Projektleitung Gebäudeschadstoffe
Projektleitungen für Gebäudeschadstoffe planen und überwachen die Untersuchung und Sanierung von Asbest, künstlichen Mineralfasern, PAK, PCB und Schimmel in Bestandsgebäuden. Sie erstellen Gutachten, schreiben Sanierungsverfahren aus und begleiten Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen bis zur Freimessung.
5 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Projektleitung Gebäudeschadstoffe verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.300 € | 3.900 € | 4.500 € | 46.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.200 € | 5.000 € | 5.900 € | 60.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.200 € | 6.200 € | 7.800 € | 74.400 € |
Am stärksten wirken Betriebsgröße und Trägerschaft: kleine Ingenieurbüros zahlen frei verhandelt und oft am unteren Rand, große technische Dienstleister und Konzerne deutlich mehr, der öffentliche Dienst nach TVöD (etwa E 11 bis E 13) liegt dazwischen, dafür planbarer. Zulagen für Rufbereitschaft, Reisetätigkeit und Erschwernis sowie ein Dienstwagen kommen häufig hinzu und sind hier nicht eingerechnet.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine Projektleitung Gebäudeschadstoffe?
Vor jedem Umbau oder Abriss eines Gebäudes aus der Zeit vor etwa 1995 muss geklärt werden, welche gefährlichen Stoffe darin verbaut sind. Genau das ist das Arbeitsfeld: Bestandsunterlagen sichten, Gebäude begehen, Verdachtsstellen öffnen, Materialproben von Spritzasbest, Bodenklebern, Fensterkitt, Brandschutzklappen oder Dämmungen nehmen und ins Labor geben. Aus den Ergebnissen entsteht ein Schadstoffkataster, das dokumentiert, wo welcher Stoff in welcher Menge sitzt und welche Gefährdung davon ausgeht.
Im zweiten Schritt folgt die Planung: Sanierungskonzept nach TRGS 519, VDI 6202 und den einschlägigen Abfallvorschriften, Massenermittlung, Leistungsverzeichnis, Kostenschätzung, Ausschreibung und Vergabevorbereitung. Während der Ausführung kontrolliert die Projektleitung die Sanierungsfirma auf der Baustelle: Sind Schwarzbereich, Schleusen und Unterdruckhaltung korrekt aufgebaut, wird sachgerecht entsorgt, stimmen die Entsorgungsnachweise. Am Ende steht die Freigabe nach Reinigung und Messung. Dazu kommen Bauherrenberatung, Abstimmung mit Behörden und Berufsgenossenschaft, Nachtragsprüfung, Terminverfolgung und viel Dokumentation.
Wie wird man Projektleitung Gebäudeschadstoffe?
Der häufigste Weg führt über ein Studium: Bauingenieurwesen, Umweltingenieurwesen, Architektur, Verfahrens- oder Sicherheitstechnik, teils auch Chemie oder Geowissenschaften. Ebenso verbreitet ist der Aufstieg aus der Praxis, etwa als Bautechnikerin, Meister im Rückbau oder Bauleitung mit mehrjähriger Sanierungserfahrung. Entscheidend sind in beiden Fällen die Sachkundenachweise, vor allem der Lehrgang nach TRGS 519 Anlage 3 für Asbest, ergänzt um Qualifikationen für KMF, PAK, PCB, Schimmel und Holzschutzmittel sowie den Sachkundenachweis für die Abfallentsorgung. Diese Kurse dauern wenige Tage bis Wochen und werden von Bildungsträgern und Verbänden angeboten. Berufsanfänger arbeiten meist ein bis zwei Jahre als Projektingenieurin mit, bevor sie eigene Projekte verantworten. Quereinstieg aus Bauleitung, Arbeitssicherheit oder Umweltanalytik ist realistisch, wenn die Sachkunde nachgeholt wird.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet zu einem großen Teil in leerstehenden, verschmutzten und ungeheizten Gebäuden statt: Kriechkeller, Dachräume, Schächte, Baustellen im Rückbau. Persönliche Schutzausrüstung mit Halb- oder Vollmaske und Einwegschutzanzug gehört zum Alltag, dafür ist arbeitsmedizinische Eignung nach G 26.2 nötig. Wer keine Enge und keine Leitern verträgt, wird damit Schwierigkeiten haben.
