Was macht ein konservativer Facharzt für Augenheilkunde?
Der Arbeitstag besteht überwiegend aus Untersuchungen am Patienten. Sehschärfe prüfen, Brillen- und Kontaktlinsenwerte bestimmen, Augeninnendruck messen, die vorderen Augenabschnitte an der Spaltlampe beurteilen, den Augenhintergrund in Mydriasis betrachten. Dazu kommen apparative Verfahren: Gesichtsfelduntersuchung bei Glaukomverdacht, optische Kohärenztomografie der Netzhaut und des Sehnervs, Fluoreszenzangiografie, Hornhauttopografie, Ultraschall. Aus den Befunden entstehen Diagnosen und Therapiepläne - Augentropfen bei Glaukom, Behandlung von Bindehaut- und Hornhautentzündungen, Kontrolle diabetischer Netzhautveränderungen, Verordnung von Sehhilfen, Einschätzung der Fahreignung.
Konservativ bedeutet, dass keine Operationen im Operationssaal durchgeführt werden. Kleinere Eingriffe gehören dennoch dazu: Fremdkörper entfernen, Lidrandtumoren begutachten, Laserbehandlungen an Netzhaut und Iris, in vielen Praxen auch Injektionen von Medikamenten in den Glaskörper bei feuchter Makuladegeneration. Ein erheblicher Teil der Zeit geht in Gespräche, Befundbriefe an Haus- und Kinderärzte, Überweisungen an operierende Kollegen und Dokumentation.
Wie wird man konservativer Facharzt für Augenheilkunde?
Am Anfang steht das Medizinstudium mit zwölf Semestern und drei Staatsprüfungen, danach die Approbation. Es folgt die fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Augenheilkunde an einer Klinik oder einer weiterbildungsbefugten Praxis, mit Facharztprüfung bei der Landesärztekammer. Wer nicht operativ tätig sein will, absolviert die Weiterbildung dennoch vollständig einschließlich der geforderten operativen Eingriffe und spezialisiert sich anschließend auf die konservative Tätigkeit. Einen Quereinstieg gibt es nicht. Wechsel aus anderen Fachgebieten sind theoretisch möglich, verlangen aber die komplette augenärztliche Weiterbildung. Zusatzqualifikationen sind etwa Neuroophthalmologie, Kinderophthalmologie, Strabologie oder die Betreuung von Kontaktlinsenpatienten.
Was der Beruf verlangt
Die Untersuchungen erfordern feine Motorik, ruhige Hände und stundenlange Konzentration in leicht abgedunkelten Räumen. Der Blick durch Spaltlampe und Ophthalmoskop belastet Rücken und Nacken, viele Ärzte klagen über Zwangshaltungen. In der Praxis prägt hoher Patientendurchsatz den Tag - zwanzig Minuten pro Fall sind selten, oft sind es weniger. Der Terminmangel in der Augenheilkunde führt zu ungeduldigen Patienten und langen Wartezimmern.
In der Klinik gehören Bereitschafts- und Notdienste dazu, mit Verletzungen, Verätzungen und akuten Sehverlusten. In der Praxis ist die Arbeitszeit planbarer, dafür kommt bei eigener Niederlassung betriebswirtschaftliche Verantwortung hinzu: Personal, Geräteinvestitionen, Abrechnung nach EBM und GOÄ. Emotional schwierig sind Gespräche über nicht mehr aufhaltbaren Sehverlust, etwa bei fortgeschrittenem Glaukom oder Makuladegeneration.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und steigt weiter, weil die Zahl älterer Patienten mit Glaukom, Makuladegeneration und diabetischer Retinopathie zunimmt. Gleichzeitig gehen viele niedergelassene Augenärzte in den Ruhestand, besonders in ländlichen Regionen fehlen Nachfolger. Wer eine Facharztanerkennung hat, findet ohne Schwierigkeiten eine Stelle. Wege führen in die Anstellung in einem Medizinischen Versorgungszentrum, in eine eigene oder gemeinschaftliche Praxis, in die Oberarztfunktion an einer Klinik oder in spezialisierte Sprechstunden für Kinder, Schielbehandlung oder Netzhauterkrankungen. Der zunehmende Einstieg von Investoren in augenärztliche Versorgungszentren verändert die Arbeitsbedingungen und die Erwartungen an Fallzahlen.