Was macht ein Filialleiter Private Banking?
Ein Filialleiter im Private Banking trägt die Verantwortung für einen Standort, an dem vermögende Privatkunden betreut werden – meist ab einem liquiden Vermögen von einigen Hunderttausend Euro. Die Arbeit besteht aus zwei Hälften. Die eine ist Führung: Beraterteams von etwa fünf bis dreißig Personen anleiten, Zielvereinbarungen treffen, Vertriebszahlen auswerten, Personal einstellen und Gespräche führen, wenn Ergebnisse ausbleiben. Die andere Hälfte ist eigenes Kundengeschäft. Filialleiter behalten in der Regel ein Portfolio der bedeutendsten Kunden, führen Depotgespräche, begleiten Unternehmensverkäufe, Erbregelungen und Immobilienfinanzierungen und treten bei Veranstaltungen als Gesicht des Hauses auf.
Dazu kommt Verwaltung, deren Umfang oft unterschätzt wird: Berichte an die Bereichsleitung, Kostenstellenplanung, Umsetzung regulatorischer Vorgaben aus MiFID II, Geldwäscheprävention, Nachbearbeitung von Prüfungsergebnissen der internen Revision. Wer Beratungsprotokolle nicht mag, findet in dieser Rolle keine Erleichterung, sondern eine zusätzliche Kontrollpflicht.
Wie wird man Filialleiter Private Banking?
Der klassische Weg beginnt mit der Ausbildung zum Bankkaufmann, gefolgt von Jahren in der Privatkundenberatung und dem Wechsel in die Vermögensberatung. Parallel absolvieren viele ein Studium in Betriebswirtschaft oder Finance, eine Weiterbildung zum Bankfachwirt und Bankbetriebswirt oder den Certified Financial Planner. Ein Hochschulabschluss ist bei Privatbanken und Auslandsinstituten häufig Voraussetzung, bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken ersetzt ihn oft der Aufstieg über die Bankakademie.
Ohne mehrjährige Erfahrung in der Beratung vermögender Kunden wird die Position praktisch nicht vergeben. Zwischen erster Beraterstelle und Filialleitung liegen üblicherweise acht bis fünfzehn Jahre. Quereinstiege gelingen gelegentlich aus der Steuerberatung, dem Wirtschaftsrecht oder dem Versicherungsvertrieb, dann aber fast immer über eine Beraterrolle als Zwischenstation.
Was der Beruf verlangt
Die Rolle ist ergebnisgetrieben. Vertriebsziele für Wertpapierumsätze, Nettomittelzufluss und Provisionsertrag werden quartalsweise gemessen, und wer sie verfehlt, spürt das schnell. Der Druck wird nach unten weitergegeben, was Konflikte im Team erzeugt – zwischen dem Anspruch, im Kundeninteresse zu beraten, und Produktvorgaben aus der Zentrale. Diesen Widerspruch auszuhalten, fällt vielen schwerer als die Fachthemen.
Die Arbeitszeiten liegen deutlich über der vertraglichen Zeit, Abendtermine bei Kunden und Netzwerkveranstaltungen sind normal, Homeoffice nur eingeschränkt möglich, weil Präsenz am Standort erwartet wird. Verlangt werden zudem belastbare Kenntnisse in Kapitalmarkt, Steuern, Nachfolgeplanung und Kreditgeschäft, dazu Verbindlichkeit im Umgang mit Menschen, die gewohnt sind, ernst genommen zu werden.
Aussichten
Die Nachfrage bleibt stabil, weil private Vermögen wachsen und Banken das margenstarke Geschäft mit ihnen ausbauen. Gleichzeitig verringern viele Häuser die Zahl der Standorte und bündeln Kompetenzzentren, sodass Leitungsstellen seltener, aber größer werden. Wettbewerb kommt von unabhängigen Vermögensverwaltern und Family Offices, die erfahrene Leiter samt Kundenstamm abwerben.
Entwicklungswege führen in die Regional- oder Bereichsleitung Private Banking, in den Wealth-Management-Bereich für sehr große Vermögen, in die Leitung eines Family Office oder in die Selbstständigkeit als Vermögensverwalter mit eigener Zulassung. Wer Kundenbeziehungen aufgebaut hat, ist am Markt gut positioniert.