Was macht ein Kalibriertechniker?
Kalibriertechniker vergleichen Messgeräte mit Normalen, deren Werte auf nationale Standards zurückgeführt sind. Ein Messschieber wird gegen Endmaße geprüft, ein Drehmomentschlüssel gegen eine Referenzaufnahme, ein Temperaturfühler im Kalibrierbad, ein Manometer am Druckwaagenaufbau. Die ermittelten Abweichungen werden protokolliert, mit der zulässigen Toleranz verglichen und in einem Kalibrierschein festgehalten, der auch die Messunsicherheit ausweist.
Der Alltag besteht aus Prüfarbeit am Messplatz, Justage von Geräten, Verwaltung des Messmittelbestands und Terminüberwachung: Jedes Messmittel hat ein Kalibrierintervall, dessen Ablauf im Verwaltungssystem verfolgt wird. Dazu kommen Sperren und Aussortieren von Geräten, die aus der Toleranz gelaufen sind, Klärung mit den Nutzern in der Fertigung sowie Vorbereitung von Audits. In akkreditierten Laboratorien nach DIN EN ISO/IEC 17025 gehört das Pflegen von Verfahrensanweisungen und die Teilnahme an Ringvergleichen dazu.
Wie wird man Kalibriertechniker?
Es gibt keine eigene Ausbildung. Der übliche Weg führt über eine technische Ausbildung, etwa als Industriemechaniker, Elektroniker für Geräte und Systeme, Mechatroniker oder Feinwerkmechaniker, und anschließende Einarbeitung im Kalibrierlabor. Viele Stellen richten sich an Prüftechniker aus der Qualitätssicherung oder an Personen mit einer Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker in Maschinenbau, Elektrotechnik oder Mess- und Regelungstechnik. Für Fach- und Laborleitungen wird häufig ein Ingenieurstudium erwartet.
Quereinstieg gelingt aus der Fertigungsmesstechnik oder dem Gerätebau, wenn Erfahrung mit Zeichnungslesen, Toleranzen und Prüfmitteln vorhanden ist. Ergänzend werden Kurse zu Messunsicherheit, gesetzlichem Messwesen und den Anforderungen der Akkreditierung besucht.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist ruhig, sitzend oder stehend am Messplatz, oft in klimatisierten Räumen mit konstanter Temperatur und Luftfeuchte. Sie verlangt Geduld und die Bereitschaft, gleiche Abläufe hundertfach identisch auszuführen. Wer schnelle Abwechslung sucht, wird das monoton finden. Genauigkeit ist keine Tugend, sondern Pflicht: Ein falsch ausgestellter Kalibrierschein kann Serienfehler und Rückrufe nach sich ziehen.
Die Dokumentationslast ist hoch, ein erheblicher Teil der Zeit fließt in Protokolle, Softwareeingaben und Nachweisführung. Bei Vor-Ort-Kalibrierungen im Außendienst kommen Reisetätigkeit und Arbeit in Produktionshallen mit Lärm und Enge hinzu, teils an Wochenenden, wenn Anlagen stillstehen. In Industriebetrieben mit Mehrschichtbetrieb kann Schichtarbeit gefordert sein, in Laboren überwiegt Tagdienst. Gutes Sehvermögen, ruhige Hände und Sorgfalt beim Umgang mit teuren Normalen sind Voraussetzung.
Aussichten
Der Bedarf ist stabil. Jede regulierte Branche braucht rückführbare Messungen: Automobilindustrie, Medizintechnik, Pharmazie, Luftfahrt, Energietechnik. Akkreditierte Dienstleistungslabore suchen laufend Personal, weil erfahrene Kalibriertechniker knapp sind und die Einarbeitung in einzelne Messgrößen lange dauert.
Entwicklungswege führen über die Spezialisierung auf eine Messgröße wie Druck, Temperatur, Elektrik oder Koordinatenmesstechnik zur Rolle des Fachverantwortlichen, der Unterschriftsberechtigung für Kalibrierscheine erhält. Weiter geht es in die Laborleitung, ins Qualitätsmanagement, in die Auditierung oder in den technischen Vertrieb von Messtechnik. Wer sich mit Messunsicherheitsbudgets und Normenauslegung auskennt, ist auch als Berater gefragt.