Was macht eine Pflegefachkraft in der Geriatrie?
Der Arbeitstag beginnt meist mit der Übergabe aus der vorherigen Schicht: Wer hat schlecht geschlafen, wer ist gestürzt, bei wem hat sich der Zustand über Nacht verändert. Danach folgt die Grundversorgung – Waschen, Anziehen, Mobilisieren, Unterstützung beim Essen. Parallel läuft die medizinische Pflege: Medikamente stellen und verabreichen, Blutdruck, Puls und Blutzucker kontrollieren, Infusionen anhängen, chronische Wunden und Dekubitus versorgen, Katheter und Sonden pflegen.
Geriatrische Patienten haben selten nur eine Erkrankung. Herzinsuffizienz, Diabetes, Demenz, Arthrose und die Folgen eines Schlaganfalls treten gleichzeitig auf. Pflegefachkräfte beobachten deshalb sehr genau: Ein leicht verwirrter Patient kann einen Harnwegsinfekt haben, plötzliche Unruhe kann auf Schmerzen hindeuten, die niemand äußert. Diese Beobachtungen werden dokumentiert und an die Ärzte weitergegeben. Dazu kommt die Arbeit mit Angehörigen, die Abstimmung mit Physiotherapie, Logopädie und Sozialdienst und die Vorbereitung der Entlassung nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung.
Wie wird man Pflegefachkraft in der Geriatrie?
Grundlage ist die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, die seit 2020 die früheren Ausbildungen in Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege zusammenfasst. Zugang gibt es mit mittlerem Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss plus abgeschlossener Berufsausbildung. Die Ausbildung ist vergütet und wechselt zwischen Pflegeschule und Praxiseinsätzen. Wer im letzten Ausbildungsdrittel den Vertiefungseinsatz in der Langzeitpflege wählt, kann alternativ den Abschluss Altenpflegerin oder Altenpfleger erwerben.
Die geriatrische Spezialisierung erfolgt danach über Praxis und Weiterbildung, etwa die Fachweiterbildung Geriatrische Pflege oder Zusatzqualifikationen in Gerontopsychiatrie, Palliativpflege oder Wundmanagement. Auch ein Pflegestudium ist möglich. Für Menschen mit ausländischem Pflegeabschluss läuft der Einstieg über die Anerkennung samt Sprachnachweis auf Niveau B2. Quereinsteigende beginnen häufig als Pflegehelfer und absolvieren die Ausbildung später verkürzt.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich schwer. Umlagern, Mobilisieren und Transfers belasten Rücken und Schultern, auch mit Hilfsmitteln. Der Dienst läuft im Schichtsystem mit Frühdienst ab etwa sechs Uhr, Spätdienst, Nachtdienst sowie Wochenend- und Feiertagsarbeit. Ausfälle werden häufig aus dem Frei kompensiert, die Personaldecke ist in vielen Häusern dünn.
Hinzu kommt die emotionale Seite: Patienten sterben, Demenzkranke reagieren aggressiv oder ängstlich, Angehörige sind überfordert und richten ihre Wut gegen das Personal. Wer Nähe zu Menschen aushält, Geduld hat und mit dem Tempo alter Menschen mitgehen kann, findet in der Geriatrie eine der beziehungsintensivsten Pflegetätigkeiten. Wer schnelle Ergebnisse braucht, wird enttäuscht – Fortschritte sind hier klein.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird weiter steigen, weil die Bevölkerung altert und geriatrische Abteilungen ausgebaut werden. Wer examiniert ist, findet nahezu überall eine Stelle und kann den Arbeitgeber wählen. Entwicklungswege führen in die Praxisanleitung, in die Wohnbereichs- oder Stationsleitung, ins Case Management, in die Pflegeberatung oder über ein Studium in Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft. Spezialisierungen in Palliativ-, Wund- oder Demenzpflege verbessern die Position deutlich.