Was macht ein Kalkulator für den Verkehrswegebau?
Bevor ein Bauunternehmen eine Straße saniert, ein Gleis erneuert oder eine Ortsdurchfahrt umbaut, muss jemand ausrechnen, was das kostet. Diese Aufgabe übernimmt der Kalkulator. Er liest die Ausschreibungsunterlagen des Auftraggebers, meist einer Kommune, eines Landesbetriebs Straßenbau oder der Deutschen Bahn, prüft Leistungsverzeichnis, Pläne, Bodengutachten und Vertragsbedingungen und rechnet jede Position durch: Kubikmeter Bodenaushub, Tonnen Asphalt, Laufmeter Bordstein, Sperrungen, Verkehrsführung, Baustelleneinrichtung.
Dazu kommen die Kosten für Lohn, Geräte, Material und Nachunternehmer. Der Kalkulator holt Angebote von Lieferanten und Subunternehmen ein, vergleicht Preise, setzt Leistungsansätze für Kolonnen und Maschinen an und legt Gemeinkosten, Wagnis und Gewinn um. Am Ende steht ein Angebotspreis, der hoch genug sein muss, um das Projekt wirtschaftlich abzuwickeln, und niedrig genug, um den Auftrag zu gewinnen. Gewinnt das Unternehmen, übergibt der Kalkulator seine Arbeitskalkulation an die Bauleitung und begleitet häufig Nachträge, wenn sich Mengen oder Bauumstände ändern.
Wie wird man Kalkulator für den Verkehrswegebau?
Der übliche Weg führt über ein Studium des Bauingenieurwesens, häufig mit Schwerpunkt Verkehrswegebau, Tiefbau oder Baubetrieb. Auch Bautechniker und Meister aus dem Straßen- und Tiefbau arbeiten sich in die Kalkulation ein, meist nach Jahren auf der Baustelle. Genau diese Baustellenerfahrung ist wertvoll, weil sie ein Gefühl dafür gibt, wie viel eine Kolonne tatsächlich am Tag leistet.
Der Einstieg erfolgt selten direkt in die Kalkulation. Viele beginnen als Bauleiter oder Assistenz in der technischen Abteilung und wechseln später. Wer aus dem Hochbau kommt, kann umsatteln, muss sich aber in Vergaberecht, VOB/B, die ZTV-Regelwerke und die Besonderheiten von Asphalt-, Erd- und Gleisbau einarbeiten. Kalkulationssoftware wie iTWO, ARRIBA oder BauSU gehört zum Handwerkszeug.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf ist Büroarbeit unter Zeitdruck. Submissionstermine sind fest, und kurz vor Abgabe wird es regelmäßig lang. Mehrere Angebote parallel, unvollständige Unterlagen und Lieferantenpreise, die erst am letzten Tag eintreffen, sind Normalzustand. Wer schlecht mit Termindruck umgeht, wird damit Mühe haben.
Die Verantwortung ist erheblich: Ein Rechenfehler oder ein zu optimistischer Leistungsansatz kann ein Millionenprojekt in die Verlustzone bringen. Gleichzeitig geht ein großer Teil der Arbeit ins Leere, weil die meisten Angebote nicht zum Auftrag führen. Das muss man aushalten. Positiv ist, dass Reisetätigkeit und Wochenendarbeit geringer sind als in der Bauleitung und die Arbeit überwiegend an einem festen Standort stattfindet, unterbrochen von Baustellenbesichtigungen vor Angebotsabgabe.
Aussichten
Der Bedarf ist stabil bis hoch. Sanierungsstau bei Brücken, Straßen und Schienennetz sorgt für ein anhaltendes Auftragsvolumen, und erfahrene Kalkulatoren sind auf dem Arbeitsmarkt knapp. Wer sich in Bahnbau oder Ingenieurbau spezialisiert, hat besonders gute Karten.
Entwicklungswege führen zur Leitung der Kalkulationsabteilung, in die Niederlassungs- oder Bereichsleitung oder in das Nachtragsmanagement und Claim Management. Auch ein Wechsel auf die Auftraggeberseite, etwa in die Kostenprüfung öffentlicher Bauverwaltungen, oder in die freiberufliche Beratung ist möglich.