Was macht ein Prüfingenieur Kfz?
Der Kern der Arbeit ist die Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO. Prüfingenieure heben Fahrzeuge auf die Hebebühne, prüfen Bremsen auf dem Rollenprüfstand, kontrollieren Lenkung, Achsen, Federung, Reifen, Beleuchtung, Karosserie und Unterboden, lesen den Fehlerspeicher aus und führen die Abgasuntersuchung durch. Am Ende steht eine Entscheidung: Plakette, Nachprüfung oder Mangelbericht ohne Zulassung.
Dazu kommen Änderungsabnahmen nach § 19 Absatz 2 und 3, wenn Fahrwerke, Räder, Anhängerkupplungen oder Motorumbauten eingetragen werden sollen, sowie Einzelgenehmigungen nach § 21 für Umbauten und Importfahrzeuge. Je nach Betrauung kommen Gutachten für Oldtimer und H-Kennzeichen, Gasanlagenprüfungen, Sicherheitsprüfungen an Nutzfahrzeugen oder Fahrzeugbewertungen hinzu. Vieles davon geschieht nicht in einer eigenen Prüfhalle, sondern an Prüfstützpunkten in Kfz-Werkstätten, die nach festem Plan angefahren werden. Ein Arbeitstag besteht deshalb oft aus mehreren Stationen, dazwischen Fahrzeit, und jede Untersuchung wird digital dokumentiert.
Wie wird man Prüfingenieur Kfz?
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Ingenieurstudium, in der Regel Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik oder Mechatronik, mindestens als Bachelor. Hinzu kommt praktische Erfahrung an Kraftfahrzeugen, die die Anlage VIIIb StVZO vorschreibt; wer aus dem Kfz-Handwerk kommt und später studiert hat, bringt sie meist schon mit. Die eigentliche Qualifikation vergibt eine amtlich anerkannte Überwachungsorganisation wie TÜV, DEKRA, GTÜ, KÜS oder FSP. Sie schult mehrere Wochen bis Monate in Theorie und Praxis, danach folgen Prüfungen und eine Zeit unter Aufsicht, bevor die Betrauung erteilt wird. Erst damit darf eigenständig geprüft werden. Viele Einsteiger sind Kfz-Meister oder Techniker, die den Ingenieurabschluss nachgeholt haben; ein reiner Quereinstieg ohne Studium ist nicht möglich.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich fordernd. Prüfingenieure stehen und knien viel, arbeiten über Kopf unter dem Fahrzeug, in kalten Hallen, im Zug offener Tore, mit Abgasen, Öl und Lärm. Wer die Werkstattatmosphäre nicht mag, wird damit nicht glücklich.
Der zweite Punkt ist die Verantwortung. Eine Plakette ist eine rechtsverbindliche Aussage über die Verkehrssicherheit, und Fehler können haftungsrelevant werden. Gleichzeitig steht der Kunde daneben und will keinen Mangelbericht. Diskussionen über Kosten, Druck von Werkstätten oder Händlern, die auf zügige Freigaben hoffen, gehören zum Alltag. Standhaftigkeit ist hier keine Charakterfrage, sondern Berufsvoraussetzung.
Die Arbeitszeiten sind meist werktags und planbar, allerdings mit früher Anfangszeit und Samstagsdiensten. Wer im Außendienst Stützpunkte betreut, verbringt einen erheblichen Teil des Tages im Auto. Regelmäßige Fortbildung ist Pflicht, weil sich Fahrzeugtechnik, Assistenzsysteme und Prüfvorschriften ständig ändern.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und regional deutlich höher als das Angebot. Überwachungsorganisationen suchen laufend Prüfingenieure, viele Stützpunkte sind unterbesetzt, und die Altersstruktur in der Branche verschärft das. Elektrofahrzeuge, Hochvolttechnik und Fahrerassistenzsysteme verändern die Prüfinhalte, lassen den Bedarf aber nicht sinken.
Entwicklungswege führen über zusätzliche Betrauungen, etwa für Gasanlagen, Fahrzeuggutachten oder die Untersuchung von Nutzfahrzeugen und Gefahrguttransportern, in die Schadengutachterei, in die Leitung eines Prüfstützpunkts oder einer Niederlassung. Ein Teil der Prüfingenieure arbeitet selbstständig als Prüfstelleninhaber mit Umsatzbeteiligung, was höhere Verdienstchancen und gleichzeitig unternehmerisches Risiko bedeutet.