Was macht ein Rettungsschwimmer?
Der größte Teil der Arbeit ist Beobachten. Rettungsschwimmer stehen oder sitzen am Beckenrand, auf dem Turm oder auf der Strandwache und lassen die Wasserfläche nicht aus den Augen: Wer geht unter, wer schwimmt zu weit hinaus, welches Kind ist ohne Begleitung im tiefen Bereich. Sie sprechen Badegäste an, weisen auf Regeln hin, sperren Bereiche bei Gewitter oder starker Strömung ab und hissen die Flaggen, die den Wasserzustand anzeigen.
Kommt es zum Notfall, zählen Sekunden. Sie holen Verunglückte mit Rettungsgerät, Board oder Boot aus dem Wasser, bringen sie an Land, prüfen Bewusstsein und Atmung, beginnen die Wiederbelebung, setzen den Defibrillator ein und übergeben an den Rettungsdienst. Häufiger sind kleinere Zwischenfälle: Schnittwunden, Kreislaufprobleme, Sonnenstich, Sprungverletzungen, verlorene Kinder. Dazu kommen Aufgaben im Betrieb - Wasserwerte messen, Chlor und pH kontrollieren, Becken und Anlagen reinigen, Rutschen und Sprungtürme prüfen, Rettungsgerät warten, Vorfälle dokumentieren. In vielen Bädern gehören Schwimmkurse, Aquafitness und Kassendienst dazu.
Wie wird man Rettungsschwimmer?
Die Grundlage ist das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber, für hauptberufliche Tätigkeit meist in Gold, dazu ein aktueller Erste-Hilfe-Nachweis und häufig eine Fortbildung in Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Defibrillator. Diese Scheine erwirbt man bei DLRG, Wasserwacht oder Wasserrettungsdienst, oft im Ehrenamt, und muss sie alle zwei Jahre auffrischen. Damit lässt sich in der Saison als Wachpersonal arbeiten, vielfach als Aushilfe oder Ferienkraft.
Wer den Beruf dauerhaft ausüben will, macht die dreijährige Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe. Sie läuft dual im Bad und in der Berufsschule und schließt mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ab. Voraussetzung ist in der Regel mindestens ein Hauptschulabschluss und eine bestandene Schwimmeignungsprüfung. Quereinsteiger mit Rettungsschwimmabzeichen finden über Nachqualifizierungen und Externenprüfungen einen Weg, für die Aufsicht an Küsten und Binnengewässern zusätzlich über Bootsführerschein und Strömungsrettung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet dann statt, wenn andere frei haben: Wochenenden, Feiertage, Sommerferien, in Hallenbädern Früh- und Spätdienste bis in den Abend. Hitze, Lärm, Chlorluft und hohe Luftfeuchtigkeit belasten Haut, Atemwege und Kreislauf. Stundenlanges Beobachten ohne Zwischenfall verlangt eine Aufmerksamkeit, die schwerer durchzuhalten ist, als sie aussieht. Gleichzeitig muss man jederzeit sofort handlungsfähig sein.
Hinzu kommt der Umgang mit Menschen, die Regeln nicht akzeptieren - Beschimpfungen und Aggressionen sind an vollen Sommertagen Alltag. Ertrinkungsfälle und Todesfälle kommen vor und belasten dauerhaft; Nachsorgeangebote gibt es nicht überall. Ein großer Teil der Stellen ist saisonal befristet oder auf Teilzeit ausgelegt, was die Einkommensplanung erschwert. Körperliche Fitness und gutes Sehvermögen müssen regelmäßig nachgewiesen werden.
Aussichten
Bäder und Wasserrettungsorganisationen suchen dauerhaft Personal, besonders für die Sommermonate; viele Kommunen können Öffnungszeiten wegen fehlender Aufsicht nicht halten. Mit dem Abschluss als Fachangestellter für Bäderbetriebe ist die Beschäftigung ganzjährig und tariflich abgesichert. Weiter geht es über den Meister für Bäderbetriebe zur Schichtleitung oder Badleitung, über Ausbildereignung in die Lehre von Schwimmkursen oder in die Ausbildung von Rettungsschwimmern. Auch ein Wechsel in den Rettungsdienst, in die Sport- und Bädertechnik oder ins Sportmanagement ist möglich.