Was macht ein Kunststoffschweißer?
Kunststoffschweißer fügen Bauteile aus thermoplastischen Werkstoffen wie PE, PP, PVC-U oder PVDF dauerhaft zusammen. Je nach Werkstoff und Bauteil kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz: Heizelement-Stumpfschweißen bei Rohren, Heizwendelschweißen bei Muffen in der Gasleitung, Warmgas-Ziehschweißen bei Behältern und Apparaten, Extrusionsschweißen bei dickwandigen Platten und Quellschweißen bei PVC.
Die Arbeit beginnt mit der Vorbereitung. Fügeflächen werden gehobelt, geschabt oder gefräst, ausgerichtet und auf Feuchtigkeit und Verschmutzung geprüft. Dann werden Schweißparameter eingestellt: Temperatur, Angleichdruck, Fügedruck, Abkühlzeit. Diese Werte richten sich nach Werkstoff, Wanddicke und Umgebungstemperatur und stehen in DVS-Richtlinien. Nach dem Schweißen folgt die Prüfung - Sichtkontrolle der Wulst, Zugversuch an Probestücken, Dichtheitsprüfung, bei Deponieabdichtungen die Hochspannungs- oder Vakuumprüfung. Jede Naht wird protokolliert.
Einsatzorte sind Werkstätten im Apparatebau, aber auch Baustellen: Trinkwasser- und Gasleitungen im Graben, Deponieabdichtungen, Dachbahnen, Kläranlagen, Chemieanlagen. Auf der Baustelle wird oft im Zelt geschweißt, weil Wind und Feuchtigkeit die Naht ruinieren.
Wie wird man Kunststoffschweißer?
Es gibt keine eigene Ausbildung mit diesem Titel. Der Weg führt über eine Ausbildung in einem passenden Beruf und danach über Schweißerprüfungen. Üblich sind Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Rohrleitungsbauer, Anlagenmechaniker oder Industriemechaniker, jeweils drei bis dreieinhalb Jahre im dualen System. Darauf setzen die Lehrgänge des DVS auf: der Kunststoffschweißer nach DVS 2212-1 für ein einzelnes Verfahren, danach der Kunststoffschweißfachmann. Für Gas- und Wasserleitungen kommt die Zulassung nach DVGW-Regelwerk hinzu, für Bauwerksabdichtung die entsprechenden Fachbetriebsqualifikationen.
Quereinstieg ist verbreitet. Wer handwerkliche Vorerfahrung hat, kann die Lehrgänge in wenigen Wochen absolvieren und wird angelernt eingesetzt. Die Bescheinigungen sind allerdings befristet und müssen regelmäßig verlängert werden, meist alle zwei Jahre.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist körperlich. Rohrsegmente sind schwer, Schweißmaschinen müssen bewegt werden, viele Nähte entstehen in Zwangshaltung - kniend im Rohrgraben, über Kopf am Behälter, auf dem Bauch auf der Dichtungsbahn. Auf Baustellen wird bei Kälte und Hitze gearbeitet, im Zelt steigen die Temperaturen im Sommer deutlich. Beim Schweißen entstehen Rauche und Zersetzungsprodukte, die abgesaugt oder durch Atemschutz abgefangen werden müssen.
Gefordert ist Genauigkeit unter Zeitdruck. Eine fehlerhafte Naht in einer Gasleitung oder einer Deponieabdichtung ist ein Sicherheitsproblem, das erst Jahre später auffällt. Wer Parameter nach Gefühl statt nach Richtlinie einstellt, ist im falschen Beruf. Montageeinsätze mit Übernachtung sind häufig, im Anlagenbau auch längere Auslandseinsätze und Wochenendarbeit bei Stillstandsrevisionen.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und regional teils hoch. Wasser- und Gasnetze werden saniert, Kunststoffrohre verdrängen dabei Stahl und Guss; Chemieanlagen, Galvanikbetriebe und Abwassertechnik brauchen korrosionsfeste Apparate. Qualifizierte Kräfte mit gültigen Prüfbescheinigungen sind knapp, besonders für Sonderwerkstoffe wie PVDF und für Baustellen mit DVGW-Zulassung.
Entwicklungswege führen über den Kunststoffschweißfachmann und den Kunststoffschweißaufsichtsperson-Lehrgang in die Bauleitung, Qualitätssicherung oder Schweißaufsicht. Wer eine Ausbildung als Basis hat, kann den Industriemeister Kunststoff und Kautschuk oder den Techniker anschließen. Auch Prüfwesen und Lehrgangsbetreuung bei Bildungsträgern sind Optionen.