Was macht ein Projektleiter im Schlüsselfertigbau?
Schlüsselfertigbau bedeutet, dass ein Bauunternehmen dem Bauherrn ein komplett nutzbares Gebäude übergibt - Rohbau, Fassade, Ausbau, Technik, Außenanlagen. Der Projektleiter ist die Person, die dieses Bündel zusammenhält. Er prüft Ausführungspläne auf Vollständigkeit und Widersprüche, schreibt Nachunternehmerleistungen aus, führt Vergabeverhandlungen mit Trockenbauern, Elektrikern, Estrichlegern oder Fassadenbauern und legt fest, wann welche Gewerke auf die Baustelle kommen.
Ein großer Teil der Arbeit ist kaufmännisch. Der Projektleiter verfolgt die Baustellenkalkulation, erkennt Abweichungen, stellt Nachträge gegenüber dem Bauherrn und prüft Nachträge der Nachunternehmer. Er führt Bautagebuch, dokumentiert Behinderungen, schreibt Mängelanzeigen und Fristsetzungen. Dazu kommen Bauherrenbesprechungen, Abstimmungen mit Architekten und Fachplanern sowie die Steuerung der eigenen Bauleiter und Poliere. In der Schlussphase organisiert er Abnahmen, Mängelbeseitigung, Revisionsunterlagen und Übergabe.
Wie wird man Projektleiter im Schlüsselfertigbau?
Der verbreitetste Weg ist ein Bachelor- oder Masterstudium Bauingenieurwesen mit Vertiefung Baubetrieb oder Konstruktiver Ingenieurbau, seltener Architektur oder Wirtschaftsingenieurwesen Bau. Ebenso anerkannt ist der Weg über eine Bauausbildung mit anschließender Weiterbildung zum staatlich geprüften Bautechniker oder zum Meister. Projektleiter wird niemand direkt: Üblich sind einige Jahre als Bauleiter oder Kalkulator, in denen sich zeigt, ob jemand Termine, Geld und Menschen gleichzeitig im Griff behält. Quereinstiege gelingen erfahrenen Bauleitern aus dem Rohbau oder dem Ausbau, wenn sie Vergabe und Vertragswesen beherrschen. VOB/B-Kenntnisse und Sicherheit im Umgang mit Kalkulations- und Terminplanungssoftware sind praktisch Voraussetzung.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeitswoche ist lang. Vierzig Stunden bleiben selten vierzig, Baustellentermine beginnen früh, Auswertungen und Nachtragsschreiben passieren abends. Wer für ein überregional tätiges Unternehmen arbeitet, pendelt oder wohnt zeitweise am Projektort. Der Druck ist doppelt: Der Bauherr will den Termin, das eigene Unternehmen das Ergebnis. Zwischen beidem stehen Nachunternehmer, die Personal abziehen, Lieferungen, die ausbleiben, und Planungen, die zu spät kommen.
Konflikte gehören zum Alltag. Wer Auseinandersetzungen über Mehrkosten, Verzug und Mängel vermeidet, ist in dieser Rolle falsch. Gefordert sind Verhandlungsfestigkeit, Ordnung in der Dokumentation und die Fähigkeit, unangenehme Entscheidungen zeitig zu treffen. Körperlich ist die Tätigkeit weniger belastend als bei den ausführenden Gewerken, aber Baustellenbegehungen bei Kälte, Lärm und Staub sind Teil der Arbeit. Die Verantwortung für Arbeitssicherheit liegt mit im Aufgabenbereich und wird bei Unfällen auch persönlich geprüft.
Aussichten
Die Nachfrage nach erfahrenen Projektleitern ist trotz der Schwankungen im Wohnungsbau anhaltend hoch, weil die Altersstruktur in den Bauunternehmen ungünstig ist und wenige Nachwuchskräfte die Kombination aus Technik und Kaufmännischem mitbringen. Gewerbebau, Sanierung im Bestand und öffentliche Projekte tragen die Auftragsbücher, wenn der private Wohnungsbau nachlässt. Entwicklungswege führen zum Oberbauleiter, zur Niederlassungs- oder Bereichsleitung, in die Kalkulation, ins Baumanagement auf Bauherrenseite oder in die Projektsteuerung. Auch der Schritt in die Selbstständigkeit als Projektsteuerer ist möglich, verlangt aber ein belastbares Netzwerk.