Was macht ein Oberarzt in Gynäkologie und Geburtshilfe?
Der Arbeitstag beginnt meist mit der Frühbesprechung: Übergabe der Nachtdienste, Durchsprache aller Geburten, Kaiserschnitte und Komplikationen der vergangenen Stunden. Danach teilt sich die Arbeit auf zwei sehr unterschiedliche Bereiche auf. In der Geburtshilfe geht es um die Leitung von Risikogeburten, um die Entscheidung zwischen abwartendem Vorgehen und Sectio, um vaginal-operative Entbindungen, um Ultraschalldiagnostik beim ungeborenen Kind und um die Versorgung von Blutungen nach der Geburt. In der Gynäkologie stehen Operationen im Vordergrund: Laparoskopien, Hysterektomien, Eingriffe bei Endometriose, Senkungsoperationen, Brustchirurgie und onkologische Eingriffe an Eierstock, Gebärmutter und Vulva.
Dazu kommt die Arbeit außerhalb des Saals: Sprechstunden in der Ambulanz, Tumorkonferenzen, Aufklärungsgespräche, Visiten auf Station und Wochenbettstation, Freigabe von Befunden. Ein erheblicher Teil der Zeit geht in die Anleitung der Assistenzärztinnen und -ärzte – Erstassistenz im OP, Supervision im Kreißsaal, Weiterbildungsgespräche. Hinzu kommen Dienstpläne, Qualitätsmanagement, Kooperation mit Hebammen, Neonatologie und Anästhesie.
Wie wird man Oberarzt in Gynäkologie und Geburtshilfe?
Am Anfang steht das Studium der Humanmedizin mit sechs Jahren und drei Monaten Regelstudienzeit und der ärztlichen Approbation. Darauf folgt die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an einer weiterbildungsbefugten Klinik, abgeschlossen mit der Facharztprüfung bei der Landesärztekammer. In der Praxis dauert die Weiterbildung häufig länger, weil Operationszahlen und Geburtenzahlen im Weiterbildungskatalog erreicht werden müssen.
Zur Oberarztstelle führen danach meist noch zwei bis fünf weitere Jahre als Facharzt. Wer eine Schwerpunktbezeichnung mitbringt – gynäkologische Onkologie, spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin oder gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin – hat deutlich bessere Chancen, ebenso wer eine Zusatzqualifikation in DEGUM-Ultraschall oder minimalinvasiver Chirurgie nachweisen kann. Ein Quereinstieg ist ausgeschlossen.
Was der Beruf verlangt
Geburtshilfe findet rund um die Uhr statt. Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste bleiben auch als Oberarzt bestehen, oft als Rufbereitschaft mit kurzer Eintreffzeit. Die Arbeitszeiten überschreiten die vertragliche Wochenarbeitszeit regelmäßig, Dokumentationslast und Personalmangel verschärfen das. Operieren im Stehen über Stunden belastet Rücken und Konzentration.
Schwerer wiegt die emotionale Seite: Totgeburten, schwere Fehlbildungen, Notfallsectiones binnen Minuten, onkologische Diagnosen bei jungen Frauen. Fehler in der Geburtshilfe haben lebenslange Folgen, entsprechend hoch ist das Haftungsrisiko und die Zahl der Klagen. Wer schlecht mit Ungewissheit und nächtlichen Entscheidungen unter Zeitdruck umgeht, kommt hier an Grenzen. Auch die Führungsrolle fällt manchen schwer: Kritik an Assistenzärzten, Konflikte mit Hebammen, Verhandlungen mit der Klinikleitung.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wird es bleiben. Viele Kliniken haben Mühe, oberärztliche Stellen in der Geburtshilfe zu besetzen, besonders abseits der Ballungsräume. Gleichzeitig schließen kleinere Geburtsstationen, was Stellen konzentriert und Wege verlängert. Entwicklungswege führen zum leitenden Oberarzt, zur Sektionsleitung Onkologie oder Perinatalmedizin und zur Chefarztposition, für die meist eine Habilitation oder ein ausgewiesener Schwerpunkt erwartet wird. Ein Wechsel in die eigene Praxis, in ein Kinderwunschzentrum oder in ein Brustzentrum ist jederzeit möglich und wird von vielen wegen der Dienstbelastung irgendwann gewählt.