Was macht ein Saugwagenfahrer?
Ein Saugwagen ist ein Lastwagen mit Tank, Vakuumpumpe und Schlauchsystem. Damit werden Abwasser, Fettabscheider, Klärgruben, Sandfänge, Schlammbehälter oder Ölabscheider leergesaugt. Bei Kombifahrzeugen kommt ein Hochdruckteil hinzu, mit dem Kanäle und Rohrleitungen freigespült werden, bevor der Schmutz abgesaugt wird. Der Arbeitstag beginnt meist früh im Betriebshof: Fahrzeug prüfen, Wasser auffüllen, Aufträge und Tourenliste durchgehen. Dann folgen mehrere Einsatzstellen - Wohnhäuser, Industriebetriebe, Baustellen, Gastronomie, kommunale Anlagen. Vor Ort wird das Fahrzeug abgesichert, Schachtdeckel geöffnet, Schläuche verlegt, gesaugt oder gespült, das Ergebnis dokumentiert. Am Ende der Tour geht es zur Kläranlage oder Entsorgungsanlage, wo der Inhalt abgegeben und gewogen wird. Fahren ist dabei nur ein Teil der Arbeit; ein großer Anteil ist Handarbeit am Schlauch.
Wie wird man Saugwagenfahrer?
Der klassische Weg führt über den Führerschein der Klasse C oder CE mit der Grundqualifikation für den gewerblichen Güterverkehr sowie die regelmäßige Weiterbildung nach Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz. Eine dreijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer ist möglich, aber nicht die Regel; viele kommen als Quereinsteiger mit vorhandenem Lkw-Führerschein aus Bau, Spedition oder Landwirtschaft. Für Fahrten mit gefährlichen Abfällen wird eine ADR-Schulung verlangt. Wer Kanalarbeiten mit übernimmt, wird betrieblich eingewiesen und häufig zusätzlich für Arbeiten in engen Räumen, Atemschutz und Gasmessung geschult. Wer den Beruf von Grund auf lernen will, kann auch die Ausbildung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice absolvieren, die Fahren, Reinigen und Kanalinspektion verbindet.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist schmutzig und riecht. Wer Ekel schwer aushält, wird damit nicht glücklich. Es geht um Fäkalien, Fett, Schlamm, gelegentlich um Chemieabfälle. Schutzkleidung, Handschuhe und teils Atemschutz sind Pflicht. Körperlich verlangt der Beruf Kraft und Ausdauer: schwere Schläuche schleppen, Schachtdeckel heben, in gebückter Haltung arbeiten, bei jedem Wetter draußen stehen. Die Tage beginnen früh und werden häufig lang, Überstunden sind üblich. Viele Betriebe fahren Rufbereitschaft, weil verstopfte Kanäle und überlaufende Gruben keine Bürozeiten kennen; Wochenend- und Nachteinsätze gehören dazu. Dazu kommen Zeitdruck, Verkehr in engen Straßen und die Verantwortung für ein großes, teures Fahrzeug. Sorgfalt bei der Dokumentation und Abfallzuordnung ist wichtig, weil Entsorgungsnachweise rechtlich bindend sind.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in vielen Regionen höher als das Angebot. Kanalnetze, Kläranlagen und Industrieanlagen müssen regelmäßig gewartet werden, unabhängig von der Konjunktur; der Bedarf wächst mit dem Alter der Infrastruktur. Fahrpersonal fehlt bundesweit, und Betriebe stellen deshalb auch Bewerber ohne Vorerfahrung ein und finanzieren Führerschein oder ADR-Schein. Weiterentwicklung ist möglich über Kanalinspektion mit Kamerafahrzeugen, Sanierungstechnik, die Prüfung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice, den Meister oder eine Rolle als Vorarbeiter, Disponent oder Betriebshofleiter. Wer den Rücken schonen will, wechselt später oft in Disposition, Fahrschule oder technische Betreuung.