Was macht ein Bauingenieur im Straßenbau?
Die Arbeit beginnt meist mit einer Trasse auf dem Plan: Wo verläuft die Straße, welche Steigung ist zulässig, wie werden Kurven ausgerundet, wohin fließt das Regenwasser. Bauingenieure im Straßenbau entwerfen Achsen, Längs- und Querschnitte in Fachsoftware, bemessen den Oberbau nach RStO, planen Bordsteine, Entwässerungsrinnen, Versickerungsmulden und Kanalanschlüsse. Sie erstellen Massenberechnungen, Leistungsverzeichnisse und Kostenschätzungen und begleiten Vergabeverfahren.
In der Bauleitung verschiebt sich der Alltag nach draußen. Dann geht es um Einweisung der Kolonnen, Kontrolle der Einbautemperatur des Asphalts, Verdichtungsnachweise, Aufmaße, Bautagebücher, Nachträge und um die Abstimmung mit Versorgern, Anwohnern, Polizei und Straßenverkehrsbehörde. Verkehrsführung und Umleitungen sind ein eigenes Thema, oft das konfliktreichste. Viele Projekte sind Sanierungen unter laufendem Verkehr, nicht Neubau auf freiem Feld.
Wie wird man Bauingenieur im Straßenbau?
Üblicher Weg ist ein Bachelorstudium Bauingenieurwesen an einer Hochschule oder Universität, sechs bis sieben Semester, häufig gefolgt von einem Master. Die Spezialisierung erfolgt über die Vertiefungsrichtung Verkehrswesen, Straßenwesen oder Infrastruktur sowie über Praktika und die Abschlussarbeit. Voraussetzung ist Abitur oder Fachhochschulreife; mit abgeschlossener Bauausbildung und Meisterbrief ist ein Studium auch ohne Abitur möglich.
Wer in den öffentlichen Dienst will, kann nach dem Master das Referendariat für den höheren technischen Verwaltungsdienst anschließen. Ein Quereinstieg gelingt Technikern und Bautechnikern über langjährige Praxis, meist in Bauüberwachung oder Vermessung, seltener in der Entwurfsplanung. Für Berufsanfänger ist die Einarbeitung lang: Regelwerke wie RStO, RAA, RASt, ZTV Asphalt-StB und die VOB lernt man erst im Projekt.
Was der Beruf verlangt
Baustellen laufen bei Hitze, Regen und Kälte, und Asphalteinbau findet oft nachts oder am Wochenende statt, weil die Straße tagsüber befahren werden muss. Bauleiter arbeiten früh, mit Fahrzeiten zwischen mehreren Baustellen und in Spitzenzeiten deutlich über die Regelarbeitszeit hinaus. Termindruck, knappe Kalkulationen und Streit über Nachträge gehören dazu.
Gefordert sind Genauigkeit bei Zahlen, Standfestigkeit gegenüber Nachunternehmern und Behörden und die Bereitschaft, Verantwortung für Sicherheit und Kosten zu tragen. Öffentliche Auftraggeber bringen langsame Verfahren, viel Dokumentation und Beteiligungsverfahren mit sich; Bauunternehmen bringen Reisetätigkeit und Ergebnisdruck. Wer ausschließlich im Büro planen will, findet Stellen in Ingenieurbüros, muss dort aber mit stärkerer Bindung an Honorarordnung und Ausschreibungswettbewerb rechnen.
Aussichten
Die Nachfrage ist stabil und in vielen Regionen höher als das Angebot. Der Sanierungsstau bei Straßen, Brücken und Kanälen, Radwegeausbau, Ortsdurchfahrten und Anpassungen an Starkregen sichern langfristig Arbeit; Kommunen und Landesbehörden suchen dauerhaft Ingenieure und finden sie schwer. Entwicklungswege führen in die Projektleitung, in die Oberbauleitung, in Fachbereichsleitungen der Verwaltung, in die Prüfstatik verwandter Bereiche oder in die Selbstständigkeit als Ingenieurbüro. Zusatzqualifikationen in Verkehrsplanung, BIM für Infrastruktur oder Erhaltungsmanagement verbessern die Position deutlich.