Was macht ein ERP-Consultant?
ERP-Systeme bündeln Buchhaltung, Einkauf, Lager, Produktion und Personalwesen in einer Software. Wer sie einführt, muss zuerst verstehen, wie ein Unternehmen tatsächlich arbeitet. Ein ERP-Consultant führt dafür Workshops mit Fachabteilungen durch, protokolliert Prozesse, erkennt Widersprüche und schlägt vor, was im Standard abgebildet wird und was eine Anpassung braucht.
Danach folgt die Konfiguration: Buchungskreise anlegen, Belegarten definieren, Berechtigungsrollen zuschneiden, Schnittstellen zu Vorsystemen abstimmen. In vielen Projekten kommt Entwicklungsarbeit dazu oder zumindest die Fähigkeit, Anforderungen so zu spezifizieren, dass Entwickler sie umsetzen können. Vor dem Produktivstart stehen Testphasen, Datenmigration und Anwenderschulungen, danach Hypercare-Wochen, in denen Störungen im Tagesbetrieb schnell gelöst werden müssen.
Die Arbeit ist zu großen Teilen Kommunikation. Consultants moderieren zwischen einer Fachabteilung, die alles wie bisher behalten will, und einer Projektleitung, die Budget und Termin im Blick hat. Dokumentation, Aufwandsschätzungen und Statusberichte gehören ebenso dazu wie die Pflege des Angebots gegenüber dem Kunden.
Wie wird man ERP-Consultant?
Der häufigste Weg ist ein Studium der Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft mit IT-Schwerpunkt oder Informatik. Auch eine kaufmännische Ausbildung mit anschließender Fachweiterbildung führt hinein, ebenso die Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung oder zum Kaufmann für IT-System-Management.
Ein großer Teil der Consultants kommt aus der Fachabteilung: Buchhalter, Disponenten oder Produktionsplaner, die jahrelang mit dem System gearbeitet haben und ihr Prozesswissen mitbringen. Für diesen Quereinstieg sind Herstellerzertifizierungen der übliche Nachweis, etwa die SAP-Zertifikate für einzelne Module oder die Microsoft-Dynamics-Prüfungen. Beratungshäuser bilden Einsteiger häufig selbst aus und setzen sie zunächst als Junior in laufenden Projekten ein.
Was der Beruf verlangt
Reisetätigkeit gehört in klassischen Beratungshäusern zum Alltag, wenn auch weniger als vor der Verbreitung von Remote-Workshops. Zwei bis drei Tage pro Woche beim Kunden sind in vielen Projekten normal. Wer feste Präsenzzeiten am Wohnort braucht, sollte gezielt nach Inhouse-Stellen oder regional arbeitenden Systemhäusern suchen.
Projektphasen sind ungleich belastet. Vor Go-Live-Terminen, zum Jahreswechsel und bei Datenmigrationen fallen Wochenendeinsätze und lange Tage an, danach wird es ruhiger. Die fachliche Halbwertszeit ist kurz: Releasewechsel, Cloud-Umstellungen und neue Lizenzmodelle zwingen zu ständigem Nachlernen, oft in der Freizeit.
Schwer fällt vielen der Umgang mit Widerstand. Eine ERP-Einführung ändert Arbeitsabläufe und macht Tätigkeiten überflüssig. Consultants stehen dann zwischen den Fronten und müssen Kritik aushalten, die nicht ihnen persönlich gilt.
Aussichten
Die Nachfrage ist hoch und dürfte es bleiben. Der Auslauf des Wartungssupports für ältere SAP-Versionen zwingt tausende Unternehmen zu Migrationen, gleichzeitig steigen kleinere Betriebe von Insellösungen auf integrierte Systeme um. Erfahrene Berater mit Modulschwerpunkt sind knapp.
Entwicklungswege führen zur Spezialisierung auf ein Modul oder eine Branche, zur Projektleitung, in die Vorverkaufsberatung oder in eine leitende Rolle im Beratungshaus. Viele wechseln nach einigen Jahren auf die Kundenseite als Inhouse-Consultant oder ERP-Verantwortliche, meist mit weniger Reisetätigkeit. Selbstständigkeit als Freiberufler ist verbreitet und wird auf Tagessatzbasis vergütet.