend empfinden viele, dass BW-Landschaften über Jahre gewachsen sind und man Altlasten anderer pflegen muss. Wer nur programmieren will, wird die Anteile an Abstimmung, Dokumentation und Präsentation als lästig erleben.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil, aber im Wandel. Klassisches BW läuft in vielen Unternehmen aus, die Wartung endet mittelfristig, entsprechend gibt es viel Migrations- und Umbauarbeit. Wer sich nur auf alte Modellierungstechniken stützt, verliert an Marktwert; wer BW/4HANA, SAP Datasphere, Analytics Cloud und angrenzende Cloud-Plattformen beherrscht, wird gesucht. Entwicklungswege führen zum Solution Architect, zur Projekt- oder Teamleitung, in die Fachbereichsleitung Business Intelligence oder in die Selbstständigkeit als Freiberufler, wo Tagessätze deutlich über dem Angestelltenniveau liegen können, dafür aber Auftragsrisiko und Akquise dazugehören.