Was macht ein Recruiter für Sales-Positionen?
Der Arbeitstag besteht zu einem großen Teil aus Gesprächen. Am Anfang steht die Abstimmung mit der Vertriebsleitung: Welche Zielgruppe soll bearbeitet werden, wie hoch ist der variable Anteil, wie viele Reisetage gehören dazu. Aus diesen Angaben entsteht ein Anforderungsprofil und eine Stellenanzeige. Danach beginnt die Suche. Weil sich gute Vertriebsleute selten von selbst bewerben, arbeiten Sales-Recruiter überwiegend mit Direktansprache über LinkedIn und Xing, über Bewerberdatenbanken und über Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk.
Wer antwortet, wird telefonisch vorqualifiziert: Vertriebserfahrung, Branchenkenntnis, Zielerreichung der letzten Jahre, Gehaltsvorstellung, Kündigungsfrist. Passende Profile gehen an die Fachabteilung, dann folgen Interviews, oft mit Rollenspiel oder Fallaufgabe. Parallel läuft die Koordination von Terminen, das Nachfassen bei Führungskräften und das Absagen an Kandidaten, die nicht passen. Am Ende steht die Gehaltsverhandlung, bei der Recruiter zwischen Kandidatenwunsch und internem Budget vermitteln. Dazu kommen Kennzahlen: Time-to-Hire, Anzahl Interviews pro Einstellung, Kosten je Besetzung.
Wie wird man Recruiter für Sales-Positionen?
Es gibt keinen festen Ausbildungsweg. Häufig ist ein Studium in Betriebswirtschaft, Psychologie, Wirtschaftspsychologie oder Sozialwissenschaften, ebenso eine kaufmännische Ausbildung mit Weiterbildung zum Personalfachkaufmann. Ein zweiter, sehr verbreiteter Weg ist der Quereinstieg aus dem Vertrieb selbst: Wer selbst im Außendienst oder im Vertriebsinnendienst gearbeitet hat, kennt die Sprache der Zielgruppe und die Kennzahlen, an denen sie gemessen wird. Personalberatungen und Zeitarbeitsfirmen stellen regelmäßig Berufseinsteiger und Quereinsteiger ein und schulen intern.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist selbst vertrieblich getaktet. In Personalberatungen gibt es Zielvorgaben für Besetzungen, Umsatz und Kandidatenkontakte, und ein Teil des Gehalts hängt daran. Absagen sind Alltag: Kandidaten melden sich nicht zurück, springen kurz vor Vertragsunterschrift ab oder nehmen ein Gegenangebot des aktuellen Arbeitgebers an. Wer das persönlich nimmt, hält den Beruf nicht lange durch. Die Bürozeiten sind meist regulär, Telefonate mit Kandidaten finden aber oft vor acht oder nach achtzehn Uhr statt, weil Berufstätige tagsüber nicht sprechen können. Homeoffice ist verbreitet. Belastend sind vor allem der Druck durch offene Vakanzen, der ständige Wechsel zwischen vielen parallelen Prozessen und Erwartungen von Führungskräften, die Kandidaten in einer Qualität und Geschwindigkeit erwarten, die der Markt nicht hergibt.
Aussichten
Vertriebsstellen gehören zu den am schwersten zu besetzenden Positionen in Deutschland, weshalb die Nachfrage nach Recruitern mit Sales-Fokus stabil ist. Allerdings reagiert der Bereich stark auf die Konjunktur: In Abschwungphasen werden Einstellungsstopps verhängt, und interne Recruiting-Teams werden verkleinert. Entwicklungswege führen zum Senior Recruiter, zur Teamleitung, ins Talent Acquisition Management oder in die Personalberatung mit Beteiligung am Honorar. Auch der Wechsel in die Personalentwicklung, ins Employer Branding oder zurück in eine Vertriebsführungsrolle ist möglich.