Was macht eine Fachkraft in der Anästhesiepflege?
Der Arbeitstag beginnt meist vor der ersten Schnittzeit: Narkosegerät prüfen, Beatmungsschläuche wechseln, Absaugung testen, Medikamente aufziehen und beschriften, Intubationszubehör in verschiedenen Größen bereitlegen, Notfallmedikamente kontrollieren. Kommt der Patient in die Einleitung, übernimmt die Anästhesiepflege die Identitätskontrolle, legt EKG, Blutdruckmanschette und Pulsoxymetrie an, assistiert beim Legen eines venösen Zugangs und reicht bei der Narkoseeinleitung Maske, Laryngoskop und Tubus an. Während des Eingriffs überwacht sie gemeinsam mit dem Anästhesisten Kreislauf, Beatmung, Narkosetiefe und Flüssigkeitshaushalt, dokumentiert den Verlauf, hängt Infusionen und Blutprodukte an und reagiert, wenn Werte kippen.
Nach der Operation begleitet sie den Patienten in den Aufwachraum, überwacht Atmung, Schmerzen, Übelkeit und Kreislauf und meldet Auffälligkeiten. Dazu kommen Einsätze bei Regionalanästhesien, in der Schmerztherapie, im Schockraum und bei Notfällen im Haus, etwa beim Reanimationsalarm.
Wie wird man Anästhesiepflegekraft oder ATA?
Es gibt zwei Wege. Der erste ist die dreijährige Ausbildung zur Anästhesietechnischen Assistentin nach dem ATA-OTA-Gesetz, die direkt für die Anästhesieabteilung qualifiziert und an Krankenhäusern mit angeschlossener Schule angeboten wird. Der zweite führt über die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann mit anschließender Tätigkeit in der Anästhesie und der zweijährigen Fachweiterbildung Anästhesie- und Intensivpflege. Beide Wege setzen einen mittleren Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung voraus. Ein Wechsel aus der Bettenstation oder von der Intensivstation ist üblich; Kliniken schulen Neueinsteiger meist über mehrere Monate ein.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet im Wechsel von langen ruhigen Phasen und plötzlicher Hochspannung statt. Wenn ein Kreislauf einbricht oder eine Intubation misslingt, zählen Sekunden, und Handgriffe müssen ohne Nachdenken sitzen. Das verlangt Nerven und die Bereitschaft, jahrelang Routinen zu üben, die man selten braucht. Der Dienst läuft in Schichten, mit Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten sowie Rufbereitschaft; Notsectio und Polytrauma halten sich nicht an Dienstpläne. Körperlich fordern langes Stehen, Umlagern schwerer Patienten und Arbeit unter OP-Kleidung ohne Fenster und Tageslicht. Belastend ist auch die Nähe zu Patienten in Lebensgefahr und zu Todesfällen im OP. Personalmangel führt in vielen Häusern zu Überstunden, verschobenem Frei und Sälen, die wegen fehlender Anästhesiepflege nicht laufen.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und stabil, offene Stellen bleiben in fast allen Regionen lange unbesetzt. Wer die Fachweiterbildung hat, kann zwischen Kliniken wählen und findet auch Teilzeitmodelle. Entwicklungswege führen in die Leitung des Anästhesiefunktionsdienstes, in die Praxisanleitung von Auszubildenden, in die Gerätebeauftragung und Hygiene oder in Spezialbereiche wie Kinderanästhesie, Herzchirurgie und Aufwachraummanagement. Möglich ist auch der Wechsel in die Intensivpflege, in die Notfallmedizin oder über ein Pflegestudium in Management und Lehre.