Gerontopsychiatrische Fachkraft
Gerontopsychiatrische Fachkräfte sind Pflegefachkräfte mit Zusatzqualifikation für die Betreuung älterer Menschen mit Demenz, Depression, Delir oder Suchterkrankungen. Sie pflegen, begleiten Angehörige und beraten Kollegen im Umgang mit herausforderndem Verhalten.
49 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Gerontopsychiatrische Fachkraft verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 3.100 € | 3.500 € | 3.900 € | 42.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.500 € | 3.900 € | 4.400 € | 46.800 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 3.900 € | 4.400 € | 5.100 € | 52.800 € |
Bei kirchlichen und öffentlichen Trägern bestimmen TVöD-P, AVR Caritas oder AVR Diakonie das Gehalt, die Zusatzqualifikation wirkt sich dort meist über eine höhere Entgeltgruppe oder eine Funktionszulage aus. Privat geführte Häuser zahlen mindestens nach Pflegemindestlohn, oft aber weniger als der Tarif; Schicht-, Nacht- und Wochenendzulagen machen monatlich mehrere Hundert Euro Unterschied.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht eine gerontopsychiatrische Fachkraft?
Der Arbeitstag beginnt meist wie in der Altenpflege: Grundpflege, Medikamente stellen und verabreichen, Vitalwerte kontrollieren, Wunden versorgen, Dokumentation. Der Unterschied liegt in den Menschen, um die es geht. Gerontopsychiatrische Fachkräfte arbeiten mit älteren Menschen, die an Demenz, Depression, Wahnvorstellungen, einem Delir oder einer Suchterkrankung leiden. Eine Bewohnerin läuft nachts durch den Wohnbereich und sucht ihre Mutter, ein Bewohner verweigert seit Tagen das Essen, ein anderer wehrt sich körperlich gegen die Körperpflege. Die Fachkraft versucht herauszufinden, was hinter dem Verhalten steckt: Schmerzen, Angst, ein Harnwegsinfekt, eine falsch dosierte Medikation, eine Erinnerung.
Dazu kommen strukturierte Angebote: Biografiearbeit, Erinnerungspflege, Bewegungs- und Sinnesangebote, Tagesstrukturierung, Validation. Ein großer Teil der Arbeit ist Gespräch, mit Bewohnern ebenso wie mit Angehörigen, die mit der Veränderung eines Elternteils nicht zurechtkommen. Viele gerontopsychiatrische Fachkräfte übernehmen zusätzlich eine beratende Rolle im Team, schulen Kollegen, begleiten Fallbesprechungen und arbeiten mit Hausärzten, Psychiatern und Betreuern zusammen. Freiheitsentziehende Maßnahmen zu vermeiden und zu dokumentieren gehört ebenfalls dazu.
Wie wird man gerontopsychiatrische Fachkraft?
Grundlage ist eine abgeschlossene Ausbildung in der Pflege: Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, früher Altenpflege oder Gesundheits- und Krankenpflege. Darauf setzt eine Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft auf, meist berufsbegleitend über etwa 400 bis 700 Unterrichtsstunden, verteilt auf ein bis zwei Jahre, mit Praxisanteilen, Hausarbeit und Abschlussprüfung. Anbieter sind Bildungswerke der Träger, Fachseminare für Altenpflege und Akademien der Wohlfahrtsverbände. Die Inhalte reichen von Psychopathologie und Pharmakologie über Kommunikationskonzepte bis zu Recht und Ethik. Viele Arbeitgeber übernehmen die Kosten oder Teile davon, oft mit Bindungsfrist. Ein Quereinstieg ohne Pflegeexamen ist nicht möglich; Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI arbeiten in ähnlichen Settings, haben aber keine pflegerische Verantwortung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich und emotional anstrengend. Schichtdienst, Wochenend- und Feiertagsarbeit sind die Regel, Einspringen bei Krankheitsausfällen ebenso. Personalmangel führt dazu, dass für die eigentliche gerontopsychiatrische Arbeit oft weniger Zeit bleibt als geplant und die Grundpflege den Takt vorgibt. Wer Menschen mit Demenz betreut, erlebt Beschimpfungen, Schläge, Spucken und sexuell übergriffiges Verhalten, ohne es persönlich nehmen zu dürfen. Fortschritte sind selten sichtbar, viele Verläufe enden mit dem Tod. Es braucht Geduld, Selbstbeobachtung, die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, und ein Team, in dem über schwierige Situationen gesprochen wird. Supervision ist hilfreich, aber nicht überall vorhanden.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wächst mit der Zahl der Menschen mit Demenz. Stationäre Einrichtungen, Tagespflegen, ambulante Dienste und gerontopsychiatrische Kliniken suchen dauerhaft qualifiziertes Personal, Stellen sind meist ohne lange Suche zu finden. Entwicklungswege führen in die Leitung eines Wohnbereichs oder einer beschützenden Einrichtung, in die Pflegedienstleitung, in Praxisanleitung, in die Beratung von Angehörigen bei Pflegestützpunkten oder in die Fortbildungstätigkeit. Ein Studium in Pflegewissenschaft oder Pflegemanagement öffnet weitere Türen, häufig verbunden mit dem Abschied von der direkten Arbeit am Bett.
Aufgaben
- Grundpflege und Behandlungspflege bei älteren Menschen mit psychischen Erkrankungen
- Verhaltensauffälligkeiten beobachten, deuten und dokumentieren
- Medikamente stellen, verabreichen und Wirkungen überwachen
- Tagesstruktur, Biografiearbeit und Erinnerungsangebote gestalten
- Angehörige beraten und in Krisen begleiten
- Kollegen im Umgang mit herausforderndem Verhalten anleiten
- Zusammenarbeit mit Hausärzten, Psychiatern und rechtlichen Betreuern
- Freiheitsentziehende Maßnahmen vermeiden, prüfen und nachweisen
Voraussetzungen
- abgeschlossene Pflegeausbildung (Pflegefachfrau/-mann, Altenpflege oder Krankenpflege)
- absolvierte Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft
- Geduld und Belastbarkeit im Umgang mit Aggression und Verwirrtheit
- Bereitschaft zu Schicht-, Wochenend- und Feiertagsdienst
- körperliche Belastbarkeit für Heben, Stehen und Gehen
- Teamfähigkeit und sichere schriftliche Dokumentation
- in vielen Einrichtungen erweitertes Führungszeugnis und Impfnachweise
Wo man arbeitet
- stationäre Pflegeeinrichtungen und beschützende Wohnbereiche
- Tagespflegen und Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz
- ambulante Pflegedienste
- gerontopsychiatrische Kliniken und Fachabteilungen
- Pflegestützpunkte und Beratungsstellen
Der Weg in den Beruf
Zuerst die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, alternativ ein älterer Abschluss in der Alten- oder Krankenpflege. Darauf folgt die berufsbegleitende Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft mit etwa 400 bis 700 Unterrichtsstunden über ein bis zwei Jahre, die mit einer Prüfung und einem Zertifikat endet.
Offene Stellen als Gerontopsychiatrische Fachkraft
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Verwandte Berufe
Pflegedienstleitung
Pflegedienstleitungen führen das Pflegeteam einer Einrichtung oder eines Pflegedienstes, planen Personaleinsatz und Dienstpläne und verantworten die Qualität der Pflege gegenüber Bewohnern, Angehörigen und Prüfinstanzen.
- Offene Stellen
- 92
- Monatsbrutto
- 3.600 – 7.000 €
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