Was macht ein Ingenieur Fahrzeugprüfung?
Die Arbeit beginnt meist mit einem Prüfauftrag: Ein Bremssystem, eine Karosseriestruktur, ein Fahrerassistenzsystem oder ein ganzes Fahrzeug soll auf bestimmte Eigenschaften untersucht werden. Der Ingenieur legt fest, wie geprüft wird, welche Messtechnik zum Einsatz kommt, welche Lastfälle gefahren werden und welche Kriterien als erfüllt gelten. Dann wird gerüstet: Sensoren applizieren, Messkanäle kalibrieren, Prüfling auf dem Rollenprüfstand, im Klimakanal oder auf der Teststrecke aufbauen.
Während der Prüfung überwacht er Verläufe, erkennt Abweichungen und entscheidet, ob ein Versuch abgebrochen oder wiederholt werden muss. Danach folgt der größere Teil der Arbeit: Messdaten auswerten, mit Simulationsergebnissen und Vorgaben vergleichen, Ursachen für Ausfälle eingrenzen und die Ergebnisse in Berichten festhalten. Bei Prüforganisationen und in der Homologation kommt der rechtliche Rahmen hinzu – UN-ECE-Regelungen, EU-Verordnungen, StVZO. Wer dort arbeitet, prüft nicht nur technisch, sondern erteilt oder verweigert Nachweise, auf die sich Behörden verlassen.
Wie wird man Ingenieur Fahrzeugprüfung?
Üblich ist ein Studium des Maschinenbaus, der Fahrzeugtechnik, Mechatronik oder Elektrotechnik, Bachelor oder Master, an Hochschule oder Universität. Fahrzeugtechnische Studiengänge mit Schwerpunkt Versuch und Messtechnik sind ein direkter Weg, notwendig ist die Spezialisierung nicht – vieles wird im Betrieb gelernt. Praktika und Werkstudentenstellen in Versuchsabteilungen zählen bei der Einstellung mehr als Notenschnitte.
Quereinstieg gelingt aus benachbarten Bereichen: Konstruktion, Qualitätssicherung, Simulation. Auch Techniker und Meister mit langer Prüfstandserfahrung arbeiten in diesem Feld, häufig in der Versuchsdurchführung statt in der Prüfplanung. Wer amtliche Prüfungen abnehmen will, etwa als Prüfingenieur bei einer Überwachungsorganisation, braucht eine gesonderte Ausbildung und Anerkennung nach den einschlägigen Vorschriften; das dauert mehrere Monate und schließt mit einer Prüfung ab.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist teils Büro, teils Halle. Prüfstände sind laut, Klimakammern kalt oder heiß, Erprobungen auf Proving Grounds finden bei jedem Wetter statt. Prüfstände laufen oft in mehreren Schichten oder über Nacht, Rufbereitschaft und Wochenendeinsätze kommen vor, wenn ein Bauteil den Termin für die Freigabe halten muss. Dienstreisen zu Wintererprobungen in Skandinavien oder Hitzetests in Südeuropa gehören in manchen Bereichen dazu.
Unangenehm wird es, wenn Ergebnisse nicht ins Terminkonzept passen. Der Prüfingenieur ist die Instanz, die "nicht bestanden" sagt, und muss das gegen Entwicklungs- und Projektdruck belegen können. Dafür braucht es Genauigkeit in der Dokumentation, Standfestigkeit und die Bereitschaft, sich in Normen einzulesen, die selten spannend sind. Englisch ist Arbeitssprache in Berichten und Abstimmungen.
Aussichten
Geprüft werden muss immer, und mit Elektroantrieben, Batteriesicherheit und automatisierten Fahrfunktionen sind ganze Prüffelder neu entstanden – Hochvoltsicherheit, Thermal Runaway, Absicherung von Assistenzsystemen. Fachkräfte mit diesen Schwerpunkten sind gesucht. Gleichzeitig verschiebt sich Beschäftigung: Bereiche rund um Verbrennungsmotoren schrumpfen, und Automobilzulieferer bauen Stellen ab. Wer flexibel bleibt und Simulation, Software und Messtechnik verbindet, ist besser abgesichert.
Entwicklungswege führen in die Teamleitung eines Prüffelds, in die Fachverantwortung für ein Prüfgebiet, in die Homologation oder als Sachverständiger zu einer Überwachungsorganisation. Auch der Wechsel in Zulassung, Normung oder Beratung ist möglich.