Was macht ein Recruiter für internationale Fachkräfte?
Der Arbeitstag beginnt meist mit Zeitverschiebung: Videointerviews mit Bewerbern auf den Philippinen, in Brasilien, Tunesien oder Indien, Rückfragen an Partneragenturen, Abstimmung mit Sprachschulen. Recruiter für internationale Fachkräfte suchen Kandidaten für Stellen, die im Inland unbesetzt bleiben, prüfen deren Qualifikation und schätzen ein, ob der Abschluss in Deutschland anerkennungsfähig ist.
Der zweite, oft größere Teil der Arbeit ist Verfahrensarbeit. Für jede Kandidatin wird ein Antrag auf Anerkennung des Berufsabschlusses bei der zuständigen Stelle gestellt – bei Pflegeberufen etwa beim Landesprüfungsamt oder Regierungspräsidium, bei anerkannten Ausbildungsberufen bei der Kammer. Dazu gehören Zeugnisse, Übersetzungen, Apostillen, Lehrplanübersichten, Führungszeugnisse, Sprachnachweise. Fehlt ein Dokument, verzögert sich alles um Monate. Parallel läuft das Visumverfahren über die Auslandsvertretung, häufig im beschleunigten Fachkräfteverfahren mit der Bundesagentur für Arbeit und der zentralen Ausländerbehörde. Kommt die Fachkraft an, organisieren Recruiter Wohnung, Anmeldung, Konto, Anpassungsqualifizierung und Kenntnisprüfung – und sind Ansprechpartner, wenn es im Betrieb oder privat nicht läuft.
Wie wird man Recruiter für internationale Fachkräfte?
Es gibt keinen geschützten Ausbildungsweg. Üblich sind ein Studium in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Personal, Sozialwissenschaften, Migrationsstudien oder Rechtswissenschaft, ebenso eine Ausbildung als Personaldienstleistungskauffrau oder Kauffrau für Büromanagement mit anschließender Weiterbildung. Viele kommen als Quereinsteiger: aus der Pflege, aus der Migrationsberatung, aus dem Zeitarbeitsvertrieb oder selbst mit eigener Zuwanderungsbiografie. Entscheidend ist Wissen über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das Aufenthaltsrecht und die Anerkennungsverfahren der Länder – das lernt man meist im Betrieb und über Fortbildungen bei Kammern oder Fachverbänden. Englisch ist Pflicht, Spanisch, Portugiesisch, Arabisch oder Filipino sind ein echter Vorteil.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist bürokratisch und langsam, während die Erwartungen im Betrieb schnell sind. Ein Vermittlungsprozess dauert oft zwölf bis achtzehn Monate; in dieser Zeit fragen Führungskräfte wöchentlich nach dem Stand. Behörden antworten unregelmäßig, Zuständigkeiten unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, Vorschriften ändern sich. Wer Ordnung, Fristenkontrolle und Aktenführung nicht mag, wird hier unglücklich.
Hinzu kommt eine emotionale Last. Kandidaten investieren Ersparnisse und Lebensjahre in die Auswanderung. Wenn eine Anerkennung scheitert, eine Prüfung nicht bestanden wird oder ein Betrieb kurzfristig abspringt, muss das jemand mitteilen. Auch Absprachen mit ausländischen Agenturen sind heikel: unseriöse Vermittler verlangen von Bewerbern Gebühren, was in Deutschland unzulässig ist. Randzeiten gehören dazu, weil Interviews mit Asien früh und mit Lateinamerika spät liegen. Gelegentlich fallen Reisen zu Auswahlveranstaltungen im Ausland an.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wächst, weil Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen ihre Stellen im Inland nicht mehr füllen. Arbeitgeber sind Krankenhausträger, Pflegekonzerne, Personaldienstleister, spezialisierte Vermittlungsagenturen, Kammern und Kommunen. Entwicklungswege führen in die Leitung eines Recruitingteams, in die Steuerung von Auslandsprojekten, in die Beratung von Betrieben oder in die Selbstständigkeit als Vermittler. Wer sich im Aufenthalts- und Anerkennungsrecht sehr sicher bewegt, ist am Markt schwer ersetzbar.