Was macht ein Atmungstherapeut?
Atmungstherapeuten arbeiten dort, wo Menschen nicht selbstständig atmen können oder ihre Lunge dauerhaft geschädigt ist. Auf der Intensivstation kontrollieren sie Beatmungsparameter, passen Druck, Volumen und Sauerstoffanteil an, beurteilen Blutgasanalysen und Röntgenbilder gemeinsam mit den Ärzten und schlagen Änderungen der Beatmungsstrategie vor. Ein Schwerpunkt ist das Weaning, die schrittweise Entwöhnung vom Beatmungsgerät: Spontanatemversuche planen, Belastbarkeit einschätzen, den richtigen Zeitpunkt für die Entfernung des Tubus oder den Verschluss des Tracheostomas mitentscheiden.
Dazu kommen Sekretmanagement, Absaugen, Inhalationstherapie, Lagerung zur Verbesserung des Gasaustauschs, das Anpassen von Masken für die nichtinvasive Beatmung und die Einstellung von Heimbeatmungsgeräten. In der außerklinischen Versorgung schulen Atmungstherapeuten Patienten und Angehörige, prüfen Geräte und arbeiten mit Pflegediensten und Sanitätshäusern zusammen. Viele übernehmen zusätzlich Fortbildungen für Pflegeteams, schreiben Standards mit und begleiten die Einführung neuer Geräte.
Wie wird man Atmungstherapeut?
Der Beruf ist keine Erstausbildung, sondern eine Weiterbildung. Voraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung in der Pflege, als Physiotherapeut oder als Anästhesietechnischer Assistent, meist verbunden mit mehreren Jahren Erfahrung auf einer Intensiv- oder Beatmungsstation. Häufig wird zusätzlich die Fachweiterbildung Intensivpflege und Anästhesie erwartet oder ergänzend erworben.
Die Weiterbildung selbst dauert je nach Anbieter etwa ein bis zwei Jahre in Teilzeit, umfasst mehrere hundert Theoriestunden sowie begleitete Praxiseinsätze und endet mit schriftlicher, mündlicher und praktischer Prüfung. Anerkannt sind vor allem Kurse nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und der Fachgesellschaften für Intensivmedizin. Die Bezeichnung ist nicht staatlich geschützt, weshalb Arbeitgeber genau auf das Zertifikat schauen.
Was der Beruf verlangt
Die Arbeit findet meist im Schichtdienst statt, auf Intensivstationen auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. Einige Kliniken setzen Atmationstherapeuten im Tagdienst als Konsildienst über mehrere Stationen ein, dann ist der Rhythmus ruhiger, die Wegstrecken und die Zahl der Ansprechpartner aber hoch. Körperlich fordern Lagerungsmanöver, Bauchlage bei schwerkranken Patienten und lange Stehzeiten.
Belastend ist vor allem die inhaltliche Verantwortung ohne formale ärztliche Entscheidungsbefugnis: Atmungstherapeuten beraten und schlagen vor, die Anordnung trifft der Arzt. Das setzt Fachkenntnis, Standfestigkeit und die Fähigkeit voraus, sich in eingespielten Teams Gehör zu verschaffen. Hinzu kommt die Nähe zu Sterben und Therapiebegrenzung, gerade bei Patienten, die dauerhaft von der Maschine abhängig bleiben. Wer Technik nicht mag, wird sich schwertun, denn Gerätekunde und Alarmmanagement machen einen großen Teil des Alltags aus.
Aussichten
Die Nachfrage ist deutlich gestiegen, weil Weaning-Zentren zertifiziert werden müssen und die außerklinische Intensivpflege gesetzlich neu geordnet wurde. Kliniken suchen Atmungstherapeuten oft über Monate. Entwicklungswege führen in die Leitung eines Weaning-Bereichs, in die Praxisanleitung und Fortbildung, in den Medizinproduktevertrieb oder ins Überleitungs- und Beatmungsmanagement von Pflegediensten und Kostenträgern. Ein pflegewissenschaftliches oder medizinpädagogisches Studium erweitert die Möglichkeiten zusätzlich.