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Gesundheit & Pflege

Facharzt Arbeitsmedizin

Fachärzte für Arbeitsmedizin betreuen Beschäftigte in Betrieben: Sie führen Vorsorgeuntersuchungen durch, beurteilen Arbeitsplätze auf gesundheitliche Risiken und beraten Arbeitgeber wie Belegschaft. Behandelt wird dabei kaum, im Mittelpunkt steht die Vorbeugung.

5 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.

Gehalt

Was man als Facharzt Arbeitsmedizin verdient

Monats- und Jahresbrutto nach Erfahrungsstufe, bundesweit
Erfahrung Von Median Bis Jahresbrutto Verhältnis
Berufseinstieg 5.800 € 6.600 € 7.500 € 79.200 €
Mit Berufserfahrung 7.000 € 8.200 € 9.500 € 98.400 €
Mit langjähriger Erfahrung 8.500 € 10.000 € 13.000 € 120.000 €

An Universitätsinstituten und bei Unfallversicherungsträgern gilt meist der TV-Ärzte beziehungsweise der TVöD, in der Industrie und bei großen arbeitsmedizinischen Dienstleistern wird frei verhandelt und deutlich höher gezahlt. Wegen des Fachkräftemangels sind die Spitzenwerte, besonders bei Konzernen und in eigener Betriebsbetreuung, spürbar über dem Median.

Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.

Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.

Gehalt nach Bundesland

Das Berufsbild

Was macht ein Facharzt für Arbeitsmedizin?

Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner arbeiten an der Schnittstelle zwischen Medizin und Arbeitswelt. Der größte Teil des Alltags besteht aus arbeitsmedizinischer Vorsorge: Sehtests bei Bildschirmarbeit, Lungenfunktionsprüfungen bei Staubbelastung, Hörtests bei Lärm, Untersuchungen vor Auslandsentsendungen, Eignungsbeurteilungen für Fahr- und Steuertätigkeiten. Dazu kommen Impfberatung und Impfungen, Blutentnahmen mit Biomonitoring auf Gefahrstoffe und Gespräche über Beschwerden, die mit der Arbeit zusammenhängen könnten.

Ein zweiter Teil findet nicht im Sprechzimmer statt, sondern im Betrieb. Begehungen von Produktionshallen, Baustellen, Laboren oder Büros, Mitarbeit im Arbeitsschutzausschuss, Stellungnahmen zu Gefährdungsbeurteilungen, Beratung bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen und Schichtplänen. Bei Rückkehr nach langer Krankheit begleiten Arbeitsmediziner das betriebliche Eingliederungsmanagement und schlagen Anpassungen vor. Auch Verdachtsanzeigen auf Berufskrankheiten und Gutachten für Unfallversicherungsträger gehören dazu. Behandelt wird in der Regel nicht - die Rolle ist beratend und beurteilend, und die ärztliche Schweigepflicht gilt gegenüber dem Arbeitgeber uneingeschränkt.

Wie wird man Facharzt für Arbeitsmedizin?

Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium und die Approbation. Danach folgt eine fünfjährige Weiterbildung, von der ein erheblicher Teil in der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet werden muss, meist in der Inneren Medizin oder einem anderen klinischen Gebiet. Hinzu kommen Zeiten in einem arbeitsmedizinischen Betriebsdienst oder Institut sowie ein mehrmonatiger theoretischer Kurs. Abschluss ist die Facharztprüfung bei der zuständigen Landesärztekammer. Alternativ existiert die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin, die auf einer anderen Facharztweiterbildung aufbaut und kürzer ist. Der Weg in die Arbeitsmedizin verläuft häufig als Wechsel nach einigen Jahren Klinik, gerade wenn Nachtdienste und Wochenendarbeit nicht mehr passen.

