Was macht ein Berufskraftfahrer im Fernverkehr?
Der Arbeitstag beginnt meist mit der Abfahrtkontrolle: Reifen, Bremsen, Beleuchtung, Ölstand, Ladungssicherung. Danach folgt die Tour, die von der Disposition vorgegeben wird. Im Fernverkehr sind das Strecken von mehreren hundert Kilometern täglich, häufig quer durch Deutschland oder in die Nachbarländer. Geladen wird bei Speditionen, in Industriebetrieben, an Terminals oder Handelslagern. Oft wartet der Fahrer dort, manchmal packt er selbst mit an, sichert Paletten mit Spanngurten, kontrolliert Stückzahlen und lässt Papiere abzeichnen.
Zur Arbeit gehört mehr als Fahren. Frachtbriefe und Lieferscheine müssen stimmen, der digitale Tachograf wird bedient, Lenk- und Ruhezeiten werden eingehalten und dokumentiert. Bei Kühltransporten ist die Temperatur zu überwachen, bei Gefahrgut kommen zusätzliche Vorschriften und Papiere hinzu. Wer Kraftstoff tankt, Mautgeräte bedient, Reifenschäden meldet oder eine Panne am Rand der Autobahn abwickelt, arbeitet allein und muss selbst entscheiden. Übernachtet wird in der Kabine, auf Autohöfen und Rastplätzen.
Wie wird man Berufskraftfahrer im Fernverkehr?
Es gibt zwei Wege. Die dreijährige duale Ausbildung zum Berufskraftfahrer schließt den Führerschein CE, die Grundqualifikation nach Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz und Kenntnisse in Ladungssicherung, Technik und Logistik ein. Häufiger ist der Quereinstieg: Erwachsene erwerben den Lkw-Führerschein C/CE sowie die beschleunigte Grundqualifikation in einigen Wochen an einer Fahrschule oder einem Bildungsträger. Die Kosten liegen im mittleren vierstelligen Bereich; die Agentur für Arbeit fördert sie oft mit einem Bildungsgutschein, und viele Speditionen finanzieren die Ausbildung gegen eine Bindungsfrist.
Mindestalter ist in der Regel 21 Jahre, mit abgeschlossener Ausbildung 18. Alle fünf Jahre sind Weiterbildungsmodule Pflicht, dazu kommen ärztliche und augenärztliche Untersuchungen zur Verlängerung der Fahrerlaubnis.
Was der Beruf verlangt
Der Fernverkehr bedeutet Abwesenheit von zu Hause. Üblich sind Wochentouren mit Rückkehr am Freitag oder Samstag, bei internationalen Fahrten auch längere Zeiträume. Wer feste Abende mit der Familie braucht, ist im Nahverkehr besser aufgestellt. Die Arbeit ist sitzend, aber nicht leicht: Rücken und Nacken leiden, die Ernährung unterwegs ist schlecht, Bewegung fehlt. Zeitdruck durch Ladefenster, Staus und knappe Disposition ist Alltag, ebenso Warten ohne Bezahlung.
Wer die Lenkzeiten überzieht, haftet persönlich; Bußgelder treffen den Fahrer. Rangieren mit dem Sattelzug in engen Höfen, Fahren bei Schnee und Nebel, nächtliches Alleinsein auf überfüllten Rastplätzen mit mangelhaften Sanitäranlagen gehören dazu. Preisdruck in der Branche schlägt auf die Arbeitsbedingungen durch, besonders bei kleinen Subunternehmern.
Aussichten
Der Bedarf ist hoch und wächst. Jährlich gehen deutlich mehr Fahrer in Rente als nachrücken, viele Speditionen finden keine Bewerber. Wer einen sauberen CE-Führerschein und Erfahrung hat, findet in kurzer Zeit eine Stelle und kann Arbeitgeber wechseln. Zusatzqualifikationen zahlen sich aus: ADR-Schein für Gefahrgut, Kran- oder Ladebordwandtechnik, Schwer- und Sondertransporte, Tank- oder Silofahrzeuge. Entwicklungswege führen in die Disposition, zum Fahrtrainer, in die Werkstattannahme oder zum Meister für Kraftverkehr. Der Sprung in die eigene Selbstständigkeit als Frachtführer ist möglich, wirtschaftlich aber riskant. Automatisiertes Fahren wird den Beruf mittelfristig verändern, ihn aber auf absehbare Zeit nicht ersetzen.