Was macht ein Bauleiter schlüsselfertiger Hochbau?
Schlüsselfertiger Hochbau heißt: Ein Gebäude wird nicht nur im Rohbau erstellt, sondern komplett fertig übergeben, mit Estrich, Putz, Fenstern, Heizung, Elektrik, Fliesen, Malerarbeiten und Außenanlagen. Der Bauleiter koordiniert die vielen Firmen, die daran beteiligt sind. Er liest Ausführungspläne, prüft, ob sie zueinander passen, klärt Details mit Architekten und Fachplanern und legt fest, welches Gewerk wann welchen Bereich bekommt. Er ruft Nachunternehmer ab, kontrolliert deren Leistung, dokumentiert den Baufortschritt und hält Bautagebuch. Er nimmt Aufmaße, prüft Rechnungen und Nachträge, verfolgt Behinderungen und Mängel und bereitet die Abnahme vor. Dazu kommen Baubesprechungen mit Bauherren, Arbeitsschutz auf der Baustelle und laufende Abstimmung mit der Kalkulation im Büro über Mengen und Kosten. Der Arbeitstag teilt sich zwischen Baustellenrundgang, Baucontainer und Telefon.
Wie wird man Bauleiter schlüsselfertiger Hochbau?
Der häufigste Weg führt über ein Studium im Bauingenieurwesen, Baubetrieb oder Architektur, meist als Bachelor an einer Hochschule. Ebenso verbreitet ist der Aufstieg über eine Bauhandwerksausbildung mit anschließender Meister- oder Technikerprüfung, etwa als Maurer- und Betonbauermeister oder Bautechniker. Berufseinsteiger arbeiten in der Regel ein bis drei Jahre als Bauleiterassistenz oder Jungbauleiter einer größeren Baustelle zu, bevor sie eigene Projekte übernehmen. Wichtiger als der formale Abschluss ist am Ende die Erfahrung mit dem Zusammenspiel der Ausbaugewerke, mit VOB-Verträgen und mit der Führung von Nachunternehmern. Ein Quereinstieg aus dem Handwerk oder aus der Kalkulation ist möglich, aus einer baufremden Branche praktisch nicht.
Was der Beruf verlangt
Der Beruf gilt als einer der fordernden auf dem Bau. Termindruck ist der Normalzustand, weil Vertragsfristen, Vertragsstrafen und die Abhängigkeiten zwischen den Gewerken keinen Puffer lassen. Wenn der Estrich zu spät kommt, verschieben sich alle nachfolgenden Arbeiten. Wochenarbeitszeiten deutlich über der vertraglichen Zeit sind verbreitet, Samstagseinsätze in kritischen Phasen ebenfalls. Wer weit von der Baustelle wohnt, pendelt oder ist unter der Woche auswärts untergebracht. Dazu gehört Konfliktfähigkeit: Bauleiter müssen Firmen zur Leistung anhalten, Mängel benennen und gegenüber Bauherren Position beziehen, ohne das Projekt zu blockieren. Körperlich ist die Arbeit weniger anstrengend als im Handwerk, aber man ist bei jedem Wetter draußen, steigt Treppen und Leitern, arbeitet im Rohbaustaub. Belastend ist eher die Verantwortung, auch die rechtliche für Arbeitssicherheit und Baustellenordnung.
Aussichten
Bauleiter werden gesucht, seit Jahren und in fast allen Regionen. Auch in Phasen mit schwachem Wohnungsbau bleibt der Bedarf hoch, weil viele erfahrene Bauleiter in den Ruhestand gehen und der Nachwuchs knapp ist. Wer solide arbeitet, kann den Arbeitgeber vergleichsweise leicht wechseln, was die Verhandlungsposition stärkt. Entwicklungswege führen zum Oberbauleiter mit mehreren Baustellen, zur Projektleitung mit Ergebnisverantwortung, in die Niederlassungsleitung oder in angrenzende Felder wie Kalkulation, Nachtragsmanagement, Projektsteuerung auf Bauherrenseite oder Sachverständigentätigkeit. Manche machen sich als selbstständige Bauleiter oder Baubetreuer selbstständig.