Was macht ein Kalkulator schlüsselfertiger Hochbau?
Am Anfang steht ein Stapel Unterlagen: Leistungsverzeichnis, Pläne, Baugrundgutachten, Terminvorgaben. Der Kalkulator arbeitet sie durch und übersetzt sie in Zahlen. Er rechnet Massen aus Plänen oder prüft die Massen des Auftraggebers, hinterlegt für jede Position Material, Lohnstunden, Geräte und Nachunternehmerpreise und kommt so auf einen Angebotspreis für ein ganzes Gebäude.
Schlüsselfertig heißt: nicht nur Rohbau, sondern auch Dach, Fenster, Estrich, Trockenbau, Haustechnik, Fliesen, Malerarbeiten, Außenanlagen. Ein großer Teil dieser Leistungen wird an Nachunternehmer vergeben. Deshalb besteht die Arbeit zu einem erheblichen Anteil aus dem Anfragen, Vergleichen und Bewerten von Subunternehmerangeboten. Wer hier eine Leistung übersieht oder eine Schnittstelle zwischen zwei Gewerken nicht bepreist, hat eine Lücke im Angebot, die später auf die Baustelle durchschlägt.
Dazu kommen Nebenkosten der Baustelle, Kran, Container, Bauleitung, Winterbau, Risikozuschläge und die Kalkulation der Zuschläge für Wagnis und Gewinn. Bei Angeboten mit Planungsanteil oder bei Generalunternehmerverträgen arbeitet der Kalkulator eng mit Architekten, Tragwerksplanern und der eigenen Geschäftsführung zusammen. Nach Auftragserteilung übergibt er die Kalkulation an die Bauleitung und erklärt, wie der Preis zustande kam.
Wie wird man Kalkulator schlüsselfertiger Hochbau?
Üblich ist ein Studium des Bauingenieurwesens, häufig mit Schwerpunkt Baubetrieb, oder ein Studium in Baumanagement beziehungsweise Projektmanagement Bau. Auch Bautechniker und Bauingenieure mit Meisterhintergrund arbeiten in der Kalkulation, ebenso Architekten mit Baubetriebserfahrung. Direkt in die Kalkulation steigen wenige ein; die meisten kommen aus der Bauleitung oder der Projektsteuerung und bringen mit, wie eine Baustelle tatsächlich läuft. Diese Erfahrung ist der eigentliche Kern der Qualifikation, denn Kalkulation ohne Baustellenwissen führt zu Preisen, die auf dem Papier stimmen und in der Ausführung nicht.
Wichtig sind Sicherheit im Umgang mit Kalkulationssoftware, im Regelfall RIB iTWO, Nevaris oder ARRIBA, sowie Kenntnisse in VOB, HOAI-Grundlagen und Vertragsrecht.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bürotätigkeit am Bildschirm, mit gelegentlichen Baustellenbesichtigungen und Bietergesprächen. Belastend sind die Abgabetermine: Submissionsfristen sind fix, und in den Tagen davor entstehen lange Arbeitstage. Mehrere Angebote laufen parallel, und ein großer Teil der Arbeit endet ohne Auftrag, weil ein Mitbewerber günstiger war. Wer Bestätigung durch sichtbare Ergebnisse braucht, tut sich damit schwer.
Verlangt werden Genauigkeit über Stunden hinweg, ein Gespür für Risiken, die nicht im Leistungsverzeichnis stehen, und die Bereitschaft, Verantwortung für Zahlen mit sechs oder sieben Stellen zu tragen. Fehler werden oft erst Monate später auf der Baustelle sichtbar.
Aussichten
Kalkulatoren mit Schlüsselfertigerfahrung werden von Bauunternehmen dauerhaft gesucht, weil der Nachwuchs knapp ist und viele Erfahrene in den Ruhestand gehen. Konjunkturell hängt die Nachfrage am Wohn- und Gewerbebau und schwankt mit Zinsen und öffentlichen Investitionen. Entwicklungswege führen zur Leitung der Kalkulationsabteilung, in die Niederlassungs- oder Geschäftsführung, in das Nachtragsmanagement oder auf die Bauherrenseite zu Projektentwicklern und Beratungsbüros.