Was macht ein Paketzusteller?
Der Arbeitstag beginnt im Depot, oft zwischen 6 und 8 Uhr. Dort wird das Fahrzeug beladen: je nach Tour 120 bis 250 Sendungen, in der Weihnachtszeit deutlich mehr. Die Pakete werden nach Reihenfolge der Tour sortiert, damit später kein doppeltes Suchen nötig ist. Danach geht es auf die Straße. Zustellen heißt anhalten, Paket aus dem Laderaum holen, Treppen steigen, klingeln, Unterschrift oder Scan, zurück zum Fahrzeug. In Hamburg kommen enge Altbautreppen in Eimsbüttel, Anliegerstraßen ohne Halteplatz und Baustellen dazu.
Nicht angetroffene Empfänger bedeuten Nachbarschaftszustellung, Abgabe im Paketshop oder Benachrichtigungskarte. Nachnahmen werden abgerechnet, Retouren mitgenommen, bei Geschäftskunden Abholungen eingesammelt. Alles läuft über einen Handscanner, der jeden Schritt dokumentiert und die Tour taktet. Am Ende des Tages wird das Fahrzeug leergeräumt, Retouren und nicht zugestellte Sendungen gehen zurück ins Depot.
Wie wird man Paketzusteller?
Der häufigste Weg ist der direkte Einstieg ohne Ausbildung. Erforderlich sind der Führerschein Klasse B, in vielen Betrieben ein einwandfreies Führungszeugnis und ausreichende Deutschkenntnisse für den Kundenkontakt. Die Einarbeitung dauert wenige Tage und läuft als Mitfahrt auf einer Tour. Wer größere Fahrzeuge fahren soll, braucht Klasse C1.
Es gibt auch den formalen Weg über die zweijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer oder die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen. Diese Abschlüsse zahlen sich vor allem aus, wenn später Disposition, Depotorganisation oder eine Teamleitung angestrebt wird. Für die reine Zustellung sind sie keine Bedingung.
Was der Beruf verlangt
Der Job ist körperlich fordernd. Pakete wiegen bis 31,5 Kilogramm, gehoben wird hunderte Male am Tag, häufig aus ungünstiger Haltung im Laderaum. Rücken, Knie und Schultern tragen die Last. Gearbeitet wird bei jedem Wetter, im Winter im Dunkeln, im Sommer in aufgeheizten Fahrzeugen. Wer Treppen nicht mag, ist im Hamburger Altbaubestand falsch.
Der Zeitdruck ist real. Die Tour ist so bemessen, dass sie ohne Störungen aufgeht - Staus, Parkplatzsuche und Fehlzustellungen fressen die Reserve auf. Überstunden sind verbreitet, ebenso Samstagsarbeit. Ein erheblicher Teil der Zustellung läuft über Subunternehmer, wo Bezahlung, Fahrzeugzustand und Arbeitszeiterfassung deutlich schlechter sein können als bei einer Direktanstellung. Der Unterschied zwischen einem Vertrag bei der Deutschen Post oder einem großen Paketdienst und einem Vertrag bei einem Nachunternehmer ist der wichtigste Punkt bei der Jobwahl.
Aussichten
Der Sendungsmengen steigen mit dem Onlinehandel weiter, offene Stellen gibt es in Hamburg dauerhaft und in großer Zahl. Ein Einstieg ist kurzfristig möglich, auch quer und ohne Zeugnisse. Die Kehrseite: Die Fluktuation ist hoch, die Tätigkeit lässt sich körperlich selten bis zum Rentenalter durchhalten.
Entwicklungswege führen in die Tourenplanung, zur Vorarbeiter- oder Teamleiterfunktion im Depot, in die Disposition oder über den Lkw-Führerschein in den Fernverkehr und Nahverkehr. Manche gehen den Schritt zum eigenen Subunternehmen mit mehreren Fahrzeugen - unternehmerisch riskant, weil die Margen von den Auftraggebern gesetzt werden. Wer im Betrieb bleibt, profitiert deutlich von Betriebszugehörigkeit und Tarifbindung.