Was macht eine Bewirtschafterin?
Bewirtschaftung heißt: eine Immobilie am Laufen halten, kaufmännisch und technisch. Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter betreuen einen festen Bestand an Objekten, meist mehrere Hundert Wohneinheiten oder einige Gewerbeliegenschaften. Sie schließen Verträge mit Dienstleistern für Reinigung, Grünpflege, Winterdienst, Aufzugswartung und Heizungsservice ab, prüfen deren Rechnungen und kontrollieren, ob die Leistung tatsächlich erbracht wurde. Sie erstellen oder prüfen Betriebskostenabrechnungen, überwachen Wirtschaftsplan und Instandhaltungsbudget und melden Abweichungen.
Der zweite Teil der Arbeit ist der Kontakt zu den Nutzern. Mieter melden eine defekte Therme, Nachbarn streiten über Lärm, ein Gewerbemieter will eine Trennwand versetzen. Bewirtschafter nehmen Mängel auf, veranlassen die Reparatur, halten Fristen nach und dokumentieren alles im Verwaltungsprogramm. Regelmäßige Objektbegehungen gehören dazu, ebenso die Kontrolle von Prüfpflichten: Trinkwasseruntersuchung, Brandschutz, Sicherheitsbeleuchtung, Spielplatzabnahme. Bei Wohnungswechseln übernehmen sie Abnahme und Übergabe, erfassen Instandsetzungsbedarf und stimmen Vermietungsunterlagen mit den Kollegen ab.
Wie wird man Bewirtschafter?
Der geläufigste Weg ist die dreijährige Ausbildung zur Immobilienkauffrau oder zum Immobilienkaufmann. Viele kommen auch aus einer kaufmännischen Ausbildung in der Bau- oder Wohnungswirtschaft oder aus einem Handwerksberuf mit anschließender Weiterbildung zum Immobilienfachwirt. Für Stellen mit stark technischem Zuschnitt sind Bauzeichner, Techniker oder Meister im Bereich Sanitär-Heizung-Klima gefragt. Ein Studium in Immobilienwirtschaft oder Facility Management öffnet Positionen mit größerem Budgetverantwortungsbereich.
Quereinstieg ist möglich und kommt häufig vor, etwa aus der Hausverwaltung, dem Bauhof oder dem kaufmännischen Backoffice. Wer die Grundlagen von Mietrecht, Betriebskostenverordnung und Vergabe kennt, findet in der Regel eine Einstiegsstelle; Wohnungsgenossenschaften und kommunale Gesellschaften schulen selbst nach.
Was der Beruf verlangt
Der Alltag ist zerstückelt. Telefon, Postkorb, Termine vor Ort und Fristen laufen gleichzeitig, und Beschwerden treffen nicht immer die Verursacher. Wer Konflikte schlecht aushält oder Kritik persönlich nimmt, verbraucht sich in diesem Beruf schnell. Nach Wasserschäden, Heizungsausfällen im Winter oder Sturmschäden entstehen Belastungsspitzen, teils mit Rufbereitschaft. Die Arbeitszeiten sind meist regulär, aber der Außendienst bringt Wetter, Treppenhäuser, Keller und Dachböden mit sich.
Dazu kommt Dokumentationsdruck. Prüf- und Verkehrssicherungspflichten sind haftungsrelevant, Nachweise müssen sauber geführt sein. Wer Zahlen und Aktenlage nicht mag, wird damit nicht glücklich. Ein Führerschein ist praktisch immer nötig.
Aussichten
Der Bestand an Wohn- und Gewerbeimmobilien muss unabhängig von der Baukonjunktur verwaltet werden, deshalb ist die Nachfrage stabil und wenig krisenanfällig. Wohnungsunternehmen, Genossenschaften und Verwalter suchen erfahrene Kräfte durchgängig, auch weil viele Beschäftigte in den kommenden Jahren in Rente gehen. Energetische Sanierung, Heizungsumstellung und Verbrauchsdatenerfassung erweitern die Aufgaben und machen technisches Verständnis wertvoller.
Entwicklungswege führen in die Teamleitung eines Bewirtschaftungsbereichs, ins technische Bestandsmanagement, in die Betriebskostenabteilung oder in die Steuerung größerer Sanierungsprojekte. Wer sich zum Immobilienfachwirt oder Betriebswirt weiterbildet, kommt an Positionen mit Personal- und Budgetverantwortung.