Was der Beruf verlangt

Die Arbeitszeiten sind für ärztliche Verhältnisse gut planbar: kein Nachtdienst, keine Bereitschaft, meist geregelte Tage. Dafür wird viel gereist, wenn mehrere Betriebe an verschiedenen Standorten betreut werden, und der Terminkalender ist dicht getaktet. Die Untersuchungen wiederholen sich, ein Teil der Tätigkeit ist Routine mit hohem Dokumentationsaufwand. Wer die Spannung der Akutmedizin braucht, wird sie hier nicht finden.

Schwieriger ist oft die Rolle selbst. Arbeitsmediziner werden vom Arbeitgeber bezahlt, müssen aber gegenüber den Beschäftigten unabhängig bleiben. Das erzeugt Misstrauen auf beiden Seiten und verlangt klare Kommunikation. Empfehlungen zu Arbeitsplatzverbesserungen werden nicht immer umgesetzt. Wer Konflikte scheut oder Wirkung sofort sehen will, tut sich schwer. Nötig sind außerdem Kenntnisse im Arbeitsschutzrecht, Sozialrecht und in der Gefahrstoffkunde, die im Studium kaum vorkommen.

Aussichten

Die Nachfrage ist deutlich größer als das Angebot. Betriebe sind gesetzlich verpflichtet, betriebsärztliche Betreuung zu organisieren, und die Altersstruktur des Fachgebiets ist ungünstig - ein großer Teil der Fachärzte erreicht in den kommenden Jahren das Rentenalter. Stellen finden sich bei überbetrieblichen arbeitsmedizinischen Diensten, in Werksärztlichen Diensten großer Industrieunternehmen, bei Unfallversicherungsträgern, in Behörden und Universitätsinstituten. Möglich sind auch eine eigene Praxis mit Betriebsbetreuung und eine freiberufliche Tätigkeit für mehrere Auftraggeber. Entwicklungswege führen in die Leitung eines betriebsärztlichen Dienstes, in das betriebliche Gesundheitsmanagement, in die Gutachtertätigkeit oder in Forschung und Lehre.

Aufgaben

  • arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen durchführen und beurteilen
  • Betriebsbegehungen an Arbeitsplätzen und Baustellen vornehmen
  • Arbeitgeber zu Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitsschutz beraten
  • betriebliches Eingliederungsmanagement nach langer Krankheit begleiten
  • Impfungen und Reisemedizin für entsandte Beschäftigte organisieren
  • Verdachtsanzeigen auf Berufskrankheiten stellen und Gutachten erstellen
  • Beschäftigte zu arbeitsbedingten Beschwerden und Belastungen beraten
  • im Arbeitsschutzausschuss mitarbeiten und Maßnahmen dokumentieren

Voraussetzungen

  • abgeschlossenes Medizinstudium und deutsche Approbation
  • fünfjährige Facharztweiterbildung Arbeitsmedizin oder Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin
  • Kenntnisse im Arbeitsschutz-, Sozial- und Gefahrstoffrecht
  • Fähigkeit, unabhängig zu bleiben und Konflikte sachlich zu führen
  • sicheres Auftreten gegenüber Geschäftsführung und Betriebsrat
  • Führerschein und Bereitschaft zu Fahrten zwischen Betriebsstandorten
  • Bereitschaft zu Dokumentation und Berichtswesen

Wo man arbeitet

  • überbetriebliche arbeitsmedizinische Dienste
  • werksärztliche Dienste in Industrie und Konzernen
  • Unfallversicherungsträger und Berufsgenossenschaften
  • arztpraxen mit Betriebsbetreuung
  • Behörden und öffentlicher Dienst
  • Universitätsinstitute für Arbeitsmedizin

Der Weg in den Beruf

Nach dem sechsjährigen Medizinstudium und der Approbation folgt eine fünfjährige Weiterbildung zum Facharzt für Arbeitsmedizin, die klinische Zeiten in der Patientenversorgung, Zeiten in einem arbeitsmedizinischen Dienst und einen theoretischen Kurs umfasst. Sie endet mit der Facharztprüfung bei der Landesärztekammer. Wer bereits eine andere Facharztanerkennung besitzt, kann stattdessen die Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin erwerben.

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