Projekteinkäufer
Projekteinkäufer beschaffen Material, Bauteile und Dienstleistungen für ein konkretes Projekt oder eine Produktneuentwicklung. Sie suchen Lieferanten, verhandeln Preise und Termine und halten den Einkauf im Zeit- und Kostenrahmen des Projekts.
7 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Projekteinkäufer verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.200 € | 3.800 € | 4.400 € | 45.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 4.000 € | 4.900 € | 5.800 € | 58.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 5.000 € | 6.200 € | 8.000 € | 74.400 € |
Entscheidend sind Branche und Betriebsgröße: In tarifgebundenen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie gilt meist der Tarifvertrag der IG Metall mit Einordnung in den oberen Entgeltgruppen, in der Chemie der Bundesentgelttarifvertrag Chemie. Kleine mittelständische Betriebe und der Handel zahlen deutlich weniger, Automobil- und Pharmakonzerne mit variablen Bonusanteilen erkennbar mehr.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Projekteinkäufer?
Projekteinkäufer sind dem Einkauf zugeordnet, arbeiten aber in Projektteams mit Entwicklung, Konstruktion, Qualitätssicherung und Produktion zusammen. Sobald ein neues Produkt, eine Anlage oder ein Bauvorhaben geplant wird, klären sie, welche Teile und Leistungen zugekauft werden müssen, welche Lieferanten dafür in Frage kommen und was das kostet.
Der Alltag besteht aus Anfragen an Lieferanten, dem Vergleich von Angeboten, Preisverhandlungen, dem Verhandeln von Rahmen- und Liefervereinbarungen und der Nachverfolgung von Terminen. Dazu kommen Kalkulationen und Kostenvergleiche in Excel und im ERP-System, Lieferantenbewertungen, Erstbemusterungen gemeinsam mit der Qualitätssicherung und regelmäßige Statusberichte an die Projektleitung. Wenn ein Zulieferer nicht liefert, ein Werkzeug zu spät fertig wird oder ein Preis nach der Konstruktionsänderung nicht mehr passt, muss der Projekteinkäufer eine Lösung finden - oft unter Zeitdruck, weil der Serienstart oder der Bautermin feststeht.
Ein Teil der Arbeit ist technisch: Zeichnungen und Spezifikationen lesen, mit Entwicklern über Alternativen sprechen, Fertigungsverfahren einschätzen. Ein anderer Teil ist kaufmännisch und juristisch: Vertragsbedingungen, Haftung, Zahlungsbedingungen, Währungs- und Rohstoffklauseln.
Wie wird man Projekteinkäufer?
Der häufigste Weg führt über ein Studium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen, Supply Chain Management oder Maschinenbau mit kaufmännischer Zusatzqualifikation. Ebenso verbreitet ist der Aufstieg aus dem operativen Einkauf: Wer als Industriekaufmann oder Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement gelernt hat, kann sich über einige Jahre Berufserfahrung und eine Weiterbildung zum Fachkaufmann für Einkauf und Logistik oder zum Fachwirt in die Projektarbeit entwickeln.
Quereinstiege gelingen aus der Technik, etwa von Technikern und Konstrukteuren, die Lieferanten und Fertigungsverfahren gut kennen. Wichtig ist in allen Fällen Erfahrung mit einem ERP-System und Englisch, weil Lieferketten international sind.
Was der Beruf verlangt
Die Position steht zwischen mehreren Interessen: Die Entwicklung will das technisch beste Teil, der Controller den niedrigsten Preis, der Lieferant eine faire Marge, die Projektleitung den Termin. Diesen Druck muss man aushalten, ohne die Sachlichkeit zu verlieren. Verhandlungen können unangenehm werden, und Fehler sind teuer sichtbar - ein falsch kalkuliertes Bauteil verteuert ein Produkt über Jahre.
Die Arbeitszeiten sind meist gleitend, in kritischen Projektphasen jedoch länger. Reisen zu Lieferanten, auch ins Ausland, gehören in vielen Unternehmen dazu; Homeoffice ist teilweise möglich. Wer keine Zahlen mag oder Konflikte scheut, wird sich schwer tun. Auch die Menge an Detailarbeit - Stücklisten, Preisspiegel, Nachverfolgungslisten - wird oft unterschätzt.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in der Industrie hoch, weil Materialkosten den größten Anteil an den Produktkosten haben und Lieferkettenrisiken seit einigen Jahren zu einem Führungsthema geworden sind. Anforderungen aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung erweitern das Aufgabenfeld zusätzlich.
Entwicklungswege führen zum Strategischen Einkäufer oder Commodity Manager mit Verantwortung für eine Materialgruppe, zur Leitung einer Einkaufsabteilung oder in die Projektleitung. Spezialisierung auf eine Warengruppe wie Elektronik, Zerspanung oder Bauleistungen erhöht den Marktwert deutlich.
Aufgaben
- Bedarfe aus Zeichnungen, Stücklisten und Leistungsverzeichnissen ableiten
- Lieferanten suchen, anfragen und vorauswählen
- Angebote vergleichen und Preisspiegel erstellen
- Preise, Termine und Vertragsbedingungen verhandeln
- Materialkosten für die Projektkalkulation ermitteln und überwachen
- Liefertermine nachverfolgen und bei Engpässen Alternativen organisieren
- Erstbemusterung und Lieferantenfreigabe mit der Qualitätssicherung abstimmen
- Im Projektteam über Kosten- und Beschaffungsstatus berichten
Voraussetzungen
- Kaufmännisches Studium, Wirtschaftsingenieurwesen oder kaufmännische Ausbildung mit Weiterbildung
- Technisches Verständnis, Zeichnungen und Spezifikationen lesen können
- Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen
- Sicherer Umgang mit Excel und einem ERP-System, meist SAP
- Englisch in Wort und Schrift, weitere Sprachen von Vorteil
- Bereitschaft zu Lieferantenbesuchen und Dienstreisen
Wo man arbeitet
- Industrieunternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus
- Automobilhersteller und Zulieferer
- Elektro- und Elektronikindustrie
- Bau- und Projektierungsunternehmen
- Pharma- und Konsumgüterhersteller
- Ingenieur- und Generalunternehmen
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein drei- bis vierjähriges Bachelorstudium in Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen oder Supply Chain Management. Alternativ führt eine dreijährige Ausbildung, etwa als Industriekaufmann, mit mehreren Jahren Erfahrung im operativen Einkauf und einer Weiterbildung zum Fachkaufmann für Einkauf und Logistik in die Position. Die eigentliche Projektverantwortung wird meist nach zwei bis drei Jahren im Einkauf übertragen.
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