Der zweite Teil ist Schreibtischarbeit mit hoher Haftungsrelevanz. Fehler im Kataster führen zu Baustopps, Nachträgen und im Extremfall zu Personenschäden, deshalb muss jede Aussage belegbar sein. Termindruck ist üblich, weil Schadstoffsanierung meist auf dem kritischen Weg eines Bauprojekts liegt. Reisetätigkeit und wechselnde Einsatzorte sind normal, überregional teils mit Übernachtungen. Konflikte mit Bauherren, die Kosten drücken wollen, und mit Firmen, die Vorgaben nicht einhalten, gehören dazu; hier ist Standfestigkeit gefragt.
Aussichten
Der Gebäudebestand aus den 1960er- bis 1980er-Jahren wird in den kommenden Jahrzehnten saniert, umgebaut oder abgerissen, und die neuen Ermittlungspflichten für Asbest bei Bauarbeiten haben den Bedarf zusätzlich erhöht. Fachkräfte mit Sachkunde sind deutlich knapper als die Nachfrage, Berufserfahrene wechseln entsprechend häufig. Entwicklungswege führen zur Bereichs- oder Niederlassungsleitung in Ingenieurbüros, zur Fachbauleitung großer Rückbauprojekte, in die Rolle des Sachverständigen mit Gutachtertätigkeit vor Gericht oder in die Selbstständigkeit.
Aufgaben
- Gebäude begehen und Verdachtsflächen auf Schadstoffe untersuchen
- Material- und Raumluftproben nehmen und Laborergebnisse bewerten
- Schadstoffkataster und Gutachten erstellen
- Sanierungskonzepte nach TRGS 519 und VDI 6202 planen
- Leistungsverzeichnisse schreiben und Vergaben vorbereiten
- Sanierungsarbeiten auf der Baustelle überwachen und freigeben
- Entsorgungswege festlegen und Nachweise prüfen
- Bauherren, Behörden und Planungsbeteiligte beraten
Voraussetzungen
- Studium im Bau-, Umwelt- oder Sicherheitsingenieurwesen oder vergleichbare technische Qualifikation mit Baupraxis
- Sachkundenachweis nach TRGS 519, möglichst ergänzt um KMF, PAK, PCB und Schimmel
- Kenntnisse in VOB, Abfallrecht und Arbeitsschutzvorschriften
- arbeitsmedizinische Eignung für Atemschutz (G 26.2), Schwindelfreiheit
- sorgfältige Dokumentation und sichere schriftliche Ausdrucksfähigkeit
- Durchsetzungsvermögen gegenüber ausführenden Firmen
- Führerschein Klasse B und Bereitschaft zu Reisetätigkeit
Wo man arbeitet
- Ingenieur- und Sachverständigenbüros für Schadstoffe und Bauphysik
- Rückbau- und Sanierungsunternehmen
- technische Prüf- und Umweltdienstleister
- kommunale Bau- und Gebäudemanagementämter
- Immobilien- und Wohnungsgesellschaften mit eigenem Bestandsmanagement
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein sechs- bis zehnsemestriges Studium in Bauingenieurwesen, Umwelt- oder Sicherheitstechnik mit Bachelor- oder Masterabschluss, gefolgt von ein bis zwei Jahren Mitarbeit in Schadstoffprojekten. Parallel werden die Sachkundelehrgänge absolviert, allen voran der mehrtägige Kurs nach TRGS 519 Anlage 3, der alle sechs Jahre aufgefrischt werden muss. Auch Technikerinnen und Meister mit langjähriger Sanierungserfahrung erreichen die Projektleitung über die Sachkunde.
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- Monatsbrutto
- 3.300 – 8.000 €
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