Was macht ein Facharzt für Allgemeinmedizin?
Der Arbeitstag besteht überwiegend aus Sprechstunde: Patienten kommen mit Husten, Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Hautausschlägen, Erschöpfung, Bauchschmerzen oder unklaren Beschwerden, die sich nicht sofort einem Organ zuordnen lassen. Dazu gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutentnahme, EKG, Lungenfunktion, Ultraschall, Wundversorgung, Impfungen und das Verordnen von Medikamenten, Physiotherapie oder Hilfsmitteln.
Ein großer Teil der Arbeit ist Langzeitbetreuung: Diabetes, Herzinsuffizienz, COPD, Depression, Demenz. Fachärzte für Allgemeinmedizin führen Disease-Management-Programme, Gesundheitsuntersuchungen und Krebsfrüherkennung durch, stellen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus, schreiben Überweisungen, Berichte für Krankenkassen und Rentenversicherung und machen Hausbesuche, besonders bei Pflegebedürftigen und in der letzten Lebensphase. Hinzu kommen Praxisorganisation, Personalführung und Abrechnung, wenn die Praxis selbst geführt wird.
Wie wird man Facharzt für Allgemeinmedizin?
Am Anfang steht das Studium der Humanmedizin, rund sechs Jahre inklusive Praktischem Jahr, abgeschlossen mit dem Staatsexamen und der Approbation. Der Zugang läuft über die Abiturnote, Testergebnisse und Wartezeitverfahren; Studienplätze sind knapp. Danach folgt die Weiterbildung Allgemeinmedizin von fünf Jahren, aufgeteilt in Klinikabschnitte, meist Innere Medizin, und mindestens zwei Jahre in der hausärztlichen Praxis. Sie endet mit der Facharztprüfung bei der Landesärztekammer.
Ein echter Quereinstieg existiert nicht. Wer bereits einen anderen Facharzttitel besitzt, kann Weiterbildungszeiten anrechnen lassen und in die Allgemeinmedizin wechseln. Ärztinnen und Ärzte mit ausländischem Abschluss brauchen die Anerkennung der Approbation und in der Regel den Nachweis von Fachsprachkenntnissen.
Was der Beruf verlangt
Die Sprechstunde ist dicht. Kurze Kontakte, viele Patienten pro Tag, ständige Entscheidungen unter Unsicherheit: Der Hausarzt sieht Beschwerden im Frühstadium, ohne apparative Vollausstattung, und muss trennen, was harmlos ist und was sofort in die Klinik gehört. Dokumentation und Verwaltung kosten viel Zeit und werden von vielen als der unangenehmste Teil beschrieben.
Die Arbeitszeiten sind in der Praxis planbarer als in der Klinik, dafür kommen Bereitschaftsdienste der Kassenärztlichen Vereinigung an Abenden und Wochenenden hinzu. Wer eine eigene Praxis führt, trägt wirtschaftliches Risiko, Investitionen und Verantwortung für Angestellte. Belastend sind auch fordernde Patienten, Konflikte um Bescheinigungen und die Nähe zu Sterben und Trauer bei Menschen, die man jahrelang begleitet hat. Emotionale Abgrenzung ist eine erlernbare, aber notwendige Fähigkeit.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und wächst weiter. Ein erheblicher Teil der Hausärzte erreicht in den kommenden Jahren das Rentenalter, viele Sitze auf dem Land und in Kleinstädten bleiben unbesetzt. Wer sich niederlassen will, findet Praxen zur Übernahme, teils mit Förderprogrammen von Kassenärztlichen Vereinigungen und Ländern. Anstellung in Praxis, Medizinischem Versorgungszentrum oder Gesundheitsamt ist ebenso möglich wie Teilzeit, was den Beruf im Vergleich zur Klinik familienfreundlicher macht.
Entwicklungswege führen über Zusatzqualifikationen wie Palliativmedizin, Notfallmedizin, Psychosomatische Grundversorgung, Sportmedizin oder Diabetologie, über die Lehre als akademische Lehrpraxis oder in die ärztliche Selbstverwaltung.