Kraftwerker
Kraftwerker überwachen und bedienen die Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung – von der Leitstelle aus und direkt an Kessel, Turbine und Generator. Der Beruf läuft fast immer im Wechselschichtdienst, weil ein Kraftwerk rund um die Uhr läuft.
4 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Kraftwerker verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 2.900 € | 3.400 € | 3.900 € | 40.800 € | |
| Mit Berufserfahrung | 3.700 € | 4.300 € | 4.900 € | 51.600 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 4.600 € | 5.300 € | 6.500 € | 63.600 € |
Die meisten Stellen sind tarifgebunden, je nach Betreiber nach TV-V, dem Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe, dem AVEU in Ostdeutschland oder den Chemie- und Metalltarifen bei Industriekraftwerken. Entscheidend für das tatsächliche Monatseinkommen sind Schicht-, Nacht- und Feiertagszulagen, die je nach Schichtmodell deutlich ins Gewicht fallen.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Kraftwerker?
Kraftwerker halten die Anlagen einer Erzeugungsanlage in Betrieb: Dampferzeuger, Turbine, Generator, Pumpen, Kühlkreisläufe, Rauchgasreinigung. Ein Teil der Arbeit findet in der Leitstelle statt, wo Temperaturen, Drücke, Durchflüsse und Leistungswerte auf Bildschirmen verfolgt und über das Prozessleitsystem nachgeregelt werden. Der andere Teil ist Rundgang: Pumpen abhören, Lager auf Temperatur prüfen, Ölstände kontrollieren, Filter tauschen, Armaturen von Hand fahren, Proben aus dem Wasser-Dampf-Kreislauf ziehen.
Dazu kommen Anfahr- und Abfahrvorgänge, Lastwechsel nach Fahrplan oder Netzanforderung, das Freischalten von Anlagenteilen für die Instandhaltung und die Absicherung von Arbeiten durch Schaltberechtigte. Bei Störungen entscheidet die Schichtmannschaft, ob eine Anlage weiterläuft, in Teillast geht oder abgestellt wird – oft unter Zeitdruck. Jeder Vorgang wird im Schichtbuch dokumentiert und an die nächste Mannschaft übergeben.
Der Begriff Kraftwerker deckt heute mehr ab als Kohle- und Gaskraftwerke: Müllverbrennungsanlagen, Biomasseheizkraftwerke, Heizkraftwerke der Stadtwerke, Klärgas- und Industriekraftwerke, Wasserkraftwerke.
Wie wird man Kraftwerker?
Es gibt keine eigenständige Erstausbildung mit diesem Namen. Der übliche Weg führt über eine dreieinhalbjährige Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik, Industriemechaniker, Mechatroniker oder Anlagenmechaniker, dann Einarbeitung im Kraftwerksbetrieb. Darauf setzt die Weiterbildung zum Geprüften Kraftwerker oder zum Kraftwerksmeister nach IHK-Regelung auf, meist berufsbegleitend über ein bis zwei Jahre. Wer aus der Verfahrenstechnik oder von der Bundeswehr kommt, steigt häufig quer ein und lernt die Anlage im Schichtbetrieb.
Wichtig sind Anlagenkenntnis, technisches Grundverständnis für Thermodynamik und Elektrotechnik sowie die Schaltberechtigung, die der Betreiber nach interner Prüfung erteilt.
Was der Beruf verlangt
Wechselschicht in Fünf- oder Sechs-Schicht-Systemen, einschließlich Nächten, Wochenenden und Feiertagen. Das prägt den Alltag stärker als alles andere und ist für viele der Grund, den Beruf irgendwann zu verlassen. Rufbereitschaft und ungeplante Einsätze bei Störungen kommen dazu.
Die Arbeit findet in Lärm, Hitze und Staub statt, mit Gehörschutz, Helm und Sicherheitsschuhen, auf Gitterrosten und Leitern über mehrere Etagen. Revisionsphasen bringen wochenlange Sonderschichten. Gleichzeitig verlangt der Beruf Ruhe: Wer im Alarmfall hektisch schaltet, richtet Schaden an. Verantwortung für Menschen und Millionenwerte gehört zum Arbeitsplatz.
Aussichten
Die Zahl klassischer Kohlekraftwerke sinkt, Standorte werden stillgelegt oder zurückgebaut. Wer dort arbeitet, muss mit Standortwechsel, Sozialplan oder Umschulung rechnen. Nachfrage besteht dagegen bei Gas- und Reservekraftwerken, in der thermischen Abfallverwertung, bei Biomasse- und Fernwärmeanlagen und bei Stadtwerken, die Kraft-Wärme-Kopplung ausbauen. Anlagenkenntnis, Schaltberechtigung und Schichttauglichkeit sind gut übertragbar – auch in die Industrie, in Chemieparks, Papier- und Zuckerfabriken mit eigenen Kesselhäusern.
Entwicklungswege führen über den Kraftwerksmeister zum Schichtleiter, in die Betriebsführung, in die Instandhaltungsplanung oder in den Bereich Arbeitssicherheit und Anlagentechnik. Mit einer Technikerschule oder einem Studium der Energie- oder Versorgungstechnik öffnet sich der Weg in Planung und Projektierung.
Aufgaben
- Anlagen von der Leitstelle aus überwachen und Betriebswerte nachregeln
- Kessel, Turbine und Generator anfahren, in Last fahren und abstellen
- Kontrollrundgänge durch Kesselhaus, Maschinenhaus und Nebenanlagen
- Pumpen, Ventilatoren und Armaturen prüfen, schmieren und kleinere Reparaturen ausführen
- Anlagenteile für Instandhaltungsarbeiten freischalten und wieder in Betrieb nehmen
- Proben aus dem Wasser-Dampf-Kreislauf entnehmen und Aufbereitung überwachen
- Störungen eingrenzen, Gegenmaßnahmen einleiten und Meldungen weitergeben
- Schichtbuch führen und die Anlage an die nachfolgende Mannschaft übergeben
Voraussetzungen
- Abgeschlossene technische Ausbildung, etwa Elektroniker für Betriebstechnik, Industriemechaniker oder Mechatroniker
- Bereitschaft zu Wechselschicht an Wochenenden und Feiertagen
- Gesundheitliche Eignung für Schichtarbeit, Lärm, Hitze und Arbeiten in der Höhe
- Ruhe und klare Entscheidungen in Störungs- und Alarmsituationen
- Verständnis für Dampf- und Stromerzeugungsprozesse sowie Messtechnik
- Sorgfalt bei Dokumentation und Einhaltung von Schaltregeln
- Weiterbildung zum Geprüften Kraftwerker oder Kraftwerksmeister für höhere Positionen
Wo man arbeitet
- Kohle-, Gas- und Reservekraftwerke
- Heizkraftwerke kommunaler Stadtwerke
- Müllverbrennungs- und Ersatzbrennstoffanlagen
- Biomasse- und Klärgasanlagen
- Industriekraftwerke in Chemie-, Papier- und Zuckerindustrie
- Wasserkraft- und Pumpspeicherwerke
Der Weg in den Beruf
Zunächst eine dreieinhalbjährige duale Ausbildung in einem Elektro- oder Metallberuf, üblich sind Elektroniker für Betriebstechnik und Industriemechaniker. Danach folgt die Einarbeitung im Kraftwerksbetrieb mit betrieblicher Schaltberechtigung. Wer aufsteigen will, absolviert berufsbegleitend in ein bis zwei Jahren die IHK-Weiterbildung zum Geprüften Kraftwerker oder zum Kraftwerksmeister.
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