Facharzt für Arbeitsmedizin / Betriebsmediziner
Fachärztinnen und Fachärzte für Arbeitsmedizin betreuen Beschäftigte in Betrieben: Sie führen Vorsorgeuntersuchungen durch, beurteilen Arbeitsplätze auf Gesundheitsgefahren und beraten Arbeitgeber und Personalvertretungen. Behandelt wird in diesem Fach kaum, beraten und begutachtet dafür umso mehr.
7 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Facharzt für Arbeitsmedizin / Betriebsmediziner verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 6.000 € | 7.000 € | 8.500 € | 84.000 € | |
| Mit Berufserfahrung | 7.500 € | 9.000 € | 11.000 € | 108.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 9.500 € | 11.500 € | 15.000 € | 138.000 € |
Im öffentlichen Dienst und in Kliniken gelten die Tarifverträge für Ärzte (TV-Ärzte/VKA, TV-Ärzte/TdL, TV-Ärzte Marburger Bund), in Industriekonzernen liegen die Werksarztgehälter oft deutlich darüber. Bei überbetrieblichen Diensten wird frei verhandelt, dort wirken sich Reisebereitschaft, Region und Leitungsverantwortung am stärksten aus; in der Weiterbildung liegt das Gehalt noch klar unter den genannten Einstiegswerten.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Facharzt für Arbeitsmedizin?
Arbeitsmedizin ist das einzige ärztliche Fachgebiet, das sich nicht um kranke Menschen im Wartezimmer dreht, sondern um gesunde Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Der Alltag besteht aus arbeitsmedizinischen Vorsorgen nach der ArbMedVV: Hörtests bei Lärmexposition, Sehtests am Bildschirmarbeitsplatz, Lungenfunktion bei Staub- oder Atemschutzbelastung, Untersuchungen vor Tätigkeiten mit Absturzgefahr oder Infektionsrisiko. Dazu kommen Eignungsbeurteilungen, Impfberatungen und Reisemedizin für Beschäftigte im Auslandseinsatz.
Ein zweiter großer Teil findet außerhalb des Untersuchungsraums statt: Begehungen von Produktionshallen, Baustellen, Laboren oder Büros gemeinsam mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit, Mitwirkung in Gefährdungsbeurteilungen, Teilnahme am Arbeitsschutzausschuss. Betriebsmediziner beraten zu Gefahrstoffen, Ergonomie, Nachtarbeit, psychischer Belastung und Mutterschutz. Sie begleiten das betriebliche Eingliederungsmanagement, wenn Beschäftigte nach langer Krankheit zurückkehren, und schlagen leidensgerechte Arbeitsplätze vor. Vieles davon ist Gesprächsarbeit zwischen Interessen: Der Betrieb will Verfügbarkeit, der Beschäftigte will Schutz und Vertraulichkeit. Die ärztliche Schweigepflicht gilt auch hier, an den Arbeitgeber geht in der Regel nur die Beurteilung, nicht die Diagnose.
Wie wird man Facharzt für Arbeitsmedizin?
Am Anfang steht das Medizinstudium mit Approbation. Danach folgt eine Weiterbildung von fünf Jahren, von denen zwei Jahre in der unmittelbaren Patientenversorgung abzuleisten sind, meist in der Inneren Medizin, und drei Jahre in der Arbeitsmedizin, ergänzt um einen mehrmonatigen theoretischen Kurs. Alternativ führt die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin nach abgeschlossener Facharztweiterbildung in einem anderen Gebiet ins Fach; dieser Weg ist bei Umsteigern aus der Allgemeinmedizin, der Inneren Medizin oder der Chirurgie verbreitet. Die genauen Anforderungen legt die jeweilige Landesärztekammer fest.
Das Fach zieht viele Ärztinnen und Ärzte an, die nach Jahren in Klinik oder Praxis eine planbare Tätigkeit suchen. Der Wechsel ist üblich und wird von überbetrieblichen Diensten aktiv beworben.
