Was macht ein Produktionscontroller?
Produktionscontroller, oft auch Werkscontroller genannt, sind das kaufmännische Gegenüber der Produktionsleitung. Sie rechnen aus, was ein Produkt in der Herstellung tatsächlich kostet, und vergleichen diesen Wert mit der Kalkulation. Weicht etwas ab, suchen sie den Grund: höherer Materialverbrauch, mehr Ausschuss, längere Rüstzeiten, ungeplante Instandhaltung, Überstunden in der Nachtschicht.
Der Monatsabschluss bestimmt den Rhythmus. In den ersten Arbeitstagen eines Monats werden Bestände bewertet, Aufträge nachkalkuliert, Abweichungen kommentiert und Berichte für Werkleitung und Konzernzentrale erstellt. Dazwischen liegt die Arbeit an Investitionsrechnungen für neue Anlagen, an Make-or-Buy-Vergleichen, an der Vorbereitung von Budget und Forecast. Viel läuft über SAP, meist die Module CO und PP, dazu Excel und zunehmend Auswertungswerkzeuge wie Power BI.
Ein erheblicher Teil der Arbeit findet nicht am Schreibtisch statt. Wer Stücklisten und Arbeitspläne nur aus dem System kennt, findet die Ursache einer Abweichung selten. Also geht man in die Halle, spricht mit Meistern und Schichtführern, schaut sich an, warum eine Linie stillstand oder warum ein Arbeitsgang länger dauert als hinterlegt.
Wie wird man Produktionscontroller?
Der übliche Weg führt über ein Studium der Betriebswirtschaft, des Wirtschaftsingenieurwesens oder der Wirtschaftsinformatik, gern mit Schwerpunkt Controlling oder Produktionswirtschaft. Wirtschaftsingenieure haben es leichter, weil sie technische Zusammenhänge schon mitbringen. Ein duales Studium bei einem Industrieunternehmen ist ein besonders direkter Einstieg.
Es gibt auch den Weg von unten: Industriekaufleute mit Fertigungserfahrung, die sich zum Controller oder Betriebswirt weiterbilden, kommen ins Werkscontrolling, ebenso Techniker und Meister, die sich kaufmännisch nachqualifizieren. Wer aus der Produktion kommt, versteht die Prozesse oft besser als jeder Absolvent, muss sich aber die Kostenrechnung ernsthaft erarbeiten.
Was der Beruf verlangt
Die Monatsabschlüsse sind eng getaktet, und die Termine verschieben sich nicht. In diesen Tagen sind lange Arbeitstage die Regel, ebenso in der Budgetphase im Herbst. Dazwischen ist es ruhiger, aber die Jahresplanung frisst Wochen.
Unangenehm wird es, wenn Zahlen unbequem sind. Wer aufzeigt, dass eine Fertigungslinie Verluste schreibt oder eine Investition sich nicht rechnet, macht sich in der Halle nicht automatisch beliebt. Produktionscontroller brauchen daher Standfestigkeit und die Fähigkeit, Kritik sachlich vorzutragen, ohne die Zusammenarbeit mit den Produktionsverantwortlichen zu zerstören. Bei Sparprogrammen liefern sie die Grundlagen für Entscheidungen, die Arbeitsplätze kosten können.
Dazu kommt viel Detailarbeit mit Daten, deren Qualität oft zu wünschen übrig lässt. Ein guter Teil der Zeit geht dafür drauf, Rückmeldungen aus der Fertigung, Stammdaten und Buchungen in Ordnung zu bringen, bevor überhaupt analysiert werden kann.
Aussichten
Industrieunternehmen suchen Controller mit Produktionsverständnis beständig, gerade im Maschinenbau, in der Automobilzulieferung, der Chemie und der Lebensmittelindustrie. Wer SAP CO sicher beherrscht und Fertigungsprozesse versteht, findet unkompliziert eine Stelle. Standortschließungen und Verlagerungen in der Industrie können einzelne Arbeitsplätze allerdings treffen.
Entwicklungswege führen zur Leitung des Werkscontrollings, ins Konzerncontrolling, in die kaufmännische Werkleitung oder in Richtung Supply Chain und Operational Excellence. Auslandserfahrung an ausländischen Standorten ist in Konzernen ein üblicher Karriereschritt.