Was macht ein Elektrokonstrukteur?
Elektrokonstrukteure übersetzen eine technische Anforderung in einen elektrischen Stromlaufplan. Am Anfang steht meist ein Lastenheft oder eine mechanische Konstruktion: Eine Abfüllanlage soll zwölf Antriebe, vierzig Sensoren und eine Sicherheitstür erhalten. Daraus entsteht im CAE-System, üblicherweise EPLAN Electric P8, seltener WSCAD oder Zuken E3, ein vollständiger Schaltplan mit Einspeisung, Absicherung, Steuerspannungsversorgung, Motorabzweigen und Feldbusverkabelung.
Zur Arbeit gehört die Auswahl der Bauteile: Motorschutzschalter nach Anlaufstrom, Leitungsquerschnitte nach Strombelastbarkeit und Verlegeart, Frequenzumrichter nach Leistung und Bremsbetrieb, Sicherheitsrelais nach dem geforderten Performance Level. Die Bauteile werden im Artikelstamm gepflegt, aus dem später Stücklisten, Klemmenpläne, Kabellisten und Beschriftungsdateien automatisch erzeugt werden. Der Schaltschrankaufbau wird im 3D-Modul geplant, damit Wärmeentwicklung, Verdrahtungswege und Türanschläge stimmen.
Daneben steht viel Abstimmung: mit der Mechanik über Kabelwege und Sensorpositionen, mit der Softwareabteilung über Adressen und Ein-/Ausgangslisten, mit dem Einkauf über Verfügbarkeit und Preis der Komponenten, mit dem Schaltschrankbau über Fertigungsfragen. Bei Inbetriebnahmen werden Rotstiftänderungen aus der Anlage zurück in die Zeichnung übernommen. Wer im Anlagenbau arbeitet, erstellt außerdem Risikobeurteilungen, Prüfprotokolle nach DIN EN 60204-1 und die technische Dokumentation für die CE-Kennzeichnung.
Wie wird man Elektrokonstrukteur?
Es gibt zwei übliche Wege. Der erste führt über eine Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik oder Automatisierungstechnik und anschließend eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Elektrotechnik oder zum Industriemeister. Der zweite ist ein Studium der Elektrotechnik, Mechatronik oder Automatisierungstechnik, als Bachelor an einer Hochschule oder im dualen Modell.
Die CAE-Kenntnisse kommen selten aus der Ausbildung, sondern aus Schulungen und der Praxis. Viele Betriebe stellen bewusst Berufseinsteiger ein und bringen ihnen EPLAN im Projekt bei. Ein Quereinstieg aus der Instandhaltung oder dem Schaltschrankbau ist verbreitet, weil dort das Verständnis für Verdrahtung und Praxistauglichkeit schon vorhanden ist.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit ist überwiegend Bildschirmarbeit im Büro, meist zu geregelten Zeiten und häufig mit Gleitzeit oder Homeoffice-Anteil. Anstrengend ist die Genauigkeit: Ein falsch bemessener Querschnitt oder eine vergessene Verriegelung fällt erst bei der Inbetriebnahme auf und kostet dann Tage. Vor Auslieferungsterminen wird der Druck hoch, weil die Konstruktion am Anfang der Kette steht und jede Verzögerung nach hinten durchschlägt.
Normen und Vorschriften müssen laufend nachgelesen werden, das Regelwerk ändert sich. Änderungswünsche von Kunden treffen oft ein, wenn der Schrank schon verdrahtet ist. Wer im internationalen Anlagenbau arbeitet, muss Pläne nach UL oder anderen Landesvorschriften auslegen und englischsprachig dokumentieren. Reisen zu Inbetriebnahmen kommen vor, sind aber meist nicht der Regelfall.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil bis hoch, besonders im Maschinen- und Sondermaschinenbau, in der Gebäudeautomation, bei Energie- und Batterieanlagen. Erfahrene Konstrukteure mit belastbarem Normenwissen sind schwer zu finden. Entwicklungswege führen zur Projektleitung, zur Fachverantwortung für Maschinensicherheit, zur Systemadministration und Standardisierung im CAE-Umfeld oder in die Richtung Automatisierungs- und SPS-Programmierung. Ein Wechsel ins technische Vertriebsingenieurwesen ist ebenfalls gängig.