Was der Beruf verlangt
Keine Nachtdienste, keine Wochenenden, keine Notfälle: Das ist der oft genannte Vorteil. Dafür ist die Arbeit stark durch Routine geprägt. Wer die Spannung akuter Medizin braucht, langweilt sich hier. Bei überbetrieblichen Diensten kommt erhebliche Reisetätigkeit hinzu, mehrere Betriebe pro Woche, Untersuchungen im mobilen Fahrzeug oder in improvisierten Räumen, Taktung nach Vorsorgekontingenten. Dokumentation, Rechtsvorschriften und Fristen nehmen viel Zeit ein.
Schwer fällt vielen die Rolle zwischen den Parteien. Betriebsmediziner werden vom Arbeitgeber bezahlt, sind aber weisungsfrei in fachlichen Fragen. Wer unbequeme Beurteilungen abgibt, braucht Standfestigkeit. Konflikte um Eignung, Wiedereingliederung oder Suchtprobleme gehören dazu.
Aussichten
Die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot. Die Fachgruppe ist klein und überaltert, gleichzeitig verpflichtet das Arbeitssicherheitsgesetz Betriebe zur betriebsärztlichen Betreuung. Stellen finden sich in überbetrieblichen arbeitsmedizinischen Diensten, in Werksärztlichen Diensten großer Industrieunternehmen, bei Behörden, Verkehrsbetrieben, Kliniken und Berufsgenossenschaften. Wer sich selbstständig macht, betreut mehrere Betriebe im Vertrag.
Entwicklungswege führen in die Leitung eines betriebsärztlichen Dienstes, in Gutachtertätigkeit, in Themen wie betriebliches Gesundheitsmanagement, psychische Gefährdungsbeurteilung oder Arbeitshygiene sowie in Lehre und Forschung an arbeitsmedizinischen Instituten.
Aufgaben
- arbeitsmedizinische Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorgen durchführen
- Arbeitsplätze und Betriebsstätten begehen und Gefährdungen beurteilen
- Arbeitgeber zu Gefahrstoffen, Ergonomie, Lärm und Schichtarbeit beraten
- Beschäftigte nach längerer Krankheit im Eingliederungsmanagement begleiten
- Eignungs- und Tauglichkeitsuntersuchungen beurteilen, etwa für Fahr- oder Höhenarbeiten
- Impfungen und reisemedizinische Beratung für Auslandseinsätze anbieten
- im Arbeitsschutzausschuss mitwirken und Maßnahmen dokumentieren
- Betriebe zu Mutterschutz und zum Einsatz besonders schutzbedürftiger Gruppen beraten
Voraussetzungen
- abgeschlossenes Medizinstudium und deutsche Approbation
- Facharztanerkennung Arbeitsmedizin oder Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin
- Kenntnisse im Arbeitsschutzrecht, in der ArbMedVV und in der Gefahrstoffverordnung
- Fähigkeit, zwischen Betriebsinteressen und Beschäftigtenschutz sachlich zu vermitteln
- Bereitschaft zu Fahrten zwischen Betriebsstandorten, meist mit Führerschein
- sorgfältige Dokumentation und Umgang mit vertraulichen Gesundheitsdaten
Wo man arbeitet
- überbetriebliche arbeitsmedizinische Dienste
- werksärztliche Dienste von Industrie- und Handelsunternehmen
- Kliniken und Universitätsinstitute für Arbeitsmedizin
- Behörden, Verkehrsbetriebe und öffentlicher Dienst
- Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger
- eigene arbeitsmedizinische Praxis mit Betreuungsverträgen
Der Weg in den Beruf
Nach dem Medizinstudium und der Approbation folgt eine fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Arbeitsmedizin, davon zwei Jahre in der Patientenversorgung und drei Jahre im Fachgebiet, ergänzt um einen mehrmonatigen Weiterbildungskurs. Abschluss ist die Facharztprüfung bei der Landesärztekammer. Wer bereits einen anderen Facharzttitel hat, kann stattdessen die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin erwerben.
Offene Stellen als Facharzt für Arbeitsmedizin / Betriebsmediziner
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- Offene Stellen
- 50
- Monatsbrutto
- 3.300 – 8.000 €
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